2020-360 — Erster Weihnachtstag

Was ich u. a. über Glauben glaube.

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Heute (ja, heute, nicht gestern) war also der Tag, an dem Christi Geburt gefeiert wird (Sollemnitas in nativitate Domini), obwohl niemand weiß, wann Jesus geboren wurde oder ob er überhaupt gelebt hat. Nun, es wird an ihn geglaubt. Wie häufig auch daran geglaubt wird, daß Buchen vor einem Blitzschlag schützten, daß Schwarze Katzen Unglück verhießen, daß gekreuzte Finger einen Schwur ungültig machten (alles Konjunktive). Ja, auch ich bin ein Mensch, der glaubt (aber nicht an die Kirche). Anson­sten ist die Weihnacht, die Advents- und Weih­nachtszeit eher mit religiös gefärbten Traditionen aus dem Erzgebirge erfüllt. Eine große Rolle dabei spielen bergmännische Themen: das Licht, die Dunkelheit vor Ort (Vor der Hacke ist es finster.), das Erflehen von Schutz und Glück im Berg usw. usf. Ich gestehe, daß ich auch viele heidnische, vorchristliche Elemente berück­sichtige: Rauhnächte, Winter­son­nenwende – ihr kennt sicher ebenso wie ich noch mehr solcher Dinge. Und ehrlich: Jeder Mensch glaubt an irgend­etwas, auch Agnostiker und Atheisten; letztere glauben ja »nur« nicht an Gott oder Götter. Es ist zum Glauben auch keine Religionszugehörigkeit notwendig, gleich gar nicht die Mitgliedschaft in einer anerkannten Glaubens­gemeinschaft. Jeder Mensch hat die Freiheit zu glauben oder auch nicht.
 
Kein Mensch hat – so meine Überzeugung – einem anderen einen Glauben vorzuschreiben oder jenen gar für den Glauben zu verurteilen.

 

Ja, ich habe die Zeit wieder umgestellt, zu der meine Texte veröffentlicht werden.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Positiv waren am 25.12.2020 Resteessen, ein geschriebenes Märchen (wahrscheinlich nicht für den Blog), ein angefangenes (besonderes) Buch.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Zehn der Stäbe.

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Über Der Emil

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11 Antworten zu 2020-360 — Erster Weihnachtstag

  1. Es ist immer wieder erstaunlich, dass so viele Leute Weihnachten am Heiligabend anfangen lassen Punkt für mich war das immer nur der Geschenke Tag für die Kinder oder auch für die Erwachsenen. Aber das hat mir kaum jemand geglaubt.

  2. castorpblog sagt:

    Das finde ich ein gute Einstellung. Was den Vorabend betrifft, so hat der bei Katholiken schon immer eine große Bedeutung, z.B. die Vorabendmesse, dann Heiligabend, Halloween (zumindest im Irischen Katholizismus). Das stammt soviel ich weiß aus der jüdischen Tradition, da beginnt der Tag ja mit dem Sonnenuntergang des Vorabends.

  3. sehe ich auch so, dass jeder glauben soll, was er will. man muss da ja geistig/emotional nicht mitgehen. zu diskutieren sind aber die aus dem glauben resultierenden einstellungen…, welche schließlich die lebensweise und das verhalten beeinflussen. auch kritik an gewissen verhaltensweisen darf erlaubt sein. so viel sollten wir menschen aushalten, auch dann, wenn die kritik nahegeht – bsp. moslem-kritik. ich will in keiner gesellschaft leben, wo kritik an gewissen dingen tabu ist. ich denke, das wäre auch nicht im sinne jesu.

    glaube ich an etwas? im moment fällt mir da nichts ein. dass jeder mensch an irgendetwas glaubt, kann ich also nicht unterschreiben. kommt wohl auch drauf an, was man unter glauben versteht. wenn ich z.b. sage „ich glaube, dass dortmund verliert“, dann ist das nicht der glaube, um den es im geistig/spirituell/religiösen sinne geht, sondern einfach eine einschätzung.
    ich bin froh, dass ich in eine gesellschaft geboren wurde, in welcher ich nicht zwingend an gott glauben muss, obwohl schon eine gewisse indoktrination versucht wurde über erziehung, schule, gesellschaft. den gruppendruck darf man nicht unterschätzen… außenseiter sein macht nicht wirklich viel spaß. ich denke nicht, dass es allen, die z.b. weihnachten feiern, wirklich um glauben geht. sie hängen einfach an der tradition und denken nicht tiefer darüber nach. als ich mich nicht konfirmieren lassen wollte, sagte mein vater in etwa: das kommt nicht in frage – alle lassen sich konfirmieren – das gehört sich so – und basta!

    na dann, dir noch schöne tage!

  4. frauholle52 sagt:

    Ich mag die friesischen Weihnachtsbräuche, die ich auf Föhr kennenlernte. Ich lebte dort zehn Jahre lang und frage mich gerade, warum ich nicht da geblieben bin. Ach ja, die Touristenmassen nervten. 😂
    Und ich glaube, dass die Tage wieder länger werden. Das ist ein Grund zum Feiern!

  5. sabeth47 sagt:

    Traditionen binden mich ein, halten mich fest im Lebenskreislauf und bei den Menschen, nicht zuletzt stützen sie mich. Leider sind sie im Lauf der Jahre weniger geworden, manche gebunden an die Kinder, die jetzt in eigenen Familien Traditionen fortführen oder neue schaffen. Manche, weil Menschen starben. Und sicher gibt es weitere Gründe.
    Einige bleiben, einige schaffe ich neu.
    Die Ausübung, das Wahrnehmen einer Tradition kann Leben retten. Ist nicht das Aufstehen am Morgen eine Tradition? Ich könnte doch liegen bleiben, die Decke über den Ohren. Kein Kind wartet auf mich, kein Büro, kein Chor.
    Eine wunderbare Tradition, sich morgens aus dem Bett zu erheben. Das zu können, die Glieder beisammen zu haben, den Kopf eben nur so schwer, dass er getragen werden kann.

    Und … Glauben? Mir ist in den letzten Tagen die Aussage einer Nichtrelegionsgemeinschaftglaubenden wieder begegnet, ein Satz, von dem sie sagt, dass er zugleich Trost und Hoffnung ist, obwohl er keinen konkreten Gott oder Baum oder Himmel beinhaltet. „Von guten Mächten wunderbar geborgen“, Dietrich Bonhoeffer.
    Auch eine eigene Kraft, ein Kern, eine Macht wohn uns selbst inne.

  6. Corinna sagt:

    Wenn der Glauben anderer meine persönliche Freiheit behindert, finde ich es schon verurteilenswert.

    Auch mit dem „Vorschreiben“ ist es nicht so einfach. Obowhl meine Erfahrung vor allem auf Beobachtungen aus dem katholischen Süditalien stammt, frage ich mich schon, ob, wenn kleine Kinder schon kurz nach der Geburt getauft werden, ihnen nicht ein Glauben vorgeschrieben wird. Wenn sie dann vorschriftsmäßig zum Katechismus geleitet werden und auch an allen anderen Ritualen teilnehmen, ist es für mich sehr fraglich, ob der Glauben noch aus freien Stücken entstanden ist. Aber da ich erst kürzlich gelernt habe, das Blasphemie in Italien eine Straftat ist, werde ich das Thema an dieser Stelle mal lieber fallen lassen. 😉

    (siehe oben)

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