2021,122: Selbstverständlich?

Auch hilfreich in verschiedenen Stufen des Graus.

Voraussichtlich wird ab dem 8. Mai nichts Neues mehr im alten Blog veröffentlicht.
To get a Google translation use this link.

 

Wer in der Lage ist, es sich so recht gutgehen zu lassen, ohne dabei andere zu belästigen, ist wohl jemand mit der Fähigkeit, auch Selbstver­ständ­lichkeiten zu genießen. Obwohl so viele der Selbstverständlichkeiten, wenn genauer hingesehen wird, mitnichten so selbstverständlich sind. Ein duftender Kaffee nach dem Aufstehen, ein entspanntes Bad in der Wanne zuhause, eine Leckerei nebenher, ein gutes Buch zu lesen: Nicht einmal hierzulande, nicht mal mitten in Europa ist das wirklich selbsverständlich. Außerdem ist die Fähigkeit zum Genuß, zum Gutgehenlassen etwas, das auch von mir (wieder-)erlernt werden mußte vor ein paar Jahren. Es war Bestandteil der teilstationären Therapie, die mir dabei half, mit meiner Er­krankung weiterleben zu können. Nein, ich wollte nicht aufhören zu leben, aber ich wollte aufhören, so zu leben. Ohne Lichtblick, ständig zwischen Dunkelgrau und Ganzdunkelgrau herumtorkelnd. Ich bin nicht geheilt, nein, aber die Therapie war nicht ohne Erfolg. Heute ist es oft hell, oft hellgrau, ab und an dunkelgrau. Gerade in solchen sehr dunkelgrauen Momenten bräuchte ich die Fähigkeit, es mir gutgehen zu lassen, die Fähigkeit zum Genuß. Dann habe ich fü einige Zeit zu kämpfen gegen das weitere Ver­sinken. Und in diesen Zeiten tu ich, was mir sonst guttun würde. Vielleicht bemerke ich dessen Wirkung nicht. Aber im Gegensatz zu früher tu ich diese Dinge und weiß später, daß genau die mich nicht haben weiter versinken lassen.
 
So zeigt sich bei mir, daß Wohltuendes auch wirkt, wenn ich es nicht als wohltuend empfinde, nicht genießen kann, es bloß »selbstverständlich« ist.

 


Wer weiterhin lesen möchte, was ich schreibe, beachte bitte diesen technischen Hinweis: Ich werde voraussichtlich ab dem 8. Mai 2021 neue Artikel nur noch unter der Adresse deremil.blogda.chVorsicht! Falle: Nur blogda vor dem .ch! NICHT blogdach! – veröffentlichen. Im alten Blog bei wordpress(dot)com wird ein Artikel zu finden sein, der darauf hinweist, in dessen Kommentaren ich auch Fragen zu Interaktionen mit dem neuen Blog beantworten werde. Ich werde mich freuen, wenn ich euch dort begrüßen darf.


 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Am 02.05.2021 waren positiv Kuchenessen, lesen, in schönen Momenten der Vergangenheit unterwegssein.
 
Die Tageskarte für morgen ist III – Die Herrscherin.

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Über Der Emil

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5 Antworten zu 2021,122: Selbstverständlich?

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  2. Nati sagt:

    Ich empfinde es als sehr wertvoll wenn man auch kleinste banale Dinge einfach genießen kann. Es ist Balsam für die Seele, eine Oase im Alltag.
    Bewahre es dir Emil. Nicht jeder ist dazu fähig.

  3. Bess sagt:

    Die kleinen Dinge. Ein Gefängnis oder ein Nest. Muss an den Schriftsteller, Lyriker denken, der alle Gedichte vom Fenster seines Hauses aus erlebte und schrieb. Philippe Jaccottet.

  4. Sofasophia sagt:

    Sehr kluger Text, und hilfreich obendrauf.
    Danke!

  5. Elvira sagt:

    Mein Therapeut sagte mal zu mir: Lerne zu genießen, sonst wirst du ungenießbar!
    Das musste ich erst sacken lassen und habe es rechtzeitig begriffen.
    Liebe Grüße,
    Elvira

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