Nº 020 (2019): Nacht und Tag. Erinnerungen.

Mein zweifelnder Umgang mit meinem Gedächtnis.

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Das war eine seltsame Nacht.

Ich schlief vor ein Uhr ein, da bin ich sicher, und ich war um 3.13 Uhr wieder wach. Oh doch, ich hatte vor, wieder einzuschlafen. Doch das funktionierte nicht. Auch Autogenes Training funktionierte nicht. (Was mich echt wunderte.) Nach einer ganzen Weile des Herumwälzens auf der Bettstatt setzte ich mich an den Schreibplatz, vor mir genügend Papier für Manuskripte für mindestens drei Romane. Lange Romane. Griffbereit auch all die thematischen Kladden. Ich saß. Ich hörte Radio. Ich las. Ich kritzelte, es war schon fast automatisches Schreiben. Hörte wieder Radio. Sah TV, nur kurz, weil ich davon schnell genervt war. Schrieb etwas, das ich so schon oft geschrieben habe. Dann war es halb acht. Um neun möchte ich sonntags ja sowieso gern wachsein. Also blieb ich wach. Lag kurze Zeit, fühlte mich dabei unwohl. Dann saß ich wieder. Am Schreibplatz. Schon mit der zweiten Kanne Kaffee. Um elf gab es dann ein zweites Frühstück.

Ich wurde partout nicht müde. Auch, als ich irgendwann einen Mittagsschlaf versuchen wollte: wach.

Dann sah ich mir nochmal an, was ich mir an Szenen aus der Erinnerung aufgeschrieben hatte. Aus jenen Erinnerungen, die ich für das Entstehen meines größten, nachdrücklichsten Wunschtraumes “verantwortlich mache”. Einige davon sind mir bisher verborgen gewesen. Aber ja, ich glaube, das sind wirklich Erinnerungen an tatsächliche Geschehnisse, Situationen, Umgebungen usw. usf. Sie … Sie sind nicht schmerzhaft, nicht unangenehm. Sie waren nur lange nicht abrufbar. (Einige konnte ich mit alten Notizen belegen.) Hm. Irgendwie ist es überhaupt nicht einfach mit dem Gedächtnis, dem Wahrheitsgehalt des in ihm Enthaltenen. Erinnerungen sind ja oft vom Hirn angepaßte “Schatten der Vergangenheit”. Ohne die Möglichkeit, sie mit Protokollen zu vergleichen, kann ich über den objektiven Wahrheitsgehalt, über die Realität des Erinnerten nicht urteilen. Ich muß damit rechnen, daß selbst das, was außerordentlich plausibel und wahrscheinlich zu sein scheint, nur zum kleinsten Teil abbildet, war objektiv war. Für mich ist das, nachdem ich mich einmal neu erschuf, sicher noch schwieriger als für andere Menschen, die solches nicht taten.

 

Und dann waren da noch andere Erinnerungen, frischere. Solche, die ich anhand meiner Blögger prüfen kann. Ach, die waren heute schön. (Auch wenn der Anlaß dazu ein weniger schöner ist, nämlich die seit einiger Zeit festgestellte Unbenutzbarkeit einer bisher einfach zu nutzenden Plattform. Wie gut, daß ich alle meine Blogeinträge aller meiner Blogs erst auf Papier und dann als HTML-Quelltext zuhause habe.) Manches lag zehn, manches vier drei Jahre zurück. Manches war noch präsent, manches mußte ich mir wieder anlesen. Hach: Was waren da für wundervolle Momente dabei!

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Am 20.01.2019 waren positiv die einen Erinnerungen, die anderen Erinnerungen und die Erinnerungen auch noch.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Sechs der Stäbe.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Antworten zu Nº 020 (2019): Nacht und Tag. Erinnerungen.

  1. Sofasophia sagt:

    Schön, wenn erinnern so schön sein kann. Das freut mich. Hoffentlich konntest du den Schlaf wieder finden heut Nacht.
    (Ob der Vollmond mitbeteiligt war an deiner Schlaflosigkeit?)

  2. wildgans sagt:

    Ja, das mit den Erinnerungen ist so ein Ding. Manches ist für immer „verzaubert“ (verfälscht vielleicht auch).
    Das Wort „Blögger“ finde ich herrlich!
    Du kümmerst dich so sehr um dich. Das gefällt mir!

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