Bezweifeltes Eigenes (2017: 232)

“Kalender-” und andere Sprüche

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Vielleicht wiederhole ich mich hiermit, aber:

Mir fallen ja manchmal Sätze ein, die in Sprüchekalender passen könnten oder aber in einen sogenannten Ratgeber voller Allgemeinplätze. Vielleicht geht es ja jemandem von euch genauso? Oft nehme ich dann an, daß ich den Satz, den Aphorismus irgendwo einmal gelesen (oder gehört) haben muß. Und dann? Dann beginne ich, das Internet, eigentlich nur des World Wide Web (das nur ein Teil des Internets ist), mit verschiedenen Werkzeugen zu durchsuchen. Mit Duckduckgo, mit Metager, mit Metager2, am Ende gar mit Bing und sogar mit der von mir sonst gemiedenen Suchmaschine. Manchmal werde ich fündig und stelle fest, daß irgendeine große Persönlichkeit für meinen Satz als Schöpfer zuständig war.

Viel häufiger finde ich keinen Satz von ausreichender Ähnlichkeit. Und doch habe ich das Gefühl, daß da eben nicht mein Satz steht, sondern daß ich Worte wiedergebe, die jemand anderes vor langer Zeit schon formulierte. Dann ist da die Schere der Selbstzensur in meinem Kopf: Ehe ich auch nur das kleinste Risiko eines Plagiates oder einer Urheberrechtsverletzung eingehe, behalte ich den Satz für mich. Ganz schön bescheuert, dieses Verhalten, nicht wahr?

Zwei Beispiele für solche Sätze:

 

 

» Alles Schöne ist da, uns zu reizen; den Genuß selbst erhöht es dennoch nicht. «
 
» Es gibt Zeiten, da interessiert mich nicht, ob etwas etwas bedeutet oder nichts, ob etwas wahr ist oder nicht; da ist nur wichtig, daß etwas ist. «

 

 

Ich finde im WWW keine mögliche Quelle für beide Beispiele. Und doch könnten es gelesene Sätze sein, schließlich sind nicht alle Bücher dieser Welt dort indiziert und/oder verfügbar. Ja, es plagen mich jetzt Gewissensbisse, sie nagen leise, aber stetig, und hähren die Zweifel. Aber vielleicht ist alles ganz anders. Und ich zweifle in diesem Fall zu Unrecht an mir selbst, weil mir beide Saätze zu gewöhnlich, zu allgemein, nur allzumenschlich scheinen. Wer weiß das schon. Und am Ende fehlt es mir nur an einem Quentchen Selbstbewußtsein, Selbstsicherheit, um der Welt und mir zu versichern, daß das meine Sätze sind.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 20.08.2017 waren angenehme Temperaturen, die Fahrten durch die Stadt, der wiederaufgetauchte Ring.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Zwei der Stäbe.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Bezweifeltes Eigenes (2017: 232)

  1. karfunkelfee sagt:

    Deine Wahrheit. Ich archiviere die Sätze mal als über Zweifel erhabene Emilsätze. Das Schöne, geb ich Dir Recht, vermag seinen Reiz nur durch seine Erhöhung in unserer Betrachtung noch zu steigern.

    Das ist von Shakespeare ein bisschen abgekuckt. Und er ist natürlich nicht zu toppen. Aber ich lern eben gerne von ihm. So what…?
    Liebe Grüße zu Dir✨

  2. Sofasophia sagt:

    Eine weitere Möglichkeit: Gleichzeitig von verschiedenen Menschen gedachte Sätze. Erlebe ich oft bei Twitter.
    Ich wünsch dir mehr Mut, Gedanken als deine zu nehmen, wenn sie doch in dir wohnen.


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  3. Vielleicht könntest du uns daran teilhaben lassen. Du könntest ja unter jeden Beitrag einen Spruch schreiben. Vielleicht verschwinden dann deine Selbstzweifel. Und vielleicht kennt jemand den ein oder anderen, oder es sind wirklich nur Emil-Sprüche.

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