Straßenpoesie.
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Eins muss man der Trauer lassen; sie schreibt schönere Texte als das Glück.
Text vom handbeschriebenen Aufkleber auf dem Mülleimer.
(Mit Hagen Rethers oder Uwe Kockischs Stimme zu lesen.)
Hm. Schönere Texte … Ich weiß nicht. Auf den ersten Blick schreibe auch ich, wenn ich traurig bin, “schönere” Texte. Das heißt, ich schreibe, wenn ich traurig bin, sowieso eher als im Zustand des Glücks. Denn die Trauer muß ich in Worte fassen, sie muß raus aus mir, sonst frißt sie mich von innen heraus ganz auf. Ich verstehe, nein, ich fühle Texte, die in trauriger Stimmung geschrieben wurden, auch viel intensiver als die aus glücklichen Zeiten. Ist so. Und ich weiß nicht, warum das so ist. Vielleicht weil auch ich mich viel besser, öfter, intensiver an Trauer erinnern kann, weil Trauer länger in mir bleibt und ich sie öfter fühle als Glück. Und warum mir das so erscheint oder es gar so ist, weiß ich auch nicht.
Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 13.05.2018 waren ein Besuch auf dem Friedhof, Malzbier, ein Angebot.
Die Tageskarte für morgen ist X – Das Rad des Schicksals.
© 2018 – Der Emil. Text & Bild unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).



Das kann ich gerad voll bestätigen. Glück ist zeitlich ein Hauch, Trauer währt lang, hat oft eine Coda.
Und ich stelle fest, dass ich großes Glück, feine und kleine Glücksmomente nicht halb so gut mit Worten beschreiben kann wie Trauerzeiten oder -augenblicke. Lese ich den Text noch einmal, steige ich schnell bei der Trauer ein. Das geschriebene Glück scheint mir nicht halb so leuchtend und ausfüllend und prickelnd wie das zugrunde liegende Gefühl. Achja. So ist das.
Etliche Komponisten haben in Trauer und Depression am besten komponiert. Auch Überschwang ist für mich in der Musik schön zu hören, anders bei Texten.
Bei mir ist das auch so. Jedenfalls brauchen die glücklichen Texte mehr Anstrengung, während die verzweifelten einfach so fließen.
Ich hab mal im Radio (dlf) gehört, dass evolutionär die negativen Gefühle wichtiger sind, weil sie vor Gefahren warnen und damit zum Überleben beitragen. Ich finde das ganz plausibel: Wer etwas ängstlicher ist fällt nicht aus Leichtsinn von der Klippe obwohl die “Aussicht so toll ist“. Und wer einen Familienangehörigen durch eine Todesart verloren hat, trauert und versucht zumindest diese Todesursache für sich selbst zu vermeiden.
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Das hört sich plausibel an, so kam die Angst in unsere Vorsorge im Leben.
In diesem Zusammenhang aber sehr interessant, dass die psychische Entwicklung des Menschen sich mit stiegendem Alter auf die positiven Erinnerungen konzentriert und Negatives vergessen (oder ausgeblendet) wird.
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Wahrscheinlich macht die Psyche das, weil sie dann die Last des vergangenen Leides nicht mehr tragen und im Zweifelsfall daran nachträglich zerbrechen muss. Bei Posttraumatischen Belastungsstörungen ist dieses gesunde Vergessen bzw. Abspeichern im Kasterl “Erinnerung, vorbei“ gestört, daher die als lebensbedrohlich wahrgenommenen Flash-Backs obwohl grad keine äußere Gefahr droht.
Wenn man sich zu intensiv an den Mist erinnern könnte, würde auch der Weiterlebenswille darunter leiden – evolutionär auch suboptimal 🙂
Woher kommen eigentlich diese polldaddy-links?
WordPress-internes. Wird zum 25. wohl verschwinden.
Danke!