2021,184: Einbruch

Ich bin zu schwer für die Kirche.

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Geschnitzter Kanzelaltar, Altartisch ist aus Stein, grüne Altardecke mit Lutherrose

Der Kanzelaltar von St. Nicolaus in Kollenbey
Geschnitzter Kanzelaltar ohne bildliche Darstellungen. Oben ist das in Buchform gestaltete Lesepult an der Kanzel zu sehen. Die erwähnte Treppe ist hinter der rechten Tür.

 

Zumindest bin ich zu schwer für die uralte und morsche Treppe herab vom Kanzelaltar.

In der Kirche St. Nicolaus zu Kollenbey habe ich dieses Foto gemacht. Am Nachmittag fragte ich einen Herrn, der direkt am Friedhof wohnt, ob es im Dörfchen jemanden gibt, der den Kirchenschlüssel hat und mich hineinlassen könnte. Natürlich gab es jamanden, der mich dann hineinließ und mir einiges zur Kirche erzählen konnte. Unter anderem, daß es dank des neuen Holzofens (Ersatz für den bei Wikipedia erwähnten Kanonenofen) seit zwei oder drei Jahren die wärmste Kirche das Kirchspiels Schkopau ist. Wirklich deutlich sicht- und hörbar war die Freude das alten Mannes darüber, daß jemand extra ins Dörfchen kommt. Daß ich dann noch Fragen stellte, die er mir alle beantworten konnte. Daß ich auch zuhörte, als er von seiner Arbeit als Küster und Friedhofs… also als derjenige, der sich auch um den Friedhof kümmert, erzählte. Ja. Und dann fragte ich ihn, ob ich denn hinaufsteigen dürfe auf den Kanzelaltar, um von dort aus den Kirchenraum mit Empore und Orgel (op. 52 von Wilhelm Rühlmann in Zörbig) fotografieren zu können. Er machte mir sogar die Tür auf und warnte mich vor einer defekten Stufe.

 

Blick vom Kanzelaltar in den Kirchenraum

Der Kirchenraum.
Die kleine Kirche hat links vom Mittelgang neun, rechts acht Kirchenbänke. Rechts vor den Kirchenbänken steht der neue Holzofen. Am anderen Ende des Innenraumes über der Eingangstür eine kleine Empore, auf der links und rechts eine Tür und dazwischen der Orgelprospekt zu sehen sind.

 

Ach, was für ein Blick! Ungeprüft blieb der Klang, ich konnte mir ein Halleluja – z. Bsp. EKG 181.4 – verkneifen. Und beim Abstieg dann von der Altarkanzel brach ich ein: Eine der anderen hölzernen Stufen sackte unter mir ab. (Es ist nichts weiter passiert .) Ich bin zu schwer für die Kirche, zumindest für die altersschwache Treppe zum Kanzelaltar. In dem Moment war ich tatsächlich den Tränen nahe. Und was habe ich mich geschämt dafür, diesen Schaden verursacht zu haben. Doch der Küster beruhigte mich: Die Pfarrerin predigt nicht von oben herab, nicht von der Kanzel, sondern vom Altarraum aus, ebenerdig, auf Augenhöhe. Und er ist ja Rentner und schafft es, die Stufe im Lauf der nächsten Woche zu reparieren. Was bin ich dem Manne dankbar für die knappe Stunde seiner Zeit, die er mir schenkte.

Und wer sich selbst mal die Kirche mit den Koordinaten 51.39428 N, 12.00591 E ansehen möchte: Der Küster sagte mir noch, daß die Kirche sonntags allen Besuchern offensteht. (Ich muß da auch nochmal hin, mit Stativ und Blitz und vielleicht sogar analoger Spiegelreflex, um bessere Bilder im Innenraum zu machen.)

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Am 03.07.2021 waren positiv der Küster und die Kirche St. Nicolaus, wieder ein Softeis unterwegs, das nocheinmal von vorne begonnene Buch.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Fünf der Schwerter.

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Über Der Emil

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6 Kommentare zu 2021,184: Einbruch

  1. Helmut sagt:

    Na, dann, viel Glück!

    Liebe Grüße
    Helmut

  2. Sonja sagt:

    Eine fast traumatische Geschichte. Die Angst, ins Leere zu fallen. Doch so war es ja nicht! Der Rentner mit Zeit und Willen ist lieb!
    Gruß von Sonja

    • Der Emil sagt:

      Die Treppe war nicht sehr hoch und die Stufe sackte etwa zur Hälfte ab. Trotzdem: Schaden in einer Kirche zu verursachen fühlte sich falsch, völlig falsch an.

  3. Gudrun sagt:

    Ach, wie ich mich freue, dass du so einen schönen Tag mit genau diesen Eindrücken hattest.
    Die Treppe wird wieder ganz gemacht, Emil. Ich denke, die Freude des Küsters war groß, dass ihm jemand zugehört hat.

    • Der Emil sagt:

      Ja, die Freude war deutlich zu erkennen.

      (Und es ist ein wunderschönes kleines Kirchlein, mit einer – im Netz nicht wirklich auffindbaren – interessanten Geschichte.)

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