Minuskeln, die: Eygenthümlich Schreyberei.
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Ich muß mich ab sofort unbedingt noch mit den Karolingischen Minuskeln beschäftigen oder mit den Humanistischen Minuskeln (das in der Überschrift sind, nebenbei bemerkt, Kapitälchen, keine Minuskeln). Ich möchte die nämlich irgendwann einigermaßen schreiben können.
Es ist ja wirklich sehr interessant, daß aus dieser alten “Abschreibe-Schrift” auch die ersten Antiqua-Druckschriften entstanden, neben der in den “deutschen” Ländern genutzten Frakturschrift. Doch bevor gedruckt wurde, wurde eben nur abgeschrieben. Meist in Klöstern. Erinnert ihr euch an den Film “Der Name der Rose”? Dort standen sie im schwachen, flackernden Licht von Kerzen oder Kienspänen, die Schreiber. Nein, sie mußten nicht lesen können, nicht verstehen können, was sie da so genau als nur möglich kopierten. Das war vielleicht nicht einmal erwünscht, sondern genau so als richtig erachtet. Wichtig war, daß Zeichen für Zeichen, Buchstabe um Buchstabe vom alten in das neue Buch übertragen wurden. Und dann (so weit ich weiß, nach dem Abschreiben) wurden die Seiten wieder mit den farbigen Verzierungen versehen. Ich habe keine Ahnung, wieviel Zeit auf diese Weise zum Abschreiben eines kompletten Buches benötigt wurde.
Und dann denke ich daran, daß heutzutage kaum noch handschriftlich notiert wird. Für meinen Geschmack wird viel zu viel Text mittels Tastatur oder Tastatur-App erzeugt. Auch deshalb halte ich an meiner Gewohnheit fest, meine Texte zuerst in eine Kladde oder auf einen Zettel zu schreiben, meist mit einem Füllfederhalter. Manches schreibe ich auch mit einer Stahl- oder Glasfeder (Redis – kennt die jemand?), so richtig mit Eintunken in ein Tintenfaß. Und nun möchte ich nicht nur lateinische (die persönliche Variante der Vereinfachten Schulausgangsschrift der DDR) oder deutsche Handschrift (Kurrent-Sütterlin-Gemisch) beherrschen, sondern auch diese alte Form der in handgeschriebenen Büchern benutzten Buchstaben: eben die Karolingischen oder Humanistischen Minuskeln.
Und sonst sitze ich noch immer an dem Tagebuch der 1890er Jahre und “übersetze” alte deutsche Handschrift in ein odt- und pdf-Dokument mit heutigen Lettern.
Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 14.05.2018 waren der Arztbesuchmit langem Gespräch, leckeres Sauerkraut mit Bratwurst und Kartoffeln, eine Zusage zu einem Angebot.
Die Tageskarte für morgen ist das As der Kelche.
© 2018 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Wir hatten früher in der Schule mal mit einem Holzstift, mit der Feder aus Metall, per schwarze Tinte gezeichnet.
Ich weiß gar nicht mehr wie die Stifte heißen. Griffel vielleicht?
Ich kenne die nur als Federhalter … Griffel waren doch die Graphitstifte für die Schiefertafeln?
Der Name Griffel fleuchte gerade in mein Gehirn rum. Hätte ja das passende Wort sein können.
Ist aber schon eine schöne, aussergewöhnliche Art zu schreiben.
Ich schreibe meine Texte auch erst aufs Papier. Nach der Veröffentlichung schreibe ich sie in ein schönes Büchlein. (Zumindest die Texte die ich auf H&V veröffentliche).
Im MA haben manche Schreiber Beginn und Abschluss einer Abschrift datiert. Der Paläograph Wilhelm Wattenbach führt u.a. auf : „Der heilige Columba im 6.Jahrhundert schrieb eine Evangelienhandschrift in 12 Tagen. […] Die Geometrie des Boetius schrieb Constantinus in elf Tagen. In 5 Vierteljahren wurde eine Abschrift der Bibel vollendet.[ …] Ein prächtiges neues Testament der Wiener Hofbibliothek von 278 Blättern in groß folio ist 1333 in 6 Monaten geschrieben; ein illuminiertes Graduale für das Kloster Aldersbach, zu welchem 175 Häute gebraucht wurden, in 8 Monaten, vom 1.Juli 1932 bis 22. Februar 1323.“ Es waren vermutlich alles versierter Schreiber; analphabetische Kopisten werden deutlich länger gebraucht haben.
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Vielen Dank für solche Informationen. Heututage hat Mensch ja keine Vorstellung mehr davon.
Ich weiß nicht, ob ein (zwar analphabetischer, aber) guter Kopist wirklich langsamer wäre als ein guter Schreiber; aber wahrscheinlich waren die Kopisten eher namenlos.
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