Nº 270 (2019): Ruhe. Zeit.

Ich und doch nicht ich, denn ich war nie in Rumänien.

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Schonwieder aus einem Buch zitieren? Schonwieder? Hab ich keine anderen Ideen? Doch doch, die hätte ich ganz sicher. Aber wie das so ist: Als ich heute den Buchfink vorbereitete, kam mir dieses Buch in die Finger. Und ich erinnerte mich an ziemlich viel davon. Ich schlug es auf (auf Seite 140), dort fielen mir die folgenden Sätze in die Augen.

 

 

Ich habe noch nie verstanden, wie Leute stundenlang in der Sonne liegen können, ohne etwas zu tun oder den leisesten Verdacht einer irgendwie gearteten Denkarbeit zu erwecken. Ruhe macht mich nervös. Gerade dann höre ich die Zeit ablaufen. Aber vielleicht lebt man genau in dem Augenblick am intensivsten, wenn man nicht daran denkt? Wenn Zeit einfach abläuft, unbemerkt?

Joachim Walther: Ich bin nun mal kein Yogi. S. 140f
Reihe NL podium © 1975 Verlag Neues Leben Berlin, Berlin (DDR)
Lizenz-Nr. 303 (305/13/75) Bestell-Nr. 641 991 5

 

 

Ah, ihr ahnt es: Mir geht es genau so und doch überhaupt nicht so. Ich kann scheinbar tätigkeitslos liegen, aber nicht in der Sonne. Meine Denkarbeit ist von außen auch nicht unbedingt zu bemerken. Die eigene Ruhe macht mich nicht nervös, die manch anderer manchmal schon. Ich höre, spüre die Zeit auch ablaufen. Und ja, dann, wenn ich nicht an vergehende, verstreichende, verbrauchte Zeit denke(n muß), dann lebe ich. Steht da irgendwo ein straffer! Zeitplan, dann lebe ich nicht wirklich, dann funktioniere ich meist mit großem inneren Widerstand. Neben dem Leben spielt der Zeitablauf kaum eine Rolle. Für mich.

Was ich dann hinterher feststelle, ob und wieviel Zeit ich wieder verplempert habe z.Bsp., das steht auf einem ganz anderen Blatt, und wie ich das dann bewerte (oder abwerte), das auch nochmal. Doch das Schönste, was ich in der Zeit machen kann, ist einfach zu leben. Die ganze Zeit lang, von der ich doch sowieso nichts einsparen kann …

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

P.S.: Am 27.09.2019 waren positiv das geholte Fliewatüt, einfach nur Gemüse, der Buchfink.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Neun der Kelche.

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Über Der Emil

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3 Kommentare zu Nº 270 (2019): Ruhe. Zeit.

  1. Nati sagt:

    Die letzten zwei Sätze Emil, wunderbar und so wahr.
    Auch wenn ich es sehr schlecht kann, dieses Nichtstun.

  2. Sofasophia sagt:

    Das klingt fein irgendwie.

  3. Kabra sagt:

    Ich mag die Zeit auf der Meditationsmatte, die 20 Minuten Stille und einfach nur atmen. In diesen 20 Minuten ist meine Welt auf die Matte und den Atem beschränkt. Sonne kann mir gestohlen bleiben, am Strand liegen mag ich nicht, aufs Meer schauen schon. Hab es fein.

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