#Adventskalender 2020 – 348: Das 13. Türchen – die dritte Kerze

Seemänner und durchgefärbte rote Kerzen.

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Meinen 11. Adventskalender hier widme ich allen, die kämpfen, allen, die krank sind, allen, die Unterstützung benötigen. Ich wünsche allen Menschen (und mir) eine im wahrsten Sinne des Wortes wunder­volle Weihnachtszeit. Meine Kerzen brennen für Menschen, die Hoffnung brauchen.

 

 

Als sie zum ersten Mal diese besondere Aufgabe übernehmen durfte, war sie gerade zehn oder zwölf Jahre alt. Es war der dritte Advent, daran kann sie sich genau erinnern, vor also etwa 45 Jahren. Wie immer stand der uralte Adventskranz auf dem Tisch, der von den Urgroßeltern der Mutter stammte. Ein nur so einiger­maßen rundes Ding. Umhüllt mit getrocknetem Moos, das wahr­scheinlich so alt ist wie der Kranz selber. Und Lärchenzapfen sind am Kranz und lackierte getrocknete Hagebutten. Vor zwei Jahren hatte sie die Idee, das Moos einmal zu erneuern. Aber welches Moos und wann muß das gesammelt werden und vor allem: wo? Nirgends fand sie Antworten auf diese Fragen. So steht auch dieses Jahr wieder der alte Adventskranz mit dem alten Moos und den uralten blechernen Kerzenhaltern auf dem Tisch.

Dritter Advent. Das heißt, wieder steht der mittlerweile unansehn­liche Kranz auf dem Tisch. Heute zündet sie – wie immer am dritten Advent – zusätzlich zu den beiden schon mehr oder weni­ger abgebrannten Kerzen eine dritte, neue an. Tiefdunkelrot müssen ihre Adventskerzen sein, wie bei ihren Eltern und bei der Großmutter auch. Sie selbst erinnert sich nicht mehr daran, aber es wurde ihr immer so erzählt. Selbst in Zeiten, da solche rot durch­ge­färbten Kerzen noch teurer waren als vier Pfund Brot, selbst in den Zeiten hatte die Großmutter dafür gesorgt. Heute gibt es die ja in jedem Drogeriemarkt. Und vier von denen, nein viermal vier von denen kauft sie jedes Jahr nur für den Advent. Und eine Packung Streichhölzer. Denn jede einzelne Advents­kerze auf diesem beinahe unansehnlichen Adventskranz mit dem staubiggrauen Moos wird mit einem eigenen Streichholz ange­zün­det. Nicht mit dem Feuerzeug. Nicht zwei oder drei oder vier mit einem Streichholz. Nein. Jede einzelne Kerze mit einem neuen Streichholz. Irgendwie soll man einen Seemann sterben lassen, wenn es nicht so gemacht wird – aber was haben Streich­hölzer mit Seemännern zu tun …

Irgendwie … Nun, es gehört jedenfalls seit ihrer Kindheit und seit der Kindheit ihrer Mutter und wahrscheinlich auch deren Mutter und Großmutter zur Tradition. Jede Kerze mit einem eignen Streichholz. Und außerdem mag sie den Geruch, der nach dem Ausblasen eines Steichholzes bleibt. Die zweite Kerze. Und jetzt die dritte. Gleich nach dem Kaffee setzt sie sich an ihren Rechner und sucht nach dem Zusammenhang. Nach welchem? Na: nach dem Zusammenhang zwischen Streichhölzern und sterbenden Seemännern. Oder – ob eine ihrer Freundinnen darüber weiß?

 

 

Ich schleiche mich davon und wünsche eine schöne Adventszeit.

Der Emil

 

 
Wer eine Gelegenheit sucht, zur Weihnachtszeit anderen zu helfen, der kann das im Dezember täglich ab 21 Uhr des Vorabends bei der Versteigerung von #hand2hand20 tun. Die Aktion ist eine gute Idee von Meg, ihr und allen Mitwirkenden danke ich dafür.

 

P.S.: Positiv waren am 12.12.2020 drei wichtige Ferngespräche (ich finde wieder Gefallen an dem Wort), schonwieder Weihnachtspost (die mich das ganze Jahr erfeuen wird), Maultaschen und Glühwein am Abend.
 
Die Tageskarte für heute ist XVII – Der Stern.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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9 Kommentare zu #Adventskalender 2020 – 348: Das 13. Türchen – die dritte Kerze

  1. hanneweb sagt:

    Dankeschön und hab auch du noch einen schönen 3. Adventssonntag 🌟🕯️🕯️🕯️🌟

  2. Jetzt muss ich sehr an mich halten, um nicht auch gleich nach dem Zusammenhang zwischen Streichhölzern und sterbenden Seemännern zu suchen. Wieder eine Geschichte, die mir sehr gefällt.

    • Der Emil sagt:

      Ein Raucher von mindestens 50 Jahren würde es wissen:

      Seemänner, die früher im Winter nicht zur See fuhren, fertigten Schwefelhölzchen. Wer an denen sparte, sorgte für minderes Einkommen und vielleicht für das Verhungern eines Seemannes. So sagt die Legende …

      • Eine ehemalige Raucherin von deutlich mehr als 50 Jahren wusste das nicht. Nach einigen durch Brandlöcher verdorbenen Blusen hatte ich nur noch Feuerzeuge benutzt – obwohl ich das Hantieren mit Streichhölzern viel stilvoller fand. Und hätte ich diese Geschichte gekannt, hätte ich die die Löcher in den Blusen vielleicht hingenommen.

  3. beaneu sagt:

    Von diesem Brauch besonderen des Kerzenanzündens habe ich hier zum ersten Malgelesen…, was es nicht alles gibt…
    Ja, mich würde der Zusammenhang zwischen sterbenden Seemännern und Streichhölzern auch interessieren.
    Liebe Grüße in den 3. Adventssonntag

    • Der Emil sagt:

      Nun, den mit dem Kerzenanzünden habe ich vielleicht erfunden (ich mach es jedenfalls am Andventsleuchter so). Aber der Raucher sollte sich seine Zigarette/Zigarre nicht an einer Kerze anzünden, sonst stürbe ein Seemann, hieß es immer … Siehe meine Antwort an Christa.

  4. Pingback: #Adventskalender 2021 – (342): Das 8. Türchen | GeDACHt | Geschrieben | Erlebt | Gesehen

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