Ihr Warum, ihr Wie, ihr Wohin.
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Sage mir nochmal jemand, daß Erinnern keine Arbeit ist, weil die Erinnerungen ja immer da sind und von ganz alleine kommen. Nein, so ist es nicht. Besonders nicht, weil ich vieles verdrängt habe und alles tat, Erinnerungen zu vermeiden, nicht entstehen zu lassen. Und ich hatte und habe gute Gründe dafür.
Aber ich habe es versucht. In den letzten Tagen zeichnete ich einen ganz bestimmten Teil meines Lebens nach, meine “Karriere” könnte ich das nennen. Das war alles andere als einfach. Darüber nachzudenken, wann ich dieses oder jenes wo (und manchmal auch: warum) veranstaltete. Noch sind zwischen den Stichpunkten ziemliche Lücken. Das heißt, ich habe den Verlauf noch deutlich zu präzisieren. Was von dem Unerinnerten mich wirklich interessiert, sind die Anlässe und Beweggründe. Und natürlich Einzelheiten, Umstände, das Umfeld. Die Brüche, die großen Brüche, die zu den Stationen dieser Karriere wurden, die habe ich; aber das Dazwischen, das “Normale”, das ebenfalls Anlaß bot: Ob ich je wieder davon wissen kann?
Das Leben ist eine ziemlich komplizierte Angelegenheit. Jedenfalls hab ich meines zu einer ziemlich komplizierten Angelegenheit gemacht. Weil ich nicht in der Lage war, Gefordertes zu tun. (Damit habe ich ja heute noch meine Probleme, manchmal.) Selbst wenn es zu dem einen oder anderen Unglücksfall nicht gekommen wäre: Meine Entscheidungen bestimm(t)en mein Leben, und ganz sicher waren mehrere nicht ganz richtig. Situationsbezogen war ich aber damals, in genau diesen Momenten, zu keiner anderen Entscheidung in der Lage. In der Rückschau erkenne ich falsche Entscheidungen. — Keine davon läßt sich korrigieren. Es lassen sich auch deren Folgen nicht mildern. Es ist, was ich lebte und lebe. Vielleicht, nein: Sicher gibt es Menschen, denen ich mit meinem Leben Unrecht getan habe. Eine Wiedergutmachung dafür gibt es nicht. Das, was möglich ist, habe ich getan: Heute vermeide ich solche Verwundungen. (Doch das ist wirklich nicht immer möglich.)
Nun warte ich tätig darauf, daß ich über genau diese “Karriere” sprechen kann, detailliert sprechen kann. Und in Gesprächen eventuell mehr davon und darüber erfahren kann.
Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.
P.S.: Am 11.03.2019 waren positiv entsorgte Gläser, erledigter Einkauf, geöffneter Karton mit Papierkram.
Die Tageskarte für morgen ist die Drei der Kelche.
© 2019 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Ich hoffe, dass du fündig wirst – beim Erinnern ebenso wie beim Hilfefinden. Ich bin mitstolz auf dich und deinen Mut.
Du scheinst ziemlich viel Ballast mit dir herumzuschleppen. Ich drück‘ die Daumen, dass du ihn aufarbeiten und hinter dir lassen kannst.
Es hat sich in den fast 40 Jahren des Erwachsenseins einiges angesammelt, ja.
Danke.
Nicht aufgeben! 🙂
Wer in dem Alter keinen Ballast hat, hat nicht gelebt!
Manche von uns haben schon sehr viel zu tragen; wenn es nur irgendwann einfacher würde, etwas davon abzulegen …
Ich bin mir nicht sicher, von welchem Alter wir sprechen, aber hier wirkt einer richtig niedergedrückt, während andere nicht mal ein bisschen krumm gehen. Das tut mir schon leid und hat hoffentlich mit dem „gelebt haben“ nicht so viel zu tun.
von dem Emil seinem Alter – und ich kann dir sagen, dass mich das auch nicht kalt lässt.
Das hat schon mit dem zu tun, was ich hier als Karriere verschlüssele. Das haben andere tatsächlich nicht zu tragen.
Und fast vierzig Jahre Erwachsensein sollten auf mindestens 55 (noch ein paar Wochen) hinweisen 😉
Das hatte ich da noch nicht gelesen. 55 ist ja jetzt nicht so viel. Da hast du noch viele Jahre Zeit, um dir etwas für den Ballast auszudenken.
Eine bittere Erfahrung meines Lebens: Wenn du dich nicht mit deiner Vergangenheit beschäftigen willst, beschäftigt sie sich früher oder später mit dir.
Ich grabe seit Jahren nach ihr. Und es ist mühevoll.
(Einer der ersten Texte dazu)