Papier und Gedächtnis (2017: 263)

Zwei Bestandteile des Weges in eine Art Unabhängigkeit.

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Heute schaffe ich die Bearbeitung der Rose ganz sicher nicht mehr. (Heilige Schei…benpolitur! Grad mußte ich in einen alten Duden schauen, um mir über die Getrennt- oder Zusammenschreibung von “nicht mehr” Gewißheit zu verschaffen. Ich fluche seit 1995 über die Schlechtschreibreform …) Vorgenommen hatte ich es mir, allein, es kamen viele Dinge dazwischen, ich hatte genug anderes zu tun. Wahrscheinlich hebe ich mir diese Rose für einen angenehmen Winterabend auf, habe mir das sogar im Kalender vorgemerkt.

Damit bin ich beim eigentlichen Thema, meinem Kalender, genauer: Terminkalender. korganizer leistet mir treue Dienste, synchronisiert über einen Online-Dienst alle meine Geräte. Das klappt, das ist toll, das gefällt mir außerordentlich gut. Aber das geht alles nicht ohne Strom! Und deswegen schleppe ich seit Jahren (zumeist) einen Papierkalender mit mir herum (ja, von einer bestimmten Marke, die auch immer teurer wird; einen vernünftigen Ersatz mit ähnlicher Haptik und ähnlicher Gestaltung ist nicht zu finden). Manchmal schaffe ich es sogar, meine Termine da zu notieren, allerdings viel zu selten. Weil ich mir den Kalender nicht auf meinen Arbeitsplatz lege, sondern ihn abends oder wann immer ich auch heimkomme regelmäßig in der Tasche oder dem Rucksack stecken­lasse. Und dann zu faul bin, ihn später herauszukramen. Die Termine stehen ja in den Rechnern und im Telefon, das reicht ja.

Zumindest, solange es Strom gibt. Ich weiß noch, wie es sich in einer Wohnung ohne Strom lebt. Und von daher weiß ich auch noch, wie wichtig Notizen, Termine, Telefon­nummern auf Papier sind. Ich bin nun am Herumdenken, wie ich mich dazu überreden kann, das ab dem 1. Oktober 2017 wieder zur Normalität machen kann, daß solche Dinge eben zuerst auf Papier notiert werden und ich sie erst danach im Kalenderprogramm eintrage. Muß ich – und darüber denke ich ernsthaft nach – jeden Abend meine Kalen­der­seite fotografieren und hier im Blog veröffentlichen? — Zunächst habe ich mir ab morgen täglich 20 Minuten im elektronischen und im Papierkalender reserviert für den Daten­abgleich zwischen Elektronik und Papier. Je eine der Citypostkarten liegt mit der fetten Aufschrift Kalender? an meinen relevanten Arbeitsplätzen. Ich hoffe, daß das ausreichend “Motivation” ist, um eine Routine zu entwickeln.

Natürlich, manche und mancher wird bestreiten, mindestens aber bezweifeln, daß der Strom so bald und dann auch noch so lange ausfallen wird. Mag sein. Und doch fühle ich mich wesentlich sicherer, wenn ich wieder immer und überall und unabhängig von Strom und Telefonnetz über meine wichtigsten Daten verfügen kann. Erinnert ihr euch noch daran, wie viele Telefonnummern wir früher auswendig kannten und wieviele Geburts­tage? Wo ist das Wissen, wo die Merkfähigkeit geblieben? Ist es vielleicht doch die mangelnde Übung, die diese Fähigkeiten verkümmern ließ? Ist es überhaupt wichtig, daß ich mir Telefonnummern und Geburtstage in meinem Gedächtnis abrufbar bewahren kann?

Ja, mir ist es wichtig, ich halte es für eine Notwendigkeit und eine gute Übung. Zuerst wird wieder alles aufs Papier wandern. Und irgendwann, irgendwann merke ich mir solche Dinge auch wieder, beinahe automatisch. Denn was Menschen sich mit der Hand notieren, sollen sie sich ja der herrschenden Meinung nach leichter und besser merken können.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 20.09.2017 waren überstandene “Kataströphchen”, 16 GB fertige und reintegrierte Musik, eine gute Nachricht zu einem Plan.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Königin der Stäbe.

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Über Der Emil

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0 Kommentare zu Papier und Gedächtnis (2017: 263)

  1. Arabella sagt:

    Vom Kopf in die Hand und zurück.

  2. finbarsgift sagt:

    Ohne Strom sind wir geliefert!

  3. Da hast du recht mit den Telefonnummern. Ist ja alles so praktisch und man verblödet automatisch. Obwohl ich ein schönes Adressbüchlein habe mit allen Nummern. Aber wer tippt zum Telefonieren noch die einzelnen Nr. ein? Irgendwann wollen sie auch alles in den Schulen nur noch mit dem PC machen. Dann verblöden unsere Kinder noch mehr. Weil: Wie du schon geschrieben hast, was man mit der Hand schreibt bleibt besser hängen. Zum Glück sind meine Jungs dann schon groß.


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