Auf zum Petersberg.
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Ja, heute war ich dort. Zu Fuß habe ich den Hinweg geschafft. Von Halle-Neustadt aus ging ich über die Peißnitz und die Ziegelwiese, am Saaleufer entlang bis zu St. Briccius in Trotha. An der ehemaligen Tankstelle in Trotha (Straßenbahnhaltestelle Pfarrstraße) war nach anderthalb Stunden Mittagspause angesagt, mit einem der echt leckeren Burger, die es dort am Imbiß gibt. Nach einer halben Stunde Rast ging ich dann weiter. Trotha, Endhaltestelle der Straßenbahn. Von da aus führt der Weg lange Zeit an einer durchaus befahrenen Straße entlang, bis Teicha auf einem Fuß-/Radweg bzw. normalen Gehsteigen. Nach dem Bahnübergang dort bleibt dann nur, direkt auf der Fahrbahn zu gehen. Eines wunderte mich: Die entgegenkommenden PKW überholten einen Radfahrer und schwenkten dann, mich sehend, noch viel weiter nach links. Hä? Sicherheitsabstand, seitlicher – waren da nicht beim Überholen ein Meter, bei Radfahrern sogar 1,5 m und mehr als erforderlich angesehen? Ui, das wurde oft nicht erreicht beim Radfahrer, bei mir als entgegenkommendem Fußgänger aber schon … Dann ist die Straße endlich nicht mehr mein Weg. In Nehlitz mache ich nocheinmal Pause, ich habe die nächsten sechs Kilometer geschafft, das waren zwei Drittel des Weges außerhalb der Stadt. Dort habe ich auch nochmal Sonnencreme nachgelegt, denn die schien heftig und es war heiß.
Den Wanderweg zu finden war einfach, auf ihm zu bleiben war es im Ort nicht. Aber nach dreimal umkehren auf 300 m hatte ich ihn wieder, den Wanderweg Petersberg. Ein Hohlweg führt aus dem Ort hinaus, bergauf. Dort ist wieder kein Wegweiser zu finden und ich gehe zuerst 200 m auf dem falschen Weg. Wieder zurück. Den richtigen Weg nehmen, der in einer Rasenmäherbreite recht frisch gemäht wurde. Pralle Sonne. Dann hört der Wind auf, die Luft steht. Ich sehe das, was mir am Ende des Weges bevorsteht: der steile Anstieg hinauf zur Stiftskirche, zum Kloster. Neunhundert Meter sehr steil hinauf oder vielleicht drei Kilometer den anderen Weg, immer die Straße entlang … Ich versuchte mich am kürzeren Weg, den ich vor vielen Jahren schon einmal ging. Den “richtigen” fand ich nicht, stolperte dann über eine Grasfläche bergauf, grüßend vorbei an zwei sich freizügig sonnenden Frauen mitten in Gottes freier Natur. Natürlich bemühte ich mich, nicht hinzuschauen. Weiter hinauf! Dem Himmel und meinem Ziel entgegen! Oh, und dann war ich fast oben und überlegte etwa dreißig Meter weit, ob ich nicht doch lieber umdrehe so kurz vor dem Ziel … Ich hätte, wäre ich dem Hauptweg gefolgt, oben an der Kante eines Steinbruchs entlanggehen müssen. Ich. Oben. Am. Steinbruch. Entlang. Neeeeeee. Zum Glück tauchte wirklich maximal fünf Meter vor der kritischen Stelle ein vom Abgrund weg hinaufführender Trampelpfad auf. Ich schnaufte wie die Lok vom Halb-Fünfe-Zug und war oben. Die letzten paar Meter mußte ich langsam gehen und wirklich tief, sehr tief luftholen.
Ja, zu meiner Überraschung paßte ich auch noch durch den wirklich engen und niedrigen Eingang der Wehrkirche. Einige Minuten verschnaufte ich drin. Das Hauptschiff ist komplett eingerüstet, nur der Chorraum und das Querschiff sind frei. Und trotzdem: Wenn ich diese (ganz besonders in diese, aber bei vielen anderen Kirchen auch) betrete, breitet sich in mir eine friedliche Ruhe, ein ruhiger Frieden aus. Ich höre auf zu denken, zu werten, zu vergleichen. Ich bin in dieser Kirche einfach nur (wie in der Böllberger zum Beispiel oder in der in Zeithain). Ich bin einfach. Ich bin. — Ich saß dann noch zu einem gemütlichen Schwätzchen mit völlig Unbekannten vor der Kirche im Schatten, ehe ich mein Wasser auffüllte und mich an den Rückweg machte. Bergab überlegte ich, ob ich nochmal zweieinhalb Stunden überwiegend an der Straße entlang gehen möchte. Bei den beiden noch immer in der Sonne liegenden war mir klar: Ich nehme den Bus. Sechzehn Kiolometer in vier Stunden und fünfundzwanzig Minuten reiner Gehzeit, fünf Stunden und 28 Minuten brauchte ich insgesamt bis hoch auf den Berg: Das war genug für heute.
Das wichtigste Bild übrigens machte ich von einem kleinen grünglänzenden Tierchen, das zwischen all den Pflanzen vielleich schwer zu erkennen ist. Ich glaube, es ist ein Zauneidechsenmännchen in der Paarungsfärbung. Denn wenn es eine Westliche Smaragdeidechse gewesen wäre, hätte sie nicht nur die geschätzten höchstens 15 cm lang sein sollen, sondern ich hätte auch die erste Sichtung dieser Art in der freien Natur im gesamten Gebiet der ehemaligen DDR getätigt.
Es war wie auch der gestrige schon ein wundervoller Tag, von dem ich Sonnenbrand, einen Wolf, schmerzende Füße, ganz sicher einen Muskelkater und ein wahnsinnig gutes Gefühl behalte.
Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 22.04.2018 waren der Weg, Überraschungen unterwegs, die Erlebnisse auf dem Berg und auf dem Heimweg.
Die Tageskarte für morgen ist die Sieben der Stäbe.
© 2018 – Der Emil. Text & Bild unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).



Da hattest du einen ganz tollen Tag, lieber Emil.
Bei ‚ Ich schnaufte wie die Lok vom Halb-Fünfe-Zug‘ musste ich schmunzeln.
Ein kleiner Vorgeschmack für deinen Pilgerweg an Pfingsten.
Trainierst du vorher irgendwie oder gehst du einfach los?
Oh ja, das hätte mir auch gefallen. Und zu zweit eine „Fuffzn“ zu machen, ist ganz gut.
Du hast deine Wanderung so gut beschrieben, dass man eine Vorstellung davon hat.
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