Nº 099 (2019): Die Rückkehr

Über den Wahrheitsgehalt einer Phantasie (vermischt mit phantastischen wissenschaftlichen Ideen).

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Suters Buch (“Die Zeit, die Zeit”) ausgelesen, nicht zum ersten Mal, nein, ich las es in einer anderen Ausgabe gewiß schon einmal. Mich dann hier in dem Zimmer umgesehen und erstaunt festgestellt, wie viel sich in den wenigen Tagen verändert hat, obwohl ich nichts veränderte. Mir über die Unmöglichkeit der Wiederherstellung eines vorherigen Zustandes – den von vorgestern oder den von Ostersonntag vor elf Jahren – im Klaren sein. Die Protagonisten des Buches für völlig bescheuert erklären und doch ob ihres festen Glaubens an den Erfolg einer Unmöglichkeit bewundern (um nicht beneiden zu schreiben).

Hat nicht jede, hat nicht jeder einen solchen Zeitpunkt, zu dem zurückzukehren der große Wunsch ist? Um einen glücklichen Moment nocheinmal zu erleben oder um einen großen Fehler nicht zu machen. Diesen einen Moment, der Bruchteile einer Sekunde dauern kann oder viele Jahre. Wenn es doch nur möglich wäre, die außerhalb unseres Raum-Zeit-Konti­nuums (das nach neuesten Theorien überhaupt nicht so kontinuierlich sein soll, wie immer angenommen wurde, weil auch die Zeit gequantelt sein müßte, um alle erforsch­baren Effekte besser zu erklären, als das bisher möglich war) gelegenen Dimensionen (die übrigens auch in unser Raum-Zeit-Kontinuum eingefaltet sein können, aber als außerhalb liegend definiert werden, weil sie nicht dazugehören) als Wege zu beliebigen Punkten der Zeit zu gelangen und vor allem zu beliebigen Punkten der bereits vergan­genen Zeit zurückzukehren! Wenigstens für die Zeit des eigenen Lebens!? Zeitreisen nach außerhalb der eigenen Lebensspanne … Nein, es wird sich genau andersherum verhalten. Zeitreisen sind gewiß nur zu Zeiten möglich, in denen der Zeitreisende sicher nicht existierte, wenn es keine Zeitreisen gäbe. Und eine Rückkehr von einer Zeitreise ist wahrscheinlich auch ausgeschlossen. Insofern ist es durchaus möglich, daß es in unserer Realität durchaus Zeitreisende gibt, nur erfährt niemand aus deren Herkunftszeit, daß sie erfolgreich durch die … in der … zu einer Zeit reisten.

Die einfachste Form der Zeitreise unternehmen die Menschen doch sowieso jeden Tag; und sie wundern sich nicht darüber und sie beachten das kaum und sie werten diese Zeitreise oft ab, aber: Tag für Tag reisen die Menschen weitere 24 Stunden in der Zeit voran. Doch weil Menschen sich für konstante Existenzen halten, sagen sie oft: Die Zeit fließt. Aber die Menschen sind es, die sich bewegen; und weil es nichts gibt in der Zeit, an dem das Zeitgefühl festgemacht werden kann, ist es auch gleich, ob das Gefühl ihres Strömens tatsächlich hervorgerufen wird von der Bewegung der Zeit am ruhenden Menchen vorbei oder aber von der Bewegung des Menschen durch die ruhende Zeit hindurch. Oder?

 

Nein, am Ende erkenne ich: Kehrte ich zu einem Zeitpunkt meiner Vergangenheit zurück, um ein Glück nocheinmal zu erleben, so würde ich es wie damals nicht erkennen können. Kehrte ich zu einem Zeitpunkt in meiner Vergangenheit zurück, um einen Fehler nicht zu begehen, wo wäre mir das als Fehler absolut nicht erkennbar, jedenfalls nicht, bevor ich ihn machte.

Damit steht für mich fest: Eine Rückkehr ist kein lohnendes Unterfangen.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Am 09.04.2019 waren positiv etwa 250 gelesene Seiten eines Buches, Nachdenken über Zeitreisen und ihren Sinn, etwas weiter ausgehalten zu haben (einer Versuchung nicht nachgegeben zu haben).
 
Die Tageskarte für morgen ist das As der Schwerter.

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Über Der Emil

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1 Antwort zu Nº 099 (2019): Die Rückkehr

  1. Sofasophia sagt:

    So ähnlich schwurbelige Gedanken hatte ich beim Lesen des Buches aus. 👍🏻
    Mag ich.

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