Dreister Charme.
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Blütenblättchen zupfen, um ein Orakel zu haben: Das geht nur, wenn es um ja oder nein geht. Bei mehr Möglichkeiten ist das Ziehen von Streichhölzchen oder Strohhalmen weit verbreitet. Ja, nein, morgen, nächste Woche? Aber geht das, wenn eine dazu alleine ist? Die Großmutter schlug Karten, einfache Skatkarten, aus denen sie die Zukunft las. Leider hatte sie versäumt, sich das beibringen zu lassen. Vielleicht hat sie auch überhaupt kein Talent dazu? Dabei heißt es doch immer, daß diese Fähigkeiten immer eine Generation überspringen. Und dann gab es ja noch die Großtante, aus dem anderen, dem väterlichen Familienzweig: Die las aus dem Kaffeesatz.
Sie bräuchte jetzt eine dieser Fähigkeiten. Nur, um dieses eine Mal für ein paar Tage in die Zukunft zu schauen, Quatsch, für ein paar Stunden nur! Denn in ihr widerstreiten Angst und Neugier. Neugier auf den Kerl, der sie heute im Bahnhof angesprochen hat. Er war so … so überraschend zurückhaltend, als er sie ansprach. Daß sie eine Frau sei, die ihm auffiel, die eine, mit der er heute Abend einen Wein beim Italiener trinken möchte. Oh, sie müsse sich nicht sofort oder heute entscheiden, sagte er. Nein, sie solle einfach ihrem Bauchgefühl folgen, sagte er, als er ihr eine Visitenkarte entgegehielt. Wenn das ja sage, dann könne sie ihm eine Mail schreiben, ihn anrufen oder eine Nachricht im Messenger zukommen lassen. Er sei jetzt drei Wochen zuhause, allein, und hier in der Stadt kenne er niemanden mehr, sind ja alle weggezogen aus der Kleinstadt. Es war keine Minute vergangen bisher. Sie griff nach der Karte, er sah ihr in die Augen, fragte nach ihrem Namen. Und sie, völlig verblüfft über seine charmante Dreistigkeit, verriet ihn ihm. Sonja. Jetzt wußte er ja, auf wessen Anruf er warten würde. Und er verabschiedete sich von ihr, wünschte einen angenehmen Nachmittag und erwähnte erneut, daß er sie nur bittet, über ein Glas Wein mit ihm nachzudenken, über nichts mehr.
Nun, jetzt war auch sie zuhause, drei Straßen entfernt von ihm, lag in der Wanne und dachte nach über die elf Jahre, die sie jetzt allein lebte, ohne Beziehung und ohne die Freundinnen, die die Kleinstadt schon vor vielen Jahren verlassen hatten, um außerhalb zu heiraten oder weiter Karriere zu machen. Aber sie liebte ihren Beruf und ihre kleine Stadtbibliothek, die sie vier Tage in der Woche öffnete. Also war sie geblieben. Und heute am Bahnhof hatte sie dann diese Begegnung der vierten oder der zweiten Art. Ja, er war kein Traummann, eher einer, der graue Maus ist, unauffällig, aber nicht durchschnittlich. Vielleicht etwas zu jung? Wie sollte sie jetzt entscheiden, ob sie sich nachher auf einen Wein mit ihm treffen möchte? Wobei: Möchten mochte sie schon, aber ob da irgendetwas … Und was, wenn er sich dann doch zuviel herausnahm, zu spezielle Fragen stellte, wenn er ihr doch zu jung erschien? Ach, wenn sie doch nur eine dieser Gaben erlernt oder geerbt hätte!
Eine Stunde später schrieb sie ihm eine SMS, ganz altmodisch, ob ihm halb neun beim Italiener passen würde (fragt Sonja). Und mit ihren 62 Jahren wartete sie wie ein Backfisch auf eine Rektion von ihm.
Wies weitergeht? Keine Ahnung. Für Vorschläge bin ich offen und dankbar.
Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.
P.S.: Am 14.06.2019 waren positiv mich schmunzelnlassende Nachrichten, die Badewanne, sprudelnde Ideen.
Die Tageskarte für morgen ist Die Königin der Stäbe.
© 2019 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Seine Antwort kam prompt. Er würde sich, mit seinen 59 Jahren sehr darüber freuen. Und italienisch mag er überaus gern.
Ach, ich könnte direkt weiterschreiben…Lach…
Mach doch 😉
Du könntest ja eine Aktion starten.
Jeder der möchte, gibt in den Kommis ein paar Sätze hinzu.
Und schwupp hast du eine schöne Geschichte.
Hm. An diesen satzweise geschriebenen Dingen finde ich keinen Gefallen bzw. wenig Gefallen. Aber wer mag, darf doch sowieso wegen CC …
Wegen CC?
Also. Hab da selbst nicht deutlich genug mich ausgedrückt.
CC (Common Creative License) ist bei mir ja die Regel, d.h. jede darf den Text unverändert mit Namensnennung nichtkommerziell weiterverbreiten. Zusätzlich — hab ich irgendwann mal im Blog auch geschrieben — darf auch jede gern diese Geschichten weiterspinnen (funktionierte mal mit einem Märchenanfang). Ich bin gern Ideenverschenker.
Ok, Danke dir für die Info. 🙂
Sie war verblüfft über seine schnelle Reaktion und sprang aus der Wanne. Vor dem Spiegel, beim eincremen, überlegte sie was sie nun anziehen soll. Vielleicht das dunkel grüne Kleid, welches ihre schöne Form zur Geltung brachte oder doch lieber die schwarze Hose und eine schöne Bluse, in der sie sich wohl fühlte.
Letztendlich wählte sie doch ihre schwarze Lieblingshose. Wenn sie svhon aufgeregt war, sollte sie sich wenigstens in ihrem Outfit Wohlfühlen.