Heimweg zu Fuß.
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Der Abend ist gelaufen. Echt. Heute gibt es nichts mehr aufzureißen für mich. Na gut, dann kann ich mir jetzt auch die Kante geben. Schluß mit Spezi und Apfelsaftschorle. Ein Kilkenny und zwei Whiskey dazu? Ja, genau das. Und nochmal das Ganze. Ja, auch ein drittes Gedeck, bitte. Und dann nur noch ab nach Hause. Die letzte Bahn schaff ich noch. Wenn ich jetzt losgehe. Wenn das jetzt nicht hinhaut, dann muß ich den ganzen Weg zu Fuß gehen. In dieser Kälte. Alleine. Was? Begleiten? Ich? Dieses Weib? Ach, sie mich? Hm. Ob ich das noch verkrafte? Naja, ist 'ne Dreiviertelstunde Fußweg bis zu ihr, danach muß ich theoretisch nur noch zwei Blocks weiter. Theoretisch. Na gut, Aufbruch. Die letzte Bahn ist natürlich weg.
Meine Güte, ist die anschmiegsam, das macht mir fast ein wenig Angst. So wie die sich an mich ranschmeißt, braucht die einen Kerl. Oder Nähe. Einfach nur Nähe. Scheiße, ist der Weg lang. Da bin ich ja wieder nüchtern, wenn ich zuhause ankomme. Aber gut, auch ich bin nicht alleine, so zu zweit geht es sich eigentlich ganz gut durch die Nacht. Und wieviele Vögel jetzt noch singen. Ähm, warum soll ich denn stehenbleiben. Umarmen? Jetzt? Mitten auf der Straße? Oh. Fühlt sich ganz nett an. Die trägt … nein, die trägt keinen BH. Und ob ich Appetit auf einen Kaffee habe oder lieber Tee trinke. Fragen stellt sie mir. Anette, Anette heißt sie, ich soll mir das merken. Schade, wir sind da. Wie schnell doch die Zeit verging, wie kurz der Weg zu zweit doch war. Hier wohnt sie also. Im Erdgeschoß. Und warum soll ich noch einen Moment vor ihrem Balkon stehenbleiben? Oh. Uuuhmmm. Der Kuß war jetzt aber … Okay, ich bleibe stehen. Ah. Licht. Und da ist sie ja wieder. Was? Ich soll zu ihr auf den Balkon klettern? Warum durfte ich nicht mit durch die Tür? Ach, sie findet das so spannender. Gut, aber wirklich nur auf einen Kaffee, Anette, nur auf einen Kaffee.
Okay, zum Frühstück. Okay.
Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.
P.S.: Am 06.05.2019 waren positiv die Ruhe am Morgen, viele gute Ideen, nette Nachrichten.
Die Tageskarte für morgen ist die Sieben der Stäbe.
© 2019 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


richtig romantisch 🙂
So eine Balkonszene, ja, nicht wahr?
Ja, und das ganze Drumherum in der kalten Nacht
Ich bin mir sicher, es gibt Kerle, die genau so denken und fühlen 😀
Aber ja, warum denn nicht
Herzlich gelacht! Extrem witzig und gut geschrieben/ beschrieben. 🙂
Das freut mich!
Ich hab mir ja auch seine Miene vorgestellt beim Schreiben …
… und ich beim Lesen. 😉
Ich bin fest davon überzeugt, daß solche Begegnungen tatsächlich geschehen.
(Ich erinnere mich an so eine Telefonsäule: „Komm her, hier drin sieht uns keiner.“ Und an ihren beherzten Griff zum Kuß.)
Wenn wir sie uns ausdenken können, dann können sie auch tatsächlich geschehen. (Sicherlich eine schöne Erinnerung.)