Fehlender Antrieb und übermächtiger Drang.
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Heute war kein guter Tag.
Mein Plan, heute zu den Offenen Ateliers zu gehen, funktionierte nicht. Ab elf Uhr wollte ich Bildenden Künstlern über die Schulter und in den Schaffensraum schauen. Aber: Pustekuchen.
Vor dem Rausgehen habe ich immer mal Probleme mit einem “nervösen Darm”. Das habe ich hier schon mehrfach beschrieben: Steh ich vor dem Aufzug, kehre ich nochmal ins Bad zurück. Hab ich es ins Erdgeschoß geschafft, fahr ich wieder hoch ins Bad. Auf dem Weg zum Bus kehre ich nochmal um und gehe ins Bad. Usw. usf. Das kann bis zu zwei Stunden brauchen. Heute kam dazu noch eine Antreibslosigkeit exzellenter Güte. Und dann …
Dann war ich ziemlich angesäuert. Wollte raus und schaffte es nicht. Nahm mir was anderes vor und schaffte es nicht. Packte Bücher ein für das Öffentliche Bücherregal. Ging zum Fahrstuhl. Kehrte um. Fuhr ins Erdgeschoß und wieder hinauf. Ging zur Bushaltestelle und doch wieder ins Bad. Aber dann. Dann saß ich da, auf den Bus wartend. Fuhr in die Stadt. Kein Öffentliches Atelier, nein, aber dieses eine Öffentliche Bücherregal. In einem Hinterhof am Rande der Innenstadt, zusammen mit einem Keramik-Atelier. Ein Zwergschnauzer war heut dort, der erst kläffte, sich dann doch kraulen ließ. Ich stellte heute nur Bücher ins Regal, nahm keines mit. Und während ich die Titel der ausgestellten und von mir hineingestellten Werke las, streifte mir der inzwischen abgeleinte graue Minihund um die Beine. Ja, unverhofftes Fellknuddeln. Gut heute, wirklich gut.
Drei Stunden. In der Herbstsonne (wo ich Sonne überhaupt nicht mag). In der Stadt. Aus dem tiefen schwarzen Loch heraus. Heute war kein guter Tag. Kein guter. Aber ich ließ ihn auch nicht zu einem schlechten werden …
Scheiße schwer. Aber geschafft. Und hinterher war ich sowas von geschafft. Morgen wird ein neuer Tag. Und er wird völlig in Ordnung sein, wenn er nicht schlechter wird als der heutige.
Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.
P.S.: Am 14.09.2019 waren positiv das Doch-Noch-Rausgehen, die Fachsimpelei mit einem deutschsprechenden Chinesen über die EXA 1a auf dem Flohmarkt, das Hundetier.
Die Tageskarte für morgen ist die Zehn der Münzen.
© 2019 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Menschenskinder, Emil. Aber erzählen kannste! Und ich kenn so Innereienstories zur Genüge.
Gruß von Sonja
Naja, am Ende werden von den 24 Stunden sechzehn besch…ene Stunden gewesen sein, drei erträgliche und fünf unerwähnenswerte.
Und einmal mehr vielen Dank fürs Kompliment.
Da wusste der Hund was dir gut tut.
Hm. Anfangs wollte er ja nicht, klang sogar giftig. Aber dann … Ich sollte wieder Leckerlies im Rucksack mitnehmen.
Aber so wurde dein „kein guter Tag“ zu einem doch recht schönen Tag.
Immer das Gute, Positive sehen hilft an solchen Tagen.
Schön geht anders.
Aber ich bin zufrieden mit dem, was ich schaffte.
Nicht-Verschlimmerung immerhin.
Und Hunde-Streichel-Therapie ist doch gut.
Ach Emil, wenn man es dir nur etwas leichter oder unbeschwerter machen könnte. Aber du bist trotzdem gegangen, Hut ab.
Du hältst dich sehr tapfer! Gerade in den Unbilden der Tage. Kurzkommentar (Gruß an Denise), bin in France und ein Freund leiht mir sein Internet.
Ich kann so gut nachfühlen, wie es Dir geht. Habe ich selbst erlebt und es war eine furchtbare Zeit. Kein Mensch, der das nicht kennt, weiß, wieviel Kraft es kostet, überhaupt aus dem Haus zu kommen. Dass Du darüber schreibst, hilft vielleicht anderen Betroffenen. Also, mir hätte es damals jedenfalls geholfen zu wissen, dass ich nicht alleine dastehe. Mich hat auch meine Diagnose weiter gebracht. Ich konnte dem Zustand einen Namen geben und das war der erste Schritt, mich wieder an die Oberfläche zu kämpfen. Liebe Grüße! Regine