Fensterphantasie (Nº 114/2018)

Aber darüber zu schreiben, das ist unmöglich!

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Es gibt Momente, in denen selbst ich an meiner Phantasie “verzweifle” – aber daß das eine ironische Überspitzung ist, ist wohl klar. Trotzdem. Trotzdem kann es sein, daß ich mir hiermit den Unmut von Leserinnen und Lesern zuziehe, weil …

Ich liebe diese Buntglasfenster, Bleiglasfenster, wie sie in Kirchen zu sehen sind oder in Jugendstilgebäuden überall im Land. Und darauf sind die sonderbarsten Darstellungen zu sehen: Himmelfahrt, Jagdszenen, Blumenwiesen, Enten auf Teichen, Allegorien … Ich stehe da und bin von den Darstellungen und von der handwerklichen Kunstfertigkeit, mit der diese angefertigt wurden, echt begeistert. Da muß nichteinmal die Sonne durch das Fenster scheinen, es reicht recht zartes Licht von außen. Oder in der Dunkelheit, wenn ich draußen vor solchen Fenstern stehe, dann ist Kerzenlicht im Inneren die wunderbarste Lichtquelle, die die bunten Scherben brilliant leuchten läßt.

Ach, hier in Halle gibt es viele solcher Fenster.

Und manchmal eben geht meine Phantasie eigene Wege. Und dann stelle ich mir vor, daß meine drei Fenster solche Buntglasfenster seien. Eines im Jugendstil: zwei Tafelenten auf einem schilfumrandeten Teich mit Seerosen, in zarten Grüntönen und blassem Blau, nur die Enten sind aus kräftig gefärbtem Glas gefertigt. Das zweite Fenster ist eine Darstellung aus der biblischen Geschichte, aber etwas eher Unbekanntes, vielleicht Zacchäus auf dem Baum (Lk 19,1-10). Ach, wenn es möglich wäre, Thermofenster aus solchem Glas mit solchen Motiven in die Platten einzubauen, das wäre schön. Und nein, Fenstermalereien sind etwas ganz anderes, sie sind nicht im Ansatz mit bunten Bleiglasfenstern zu vergleichen, für mich jedenfalls nicht. Das dritte Fenster? Wollt ihr wirklich wissen, welches Motiv das dritte Fenster zeigen soll, für mich in meiner Phantasie? Hm. Wahrscheinlich würde ich es, wenn jemand bei mir zu Gast wäre, verhüllen, verbergen, weil ich … mich dann doch schämen würde für meine Phantasie. Aber sicher bin ich mir dessen nicht. Nun denn, einmal tief Luft holen und heraus mit der Sprache: Da stelle ich mir (mindestens) einen “pink shot” vor, in meiner Phantasie, heimlich und ganz für mich allein.

Es würde langweilig werden, das immer und ständig zu sehen? Ich würde “abstumpfen”, das Besondere dieses Anblicks würde verlorengehen? Das glaube ich nicht …

 

Natürlich ist das eine Phantasie. Eine, die sicher hie und da auf Unverständnis und Ablehnung stoßen wird. Und sie ist sicher “typisch Mann”. Oder vielleicht auch nicht?

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 24.04.2018 waren ein Bild, ein kurzes Gespräch in der S-Bahn, zwei Stunden in der Altstadt.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Acht der Kelche.

© 2018 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Fensterphantasie (Nº 114/2018)

  1. Seit Tagen erscheint keiner deiner Beiträge im Reader. Ausgerechnet der hier schon. Lach…

  2. karfunkelfee sagt:

    Männer, die einen Sinn für bleiverglaste Buntglasfenster haben, sind so typisch wie Frauen mit einer Affinität zu Thermodoppelverglasungen …oder so ähnlich. Du wünscht Dir für Deine Buntglaskunst besondere Motive. Die beiden Flügeltüren am Aufsatz meines Schreibtisches sind bleiverglast. Vor mir gehörte dieser Schreibtisch nur Männern, die beide das Buntglas liebten. Es sind rankende SchwertLilien auf grünem Wiesengrund. Mein Lieblingsmotiv. Weil ich es mir nicht aussuchte sondern ererbte. Ich kenne einige Männer, die solche Glaskunst lieben und zu würdigen wissen. So wie Du.
    Oder ich.
    Eben so typisch Mann und Frau irgendwie beide, ach, Hauptsache, ein Feinsinn für das Schöne – der verbindet Geister.
    Liebe Grüße nach Halle von der Fee🧚‍♀️✨

    • Der Emil sagt:

      Du machst mich gerade neugierig auf Deinen Schreibtisch. Gibt es den schon irgendwo anzusehen?

      • karfunkelfee sagt:

        Neee…er ist oft zu unaufgeräumt…aber wenn Du ihn anschauen möchtest, könnte ich Dir mal ein Bild mailen. Es ist ein heller Eichensekretär mit einem Schrankaufsatz aus der Gründerzeitepoche. Um den Aufsatz läuft ein Geländer und in der Mitte findet sich die geschnitzte Muschel, ein typisches Symbol des Jugendstils. Die Fensterchen der Türen bestehen aus den Buntglasintarsien. Der Schreibtisch hat sogar den Holzwurm und eine schwarze Schellack-Lackierung überlebt, die aber abgebeizt wurde, so dass das Holz wieder in Naturfarbe schimmert. Ein Erbstück. In der Öffentlichkeit zeige ich meine alten Möbelchen nicht gerne so ausführlich. Ich verstecke sie vor fremden Augen…:-)

  3. Sofasophia sagt:

    (Dann muss ich jetzt wohl pink shot suchmaschinen …)

    😊

  4. sabeth47 sagt:

    Musste auch nachschauen. Ahja, wieder ein Stück neue Sprache.
    Gespannt bin ich nur, ob ich bei fb und sonstwo jetzt passendes Zubehör zum Kauf angeboten bekommen werde. Wäre mal eine Abwechslung zu Treppenlifts und Buchbestsellern. (Ich habe nie nach Treppenlifts gesucht.)

  5. diefarbeev sagt:

    😀 – ja, nee, Danke, die kleine, dicke (alte) Frau musste jetzt erst mal gurgeln gehen, um zu lernen, was da so Pink ist – ej, es gibt Frauen, die das modelliert als Kette um den Hals tragen, warum dann nicht auch als bleiverglastes Fenster?!
    Auf meinem morgendlichen Weg in die Stadt komme ich an vielen alten und bunten Fenstern vorbei und sehe mich daran satt, ich teile diese Leidenschaft.

  6. Da haste ja wieder mal was losgetreten.
    Gut das ich nicht die Einzige war die erst mal schauen musste was du meintest.

    Und: Bis jetzt hat sich hier noch keiner beschwert. Hast du dir umsonst Gedanken gemacht.

  7. So langsam wirst du übermütig, lieber Emil.

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