Rauchen im Wind (Nº 073/2018)

Auf einer Bank am Ufer.

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Eine Frau kommt am Ufer entlang auf mich zugelaufen. Hoch­was­ser­hosen, Pumps, helle Jacke, Kopftuch, riesige dunkle Sonnenbrille. Sie setzt sich neben mich auf die Bank, holt ein Zigarettenetui und ein Feuer­zeug aus der Tasche. Es dauert ein Weilchen, bis sie bei diesem Wind den ersten Rauch tief inhalieren kann. Ich beobachte sie aus den Augenwinkeln, ihre kräftigen Hände scheinen nicht zu ihrer Erschei­nung zu passen. Sie raucht genießend, entspannt zurückgelehnt. Sie schnippt die zur Hälfte gerauchte Kippe gekonnt und trotz des Windes zielgenau in den Straßengully. Früher hätte ich diese Geste lässig genannt. Die Frau steht auf und geht in die Richtung weg, aus der sie kam. Ich sehe ihr nach, bis sie hinter einem parkenden LKW ver­schwun­den ist. Auch ich mache mich auf den Weg und greife wie beiläufig nach dem Briefumschlag, der auf der Bank liegt. Im Gehen schaue ich hinein: das Schwarzweißfoto eines Mannes, eine Perso­nal­ausweiskopie und ein Bündel Hunderter, das hoffentlich die Fünfzig­tausend vereinbarte Anzahlung sind. Ich schiebe den Umschlag in die Innentasche meines Mantels und gehe zum Bahnhof. Ich brauche eine Fahrkarte, ich werde übermorgen verreisen.

 

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 14.03.2018 waren die ausgelesenen “Unbeholfenen” (Botho Strauß), eine ausgebesserte Naht, ein langes Gespräch mit der allerallerallerbesten Freundin.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Drei der Schwerter.

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Über Der Emil

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0 Kommentare zu Rauchen im Wind (Nº 073/2018)

  1. wildgans sagt:

    Mir deucht, diese Geschichte ist in einem Park in Paris anzusiedeln. Sie gibt Anlass zu gepflegtem Nachdenken!

  2. piri ulbrich sagt:

    Auftragsarheit – und vorher noch ne Knarre besorgen?

  3. Ulli sagt:

    Klasse Miniaturkrimi 🙂

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