Nº 260 (2019): Dritter Versuch

Und jetzt doch noch: Die Angst.

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Das ist wirklich der dritte Blogtext, den ich heute schreibe. Die beiden davor … Ich heb' sie mir noch 'ne Weile auf und laß sie noch “reifen”. Heute ist es mir nicht nach Schreiben über Warten oder Trennen – ehrlich geschrieben ist es mir heute nach über gar nichts Schreiben. Aber das ist mir noch nicht möglich, noch immer ist der Blog mit seinem täglichen Eintrag mein Geländer.

Und so suche ich nach einem Thema, das aus meiner Sicht unverfänglich genug und interessant genug erscheint. Schonwieder über das Buch schreiben, dessen Sprache mir lakonisch erscheint, mit dem ich auch nach zwei Dritteln noch meine Schwierigkeiten habe (Sybille Berg: GRM)? Ach nein. Dann lieber über meine Büchersortieraktion heute berichten. Echt? Hm. Das ist es auch nicht. Die Schublade ist repariert, die Lieder- und Notenbücher und der Kleinkram sind wieder drin. Die Wäsche ist auch weggebügelt, alle T-Shirts, Taschen- und Kopftücher, Geschirrtücher, Hosen und Boxershorts liegen gebügelt im Schrank. Ein paar Seiten Transkription sind auch geschafft. Und getrunken habe ich drei Liter Tee, eine Kanne Kaffee (ein Liter), drei Liter Sirupwasser (sehr, sehr dünn). Und unterwegs war ich heute auch wieder knapp 5000 Schritte.

Den ganzen Tag aber begleitete mich etwas, das seit Jahren nicht mehr in meinem Leben vorkam. Eine lähmende Angst, unbestimmt und doch mit einem gewissen Anlaß. Wirklich lähmend. Ja, trotzdem konnte ich etwas tun, sogar unterwegs sein, mich davon ablenken. Viele werden jetzt denken oder sagen, daß sich davon abzulenken keine Lösung ist. Stimmt. Die Angst bleibt ja. Gegen die muß ich eine Handhabe finden, eine Taktik, eine Strategie. Was aber, wenn die Angst nicht greifbar ist, keinen wirklichen Angriffspunkt bietet, aber da ist und nachts übermächtig wird? Wenn dann das Grübeln anfängt, kurz bevor ich zu müde zum Denken bin? Besonders unangenehm ist das immer an den Abenden, in den Nächten, nach denen ich zu für mich unpassenden Zeiten Termine habe (morgen zum Beispiel um acht Uhr) oder nach denen ich Termine habe, die sowieso purer Streß sind und in meinen Augen meist auch überflüssig (morgen zum Beispiel beim JC wegen meiner beruflichen Perspektive)? Ja Herrgottnochmal: fast 60, lange arbeitslos, chronisch krank, kein eigenes motorisiertes Fahrzeug – das sind nur vier meiner – Achtung, Euphemismus! – Vermittlungshemmnisse. Wie hoch …

Angst. Nein, die ist nicht neu. Die war wohl immer da – Nein, sie war weg, lange weg. Und ist wieder da. Und wird wieder wegsein. Ich weiß es. Doch zunächst, zunächst muß ich durch sie hindurch, über sie hinweg, dahin, wo hinter der Angst ist. Ich kenne den Weg noch nicht, aber ich muß … Dagegen angehen. Nicht im wörtlichen Sinne. Aber doch.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

P.S.: Am 17.09.2019 waren positiv die reparierte Schublade, sortierte Bücher, gebügelte Wäsche.
 
Die Tageskarte für morgen ist XX – Das Gericht.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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10 Kommentare zu Nº 260 (2019): Dritter Versuch

  1. amazonasknallerbse sagt:

    Ich habe Dir nie gesagt, daß ich Dich für Deinen unbedingten Willen durchzuhalten, bewundere. Du schaffst trotz allem so viel. Tag für Tag, immer wieder. Mein Respekt ist Dir sicher!

    Was ist eigentlich aus Deiner Therapeutensuche geworden? Ich habe in letzter Zeit immer öfter den Eindruck, Unterstützung würde Dir verdammt gut tun. Ich drück Dich!

  2. Sofasophia sagt:

    Die Frage nach dem*r Therapeuten*in wollte ich auch gerade stellen. Suchst du noch?

    In Angst bin ich ‚Weltmeisterin‘ und kann nur sagen: Ich fühle mit.

    Guten Mut wünsche ich dir. Trotz allem.

  3. frauholle52 sagt:

    Ja, ich kenne das auch aus sehr gut. Meine Angstattacken habe ich nach einer langwierigen Therapie ganz gut im Griff. Trotzdem kommt die Angst immer mal wieder zum Vorschein. Ablenkung ist dann auch mein Weg. Ich denke, dass unsere Generation einen großen Teil dieser diffusen Angst von unserer Eltern und Großeltern „geerbt“ hat und oft gar nichts mit unserer eigenen Geschichte zu tun hat. Liebe Grüße Dir! Regine

  4. Netz war wech, deshalb schreibe ich nochmals:

    Geduld
    Versuche doch mal etwas Kreatives. Hat mir einmal sehr geholfen. Zu sehen und zu spüren, dass ich das in der Situation kann, brachte mir die Liebe zu mir zurück.

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