Regenjammer.
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Meinen Adventskalender hier widme ich allen, die kämpfen, allen, die krank sind, allen, die Unterstützung benötigen.
Ich wünsche all diesen Menschen und mir eine im wahrsten Sinne des Wortes wundervolle Weihnachtszeit. Meine Kerzen brennen für alle, die Hoffnung brauchen.
Das ist nicht das, was zum Dritten Advent paßt. Regen! Das Jahr über gab es viel zuwenig davon. Und jetzt, wo zur Zeit und zur Stimmung etwas Sonne über Schnee gehört: Jetzt ist der Regen da. Schon gestern machte er alles naß, und aus dem Boden wurde kalter Matsch.
Grad wurde ich geweckt vom Geräusch, mit dem die Tropfen ans Fenster schlagen. Viele schwere Tropfen. Es wird noch ein Weilchen dauern, ehe es draußen hell wird. Und bis dahin? Ich bin zu wach zum Weiterschlafen, wältze mich schon ein Weilchen im Halbschlaf im Bett herum. Kaffee ansetzen? Ich versorge die Kaffeemaschine mit dem Notwendigen. Ihr Röcheln, das das Ende des Filtervorganges ankündigt, warte ich dann doch noch unter meiner Bettdecke ab. Aus dem Radio tönt volkstümliche Weihnachtsmusik.
Der Kaffee ist fertig, der Musikstil im Radio hat sich geändert, ich schalte ab. Nach wenigen Minuten stehen eine Tasse, Milch, Butter und Butterspekulatius auf dem Tisch, auf einem Frühstücksbrettchen liegt ein Messer. Ich hole den Kaffee, schenke ein, setze mich. Die Milch macht den Inhalt der Tasse kaffeebraun. Ich zünde drei Kerzen auf meinem Adventsleuchter an. Auf einen Butterspekulatius streiche ich ein klein wenig Butter, dann tunke ich ihn zur Hälfte in den Kaffee. Vorm Fenster mischen sich kleine weiße Punkte unter die Regentropfen. Der Spekulatius wird zu weich und verschwindet in der Tasse. Ich stecke das unaufgeweichte Stück in den Mund und fische mit einem Teelöffel nach den Resten, die in der Tasse liegen müssen, finde und esse sie auch. Vorm Fenster sind echte Schneeflocken zu sehen, kleine. Ich schaue ihnen zu, wie sie hier oben herumtanzen und kaum zu Boden sinken.
Die Kerzen flackern leicht, als ich auszuatmen wage. Wie überflüssig das Luftanhalten nur wegen der Schneeflocken ist! Ich esse einen zweiten eingetunkten Butterspekulatius ohne Malheur (es ist eine Kunst, den richtigen Aufweichungsgrad zu finden und alles rechtzeitig in den Mund zu befördern). Und ich schaue den Schneeflocken am langsam heller werdenden Himmel weiter zu. Und den Kerzen. Und ich genieße den Geschmack der matschigen Keksstücke. Der Dritte Advent wird langsam von einer noch wässrigen weißen Schneeschicht zugedeckt. Irgenwie bin ich an ein Weihnachtswunder erinnert.
Ich schleiche mich davon und wünsche eine schöne Adventszeit.
Wer eine Gelegenheit sucht, zur Weihnachtszeit anderen zu helfen, der kann das täglich ab 21 Uhr des Vorabends bei der Versteigerung von #hand2hand tun. Die Aktion ist eine gute Idee von Meg, ihr und allen Mitwirkenden danke ich dafür.
P.S.: Am 14.12.2019 waren positiv gute Gespräche auf dem Markt, leckeres Dinkelgebäck, Schlaf kurz nach Mitternacht.
Die Tageskarte für heute ist die sechs der Kelche.
© 2019 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Emil, das ist ganz wunderbar ge- und beschrieben!
Adventliche Grüße Dir, Ev
(Wenn es nur wirklich schneien würde … Oder heute wenigstens nicht, keinen einzigen Tropfen regnete …)
Ja, das Wetter ist wirklich seltsam und sogar nicht mehr so auch im Dezember, wie es früher (oh, ich werde alt – aber mit augenzwinkernd) war.
Hier jagte der Himmel in der Früh in schneller Abfolge Wolkenfetzen in sämtlich vorstellbaren Orange- und Rosatönen vorbei, was sehr schön, aber eben auch sehr befremdlich war.
In Berlin sind grüne Weihnachten, oder eher graue, die Regel. Wer hier behauptet, in seiner Kindheit hätte es immer geschneit, erinnert sich falsch. Januar und Februar sind hier eher die Monate, in denen es schneien könnte.