Unscheinbare Dinge (Nº 128/2018)

Nicht wegwerfbar.

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Beim Entrümpeln meines Schrankes – ja, das ist ab und an notwendig, da ich ein Samm­ler­gen habe – fand ich vor ein paar Tagen zwei Dinge, die anderen Menschen sicher seltsam erscheinen würden. Da war eine ganz einfache Haushaltskerze in einem Karton, in dem irgendwann einmal eine Blockflöte verkauft wurde. Daß sie einmal brannte, diese Kerze: Ich erinnerte mich kaum daran. Bei genauerem Hinsehen entdeckte ich Bißspuren an ihrem unteren Ende, die mich sofort an ihre Entstehung erinnerten, an die viel zu kurze Zeit vor fünfzehn Jahren, an die durch sie aufgehellte Dunkelheit, an den Geruch und an die Geräusche. Genau deshalb packte ich das unscheinbare Ding, wieder in Seidenpapier und Küchenrolle gewickelt, in seine Schachtel und legte die zurück in den Schrank. Auch das kleine Samtsäckchen mit dem knappen Dutzend hölzerner Wäscheklammern behielt seinen Platz, aus einem sehr ähnlichen Grund.

Was ich nicht wieder in den Schrank packen wollte, wurde endlich entsorgt. Zum Beispiel Computerbauteile, die zwanzig oder fünfzehn oder vielleicht sogar fünfundzwanzig Jahre alt waren, heutzutage wirklich nicht mehr – jedenfalls von mir nicht mehr – genutzt werden könnten, längst ausgetrocknete Whiteboard-Marker, von mir beschriebene Polylux-Folien. Und auch meine Erinnerungen konnte ich nicht zurück in den Schrank stopfen. Die waren wieder da. Und einige davon sind immernoch da und verursachen so ein Ziehen in meinem Herzen. Ihren Namen hatte sie sich damals selbst gewählt …

 

Fach für Fach, Schublade für Schublade will ich so weitermachen.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 08.05.2018 waren das geschaffte frühe Aufstehen um fünf Uhr, die sprudelnde Vene, ausgedehnter Mittagsschlaf.
 
Die Tageskarte für morgen ist XVI – Der Turm.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Unscheinbare Dinge (Nº 128/2018)

  1. Das du wohl eine Sammelleidenschaft hast habe ich mir schon öfter mal beim Lesen gedacht. Vielleicht solltest du dir eine Kiste zulegen wo die Sachen reinkommen, wo du noch nicht so genau weißt ob sie weg können oder nicht. Und wenn du sie nach einer dir gesetzten Zeit immer noch nicht benötigst schmeißt du sie weg.

  2. Das ist ja ein tolles Wort.😀
    Ich gehöre zu den konsequenten wegwerfen. Manche hängen ja mit Herz und Seele an jedem Fitzel.
    Ich brauche Luft zum atmen, wenn du verstehst was ich meine. Ich bin zwar kein Minimalist aber zu viel geht auch nicht.

  3. wildgans sagt:

    Sammlergen. Aha. Handreich!

  4. Arabella sagt:

    Flötenschachteln sind wertvoll, Gedankenmusik inbegriffen.

  5. Sofasophia sagt:

    So eine Entrümpelung stünde meiner Wohnung auch gut. Ich behalte ja nicht einfach Dinge sondern sammle Geschichten.
    Dir geht es offenbar ähnlich. Gutes Weitermachen!


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    • Der Emil sagt:

      Bei anderen kann ich, nebenbei bemerkt, viel effizienter „entrümpeln“. Wenn Du also – quid pro quo – Hilfe in Anspruch nehmen magst … 😉

      • Sofasophia sagt:

        Soll ich dich einfliegen? *kicher*

        Du weißt ja selbst: Die Geschichten erschließen sich nur dir selbst. Darum würde so ein Tausch nur schwer funktionieren.

        Als wir das Altersheimzimmer meiner Tante nach deren Tod geräumt hatten, dachte ich das erstmals: Jeder Gegenstand ist beseelt und ohne ‚Passwort‘ unlesbar. Das Passwort ist aber auch mitgestorben.

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