2021,087: Tartar

Und andere unvergessene, aber verschwundene Genüsse.

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Wenn ich früher mit Verwandten – also Großeltern, Tanten und Onkeln, Eltern – oder später dann mit Freunden unterwegs war und irgendwo eingekehrt wurde, dann gab es einige Gerichte auf den Speisekarten, die heute von mir kaum noch zu finden sind. Natürlich waren das andere Zeiten, damals waren Vegetarier und Veganer kaum präsent. Republikweit, so glaube ich, sind allerdings Tartar, Warmes Eckchen, Strammer Max, Bauernfrühstück, Soljanka, Bratwurst mit Sauerkraut und Brot und die unvermeidliche Bockwurst in fast jeder Dorfkneipe zu haben gewesen. Nicht immer, sicher, aber wenn die Rohstoffe dafür vorhanden waren, wohl fast überall. Auf alle Fälle gab es das alles nicht mit labberigem Toastbrot, sondern mit Graubrot oder Brötchen. Kannte man all das auch im Westen? War das typisch DDR (die Soljanka sicher)? Übrigens, ich spreche über die Zeit zwischen 1970 und 1988. Und überall schmeckten diese Gerichte (auch die Bockwürste) anders, wenn ich meiner Erinnerung Glauben schenke. Im Ratskeller des Heimatdorfes gab es für mich, wenn ich mit Opa dort war, z. B. auch mal nur Sauerkraut und Brot – Bratwurst mochte ich als Kind und Jugendlicher nicht so sehr.
 
Heutzutage gibt es viel weniger Dorf- und Eckkneipen. Heutzutage (zumindest als das noch möglich war oder wenn es wieder möglich sein wird) bestelle ich mir in manchen Lokalitäten dann einfach nur eine Vorspeise und einen großen Salat.

Etwas anderes schmeckte mir damals auch: ein Schokoladenersatzprodukt, die Schlager-Süßtafel. Etwas fettig, ziemlich süß und nur mit ganz wenig Kakao produziert. Und immer dieser Geschmack von Erdnüssen. Hergestellt wurde die 80 Pfennig teure Leckerei aus Hartfett, Molke, Zucker, Erdnüssen und ganzen 7 % Kakaopulver. Die wurde auch in Gaststätten für genau diese 80 Pfennige verkauft, und nicht selten war eine Schlager-Süßtafel Proviant für einen Heimweg. Als ich zum Studentensommer in Polen war, wurden uns Unmengen davon (die wir auf gute Ratschläge älterer Semester mitnahmen, ich hatte 40 Tafeln dabei) für einen recht hohen Złoty-Preis abgekauft. Das besserte die Reisekassen, auch meine, deutlich auf. Und wenn ich ganz ehrlich bin, dann vermisse ich heute nicht nur Warmes Eckchen, Tartar und Strammen Max, sondern hin und wieder auch diesen sonderbaren, einen Ersatz deutlich erkennen lassenden Geschmack der Schlager-Süßtafel. (Nein, die, die heute wieder produziert wird, ist ein völlig anderes Produkt, das nur den Namen trägt.)

 

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Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Am 28.03.2021 waren positiv ein Ferngespräch mit Mutter, gute Nachrichten aus der Ferne, der Vorabend in der Wanne..
 
Die Tageskarte für morgen ist die Zwei der Kelche.

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Über Der Emil

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