2020-080 — Rezept

Aber was hilft schon gegen Hilflosigkeit?

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Es tut … nicht gut, meiner Seele, also mir, nicht gut, zur Zeit so viele schlechte Nachrichten zu lesen. Ganz besonders, wenn sie von mehr oder weniger bekannten Menschen kommen. Das können Telefonate, Tweets, Blogbeiträge, Mails und anderes sein: Die gehen mir wirklich an die Nieren. Und ich erkenne wieder und wieder, wie wenig ich anderen zu Hilfe kommen kann. Meine Ideen hatten bestimmt schon ganz viele Andere, glaube, hoffe ich – und schweige. Weil alles, was ich sagen könnte, mir banal erscheint. Schon geäußert wurde. Niemanden interessiert. Und gute Nachrichten habe ich auch nicht zu verkünden. Und die Hilflosigkeit und die fehlende Möglichkeit zu helfen sind so schwer auszuhalten.

Sie fehlen mir. Lange schon. Sehr lange schon. Die guten Nachrichten. Nein, nicht die “Erfolgsmeldungen” der Zentralorgane u. ä. Presse- und Medienprodukte. Alles, fast alles wird heute katastrophisiert – ich selbst neige ja (vor allem im Inneren) dazu. Unbequem ist es für mich auch, immer wieder festzustellen, daß für Unternehmen wieder viel Geld bereitsteht (ganz entgegen der Doktrin, daß der Markt das regelt). Die Menschen kommen erst an zweiter oder dritter Stelle, die auf staatliche und solidarische Unterstützung angewiesenen Menschen dann irgendwann. Ich würde so gern gute Nachrichten hören und lesen. Viel, viel mehr davon. Auch darüber, daß sich die Lage der Hilfsbedürftigen wesentlich bessert. Das und die wird es aber in naher Zukunft nicht geben: Mit Angst, so glauben die, die die Macht haben, läßt sich der Mensch leichter beherrschen. (Ja, auch deshalb wird noch immer mit Bestrafung bei Fehlverhalten statt mit Belohnung bei Normalverhalten “gearbeitet”.) Und ich, der ich von den Machthabern (das ist faktisch schon lange nicht mehr das Volk, wie es noch immer im Grundgesetz steht) abhängig bin, ich habe Angst und lasse mich bei Strafe meines Untergangs durch jene zu vielen Dingen drägen, die ich … zumindest für nicht zielführend halte. (Himmelarschundzwirn, dieses Neusprech macht mich fertig: Nicht zielführend war früher einfach sinnlos und überflüssig.)

Ich jammere schon wieder, statt bei meinem Thema zu bleiben: bei den guten Nachrichten. Andererseits … Andererseits bin auch ich bei “neutralen” Meldungen immer häufiger versucht, immer mit dem Schlimmsten zu rechnen, das Schlimmste zu befürchten. Hat jemand ein praktikables Rezept gegen dieses irrationale Verhalten?

 

Meine drei positiven Dinge des Tages reichen mir nicht mehr aus. Ich hätte gern täglich eine gute Nachricht zu verbreiten.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Positiv waren am 20.03.2020 Schlafen, Selbstgekochtes, ein geschärftes Messer.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Zehn der Schwerter.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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7 Kommentare zu 2020-080 — Rezept

  1. Nati sagt:

    Gelassen bleiben und hinnehmen was kommt, das hilft mir immer.
    Gegen manches ist es sinnlos anzukämpfen.

  2. wildgans sagt:

    Hier gibt es eine Rubrik: Corona positiv, mir hilfreich:
    https://seelenfarben.de/lichtblick.htm

  3. Sofasophia sagt:

    Warum bloß kommt mir das grad so verdammt bekannt vor? Nicht alles, nicht genau gleich, aber sehr bekannt. (Leider habe ich keine Lösungen. Nur viel Mitgefühl.)

  4. Elvira sagt:

    Es gibt auch die guten Nachrichten, meistens versteckt. Die vielen Helfer, die unbenannt, unbekannt bleiben. Die vielen Ehrenamtlichen, die jetzt das Essen, Windeln und Hoffnung zu den Bedürftigen bringen (Tafel, Arche, Karuna). Für mich ist es eine gute Nachricht, wenn ich das lese und höre. Eine gute Nachricht, wenn es sich zeigt, dass die Mitmenschlichkeit, das Mitgefühl und die Hilfsbereitschaft noch da sind. Vielleicht in viel größerem Maß, als wir es wissen. Denn diese Nachrichten erscheinen meistens nur am Rand, wie auch die Menschen am Rand leben, die diese Hilfe benötigen. Und dann, lieber Emil, unterschätze nicht die Kraft der Worte. In einigen Blogs versuchen Menschen, die nicht tatkräftig helfen können, die Welt ein bisschen bunter zu machen. Nicht mit Glückskeksweisheiten, sondern mit mit eigenen Gedanken, mit Bildern und Fotos. Und selbst wenn Menschen Ängste haben und darüber schreiben, helfen sie denen, die sich das nicht trauen und die dann wissen, dass sie nicht alleine sind. Du bist auch nicht alleine!
    Von Herzen kommende Grüße schickt dir Elvira

  5. Andrea sagt:

    Ich hatte schon fast damit gerechnet, dass du heute „wirklich keine Idee und keine Lust“ zum Bloggen hat. Aber dann rufe ich eben deinen Blog auf und lese diesen Text und freue mich, dass du wieder zum Schreiben zurückgefunden hast. Welch eine schöne Nachricht! 🙂
    Danke für deine Worte. Ich teile nicht in allem deine Ansichten. Aber ich lese deine Ansichten sehr gerne und oft machen sie mich sehr nachdenklich.
    Bleib gesund und pass bitte gut auf dich auf!

  6. annette sagt:

    Lieber Emil, ich suche auch lieber gute Nachrichten… hier die, die ich heute bekommen habe:
    Da hängt in einem Fenster zur Straße hin ein großes selbstgemaltes Plakat „Bleibt alle schön gesund!“
    NDR meldet, dass zumindest bis jetzt die Leute bei ihren Schönwetterspaziergängen am Strand und in den Parks die Gruppengröße nicht überschreiten und auch Abstand voneinander halten.
    Irgendwo hat ein Laden die Klopapierpreise gestaffelt: ein Paket: Normalpreis. Zwei Pakete: Normalpreis plus je 5 Euro. Drei Pakete: Normalpreise plus je 10 Euro. Die „Mehreinnahmen“ gehen an eine Corona-Hilfe.

  7. Gudrun sagt:

    Helfen könnte man, wenn man miteinanander redet, am Telefon, über die Blogs oder anderes. Nichts ist schlimmer als dass man sich vergessen fühlt. Und zu erzählen hat jeder was, auch Gutes.
    Meine Tochter im Land hinter dem großen Teich hat heute erzählt, dass sie einer 80jährigen Patientin am Telefon erklärt hat, was ein Link ist und wie sie etwas aktiviert. Sie haben es geschafft, die digitale Therapie kann beginnen. Und weil sie zu Hause arbeiten muss, gibt es an ihrem Arbeitsplatz jede Menge Legosteine, Kekskrümel, Knete. Mein Enkel arbeitet fleißig mit.
    Bleib schön gesund, Emil.

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