2021,138: Geschrieben Bild

Ach, könnt' er doch wenigstens zeichnen.

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Auf einem übergroßen weißen Blatt schreibzeichnet er seinen Lebens­weg, seinen Lebenslauf. Am Anfang wandert eine winzige Schrift ziellos auf dem Papier hin und her, wird allmählich größer dabei. Dann läuft sie an den von oben nach unten am linken Rand notierten Großbuchstaben »POS & EOS & NVA« entlang, füllt Zeile um Zeile. Läuft zwischen zwei gezeichneten Mädchen­figuren (Kinderzeichnung) hin und her. Danach umfließt sie – also die Schrift – einige unerklärbare Symbole. Über den Riß, der mitten im Papier ist, springt die Schrift hinweg. Gleichmäßig, aber jetzt verzittert, ist sie von da an über sie geamte Breite des Blattes verteilt, umfließt einige gezeichnete Schwarze Löcher. Und dann: Mitten durch ein besonders großes Schwarzes Loch hindurch, wobei die Schrift in, auf dem Schwarzen Loch natürlich unlesbar wird. Je näher die Schrift aber dem unteren Rand des überdimensionierten Papiers kommt, desto blasser wird ihr Schwarz, erst zu einem Grau, dann Hellgrau, dann ein vom Papier gerade noch unterscheidbarer Ton von weiß. Und mit jeder Zeile verringert sich die Schriftgöße wieder. Am Ende, vielleicht noch die Möglichkeit für vier oder fünf Zeilen in der ganz oben zu sehenden winzigen Schriftgröße lassend, wird die Spur der Feder unsichtbar. Auch seine Schrift offenbart ihre Demenz …

Was für eine großartige Idee das sein könnte; aber er kann über­haupt nicht zeichnen und seine Schrift bleibt für die Betrachter ein unleserliches Gekrakel. Und er erinnert sich nicht mehr daran, wie er das früher noch gemacht hat.

 

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Am 18.05.2021 waren positiv ein paar Handgriffe am Auto meines Vaters, erledigte Hausarbeit, Geschriebenes.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Acht der Stäbe.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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2 Kommentare zu 2021,138: Geschrieben Bild

  1. Bess sagt:

    Demenz. Das Schwinden eines Menschen. Meine schlimmste Vorstellung vom letzten Lebensabschnitt.
    Fein beschrieben!

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