#Adventskalender 2019: Das 13. Türchen Äpfel

Vielleicht kann ich die Kinderzeit zurückholen.

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Meinen Adventskalender hier widme ich allen, die kämpfen, allen, die krank sind, allen, die Unterstützung benötigen.
 
Ich wünsche all diesen Menschen und mir eine im wahrsten Sinne des Wortes wundervolle Weihnachtszeit. Meine Kerzen brennen für alle, die Hoffnung brauchen.
 

 

Oh ja. Äpfel zur Weihnachtszeit. Wie prächtig rot die Kandierten waren, früher auf den Weihnachtsmärkten der Kindheit. Nein, die mit Schokolade umhüllten Äpfel gab es später. Die schmeckten mir auch nicht so gut. Aber die mit der knallroten Zuckerschicht drumherum. Der Apfel selbst war ja meist ein wenig säuerlich, das paßte immer gut zusammen. Und dann der untere Rand, der an der Blüte, wo sich zu Füßen des Apfels die herablaufende Glasur sammelte: Das waren immer meine ersten Bissen. Ich weiß gar nicht, wann ich die letzte dieser Kalorienbomben gegessen habe … An den schokolierten Früchten versuchte ich mich öfter, aber dann eher Weintrauben, nicht Äpfel. Ja, das ist auch einigermaßen lecker, also die Trauben.

Und Bratäpfel? Die Erzgebirgs-Oma machte manchmal welche in der Backröhre, in diesem altmodischen Küchenherd, kohlebefeuert, hochbeinig, mit Ofentopf ganz rechts außen. Der Korpus weiß emailliert, und eine grüne Raute auf den Türen? Unterm Ofen war ein Schubkasten, in dem Brennholz und Brikett lagen. Links die beiden Türchen zum Feuerloch und drunter zum Aschekasten, die Backröhre befand sich rechts davon. Und damit auch alle Wärme gut ausgenutzt wurde, zog der Rauch von links nach rechts durch den Ofen. Dort ging das Ofenrohr nach oben, hinter dem Ofentopf, um dann quer über den Ofen in den links vom Ofen befindlichen Schornstein zu führen. Das waren zusammen vielleicht zweieinhalb, knapp drei Meter Ofenrohr, die eine prächtige Hitze verströmten. In ebenjener Backröhre dieses alten Ofens buk Oma das, was sie Bratäpfel nannte: Süßere, mehlige Exemplare, aus denen sie das Kerngehäuse ausgestochen hatte. Ich weiß nicht, womit, aber unten waren die Äpfel verschlossen und im Rest des Loches waren Rosinen und Honig, glaube ich mich zu erinnern. Und so oft hat es diese Bratäpfel nicht gegeben, nichtmal jedes Jahr. Aber der Geschmack blieb auch in meinem Gedächtnis. Sind das überhaupt richtige Bratäpfel gewesen?

Ich wüßte nicht, welche Sorte ich als Bratapfel verwenden könnte. Viele der neumodischen Sorten mag ich nicht. Den Elstar, den Jonagold (gut, der wird als Bratapfel zu süß sein) kenn ich, und irgendein Bauernapfel wird es wohl gewesen sein, der damals in der Röhre brutzelte. Ich weiß noch nicht, ob ich … nun, ob ich es versuchen werde. Also das Bratäpfel in der Röhre machen. Vielleicht reicht ja Keks- oder Pfefferkuchenteig als Verschluß? Mit Zimt und Nelken gewürzt und ein wenig Sternanis. Ich hab bis auf den Teig alles zuhause. Vielleicht nach dem Wochenende, wenn ich den Weihnachtsmarkt in Eilenburg geschafft habe? Selbstgemachte Bratäpfel, zwei oder drei Stück? Vielleicht hole ich mir damit ein Stück Kinderzeit zurück.

Gestern Abend habe ich Butterbrot und Apfel gegessen, und dazu heißen Apfelsaft mit etwas Honig getrunken. Auch lecker, sehr lecker. Gibt es wohl öfter im Winter bei mir, ab sofort.

 

Ich schleiche mich davon und wünsche eine schöne Adventszeit.

Der Emil

 

 
Wer eine Gelegenheit sucht, zur Weihnachtszeit anderen zu helfen, der kann das täglich ab 21 Uhr des Vorabends bei der Versteigerung von #hand2hand tun. Die Aktion ist eine gute Idee von Meg, ihr und allen Mitwirkenden danke ich dafür.

 

P.S.: Am 12.12.2019 waren positiv das Redaktionsgespräch mit einem Theologen, Butterbrot mit Apfel, die Sachen für heute hab ich ins Fliewatüt gepackt.
 
Die Tageskarte für heute ist die Vier der Stäbe.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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10 Antworten zu #Adventskalender 2019: Das 13. Türchen Äpfel

  1. Nati sagt:

    Guten Morgen Emil.
    Für Bratäpfel lohnt sich die Sorte Boskoop.
    Zum Verschließen oder befüllen nehme ich Marzipan.
    Das Marzipan mische ich mit Rosinen, gehackte Mandeln und Haselnüsse.
    Die Äpfel in eine Schale mit etwas Apfelsaft setzen und vor dem Genießen mit Vanillesoße übergießen.
    Lass es dir schmecken.
    Liebe Grüße zum Morgen
    Nati

  2. Elvira sagt:

    Da hast du schöne Erinnerungen auf der Zunge und in der Nase! Bratäpfel habe ich erst bei den späteren Taufpaten meiner Kinder kennengelernt. Wie Nati wurden sie auch mit Marzipan geschlossen. Zu Rosinen und Mandeln gehörte aber noch ein Schuss Rum dazu. Wie gesagt, das war, bevor wir Kinder hatten. Später blieb der Rum weg. Wenn ich mich an Weihnachtsgerüche meiner Kindheit erinnern müsste, dann wäre das der Geruch, der entsteht, wenn die letzten Federreste der gerupften Gans „abgefackelt“ wurden. Das war die Arbeit meines Opas.

    • Der Emil sagt:

      Ja, den Schmorfedern-Geruch kenn ich auch (aber nicht unbedingt von der Weihnachtszeit).

      (Und ein Geruch, nun, einer ist nunmal leider unwiderbringlich verloren: Westpaket!)

      • Elvira sagt:

        Bei meinen Großeltern gab es immer Gans zu Weihnachten. Dieser Vogel wurde regelrecht zelebriert. Als Kind habe ich mit einem Fuß gespielt. Oben hingen noch Sehnen aus dem Beinstumpf. Wenn ich daran zog, öffneten sich die Krallen. Das war sehr faszinierend. Aber auch gruselig.

  3. wildgans sagt:

    Welche Düfte kommen dir beim Gedanken an „Westpaket“ in die Mentalnase?
    Boskopp ist meine Lieblingsapfelsorte. Mitunter schneide ich feine Scheibchen davon in den Eierpfannkuchenteig, das mundet gar sehr!

  4. Karin Braun sagt:

    Ich nehme für Bratäpfel immer Boskop und wenn der nicht zu haben ist Holsteiner Cox. Letzterer ist ein wenig süßlicher, als Boskop.

  5. GudrunGudrun sagt:

    Den Duft von Bratäpfeln liebe ich sehr. So roch es um die Weihnachtszeit herum immer bei meiner Oma. Und auf dem Herd trockneten Apfelstücke für den Tee.

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