Neunter Stock (Nº 150/2018)

Weit oben ohne Balkon.

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Nein, ich werde euch nicht langweilen mit meinem Bericht vom heutigen, äußerst ungewöhnlichen Morgen. Weil: Ich wohne ja im neunten Stock, hier oben passiert nichts vorm Fenster. Nur meine Frühstückstaube kommt ab und zu vorbei oder ein Milan. Da brauch ich auf “Spanner” am Fenster nicht eingestellt zu sein. Heute aber … Erst nach drei Uhr war es kühl genug für Schlaf. Gegen sechs war ich mal wach, schlief aber wieder ein. Irgendwann begann eine Schlagbohrmaschine zu rattern und ich dachte noch: Nicht um diese Uhrzeit! Ich lag im Adamskostüm auf dem als Bettdecke dienenden Laken, als etwa um Acht die Schlagbohrmaschine gefühlt direkt neben mir zum Einsatz kam. Ich schreckte hoch, sah zwei Männer durch das offene Fenster – im neunten Stock! – hereinschauen, versuchte mich notdürftig zu bedecken, zitterte, hatte Herzrasen und war – im neunten Stock! – einfach nur völlig verwirrt. Direkt neben meinem Fenster – im neunten Stock! – wurde (mehrfach) gebohrt und geschraubt. Fenster zu. Wohnungstür prüfen. Bad (solche Aufregung wirkt bei mir immer heftig). Kaffee ansetzen. Zum Fenster gehen. Halt, erst was anziehen. Fenster wieder auf, einen Blick hinaus riskieren. Mit einem Gelenksteiger wurden Blitzableiter angebracht. Heute früh/vormittag. Der Lärm war gegen halb Elf vorbei, gegen halb Zwölf hatte auch ich mich wieder erholt.

Danke. Solche Weckdienste brauche ich nicht. Echt nicht. Der heute reicht für die nächsten zehn Jahre. Und mit dem Bericht davon werde ich euch bestimmt nicht langweilen.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 30.05.2018 waren der überlebte Schrecken am Morgen, ein Nachmittagsschlaf, fertiges Behördenpapier.
 
Die Tageskarte für morgen ist IV – Der Herrscher.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Neunter Stock (Nº 150/2018)

  1. puzzleblume sagt:

    Muss gruselig gewesen sein. Wobei mich das Bohren in „meiner“ Wand erfahrungsgemäss mehr beeinträchtigt hat als jemand vor dem Fenster, selbst wenn die Arbeiten angekündigt waren.

  2. Nati sagt:

    Schreck lass nach.
    Und da haben die dich nicht vorgewarnt?

  3. frauholle52 sagt:

    Bei mir passiert nie was! Alles immer wie immer. Wenigstens erlebst Du Abenteuer im 9. Stock!

  4. Sofasophia sagt:

    Autsch. Was war stressiger für dich? Der Lärm oder die Reinblicker?
    Ich verstehe deine Aufregung nur zu gut!

    • Der Emil sagt:

      Gesamtsituation nach abruptem ungewollten Erwachen. Scheiß auf Lärm und Scheiß auf Spanner, die stören mich im Normalfall nicht oder wenig. Aber in der Schockintensität …

  5. wildgans sagt:

    Das Wort „Adamskostüm“ inspiriert!

  6. Studio Glumm sagt:

    Klingt wie eine TV-Werbung. Und in der nächsten Szene geht das Fenster auf und dir wird ein sexy neues Schoko-Nougat-Eis zugeworfen von den zwei sexy Schlagbohrern und du bist froh, in dieser Welt zu leben. Oder so ähnlich. Passiert mir fast täglich. Und ich lebe Erdgeschoß.

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