Im fahrenden Bus geschrieben.
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Ausschnitt aus der Unterwegskladde. Krakeliges Sütterlin.
Mittwoch, der 7. Juni 2017
Kaum bin ich aus dem Haus auf die Straße getreten, empfängt mich ein zorniger Wind. Einer, der aus keiner Richtung kommt und von überallher zugleich. (Nachsatz, später dazugeschrieben:) Wenn nur die Liebe wäre wie dieser Wind!
Im fahrenden Bus geschrieben, wirklich. Die nachfolgenden Zeilen aus der Straßenbahn haben ein wesentlich konstanteres Schriftbild. Aber der Text beschreibt das, was mir heute vormittag geschah. Wieso ich kurz vorm Aussteigen dann den Nachsatz noch dazuschrieb, weiß ich schon nichtmehr.
Wenn die Liebe zornig wäre, wäre sie dann noch Liebe? Oder gehört auch das zu ihr, und Liebe ist mehr, viel mehr als das verklärt-romantisierende Bild, das heute von ihr gezeichnet wird? Liebe nämlich, glaube ich, ist nicht einfach nur, sie muß erarbeitet, gepflegt, immer wieder aufgefrischt werden. Da gehört auch dazu, daß sie manchmal zornig ist, denn sie muß es ja nicht zur geliebten Person sein, sondern wäre es im Fall des Falles vielleicht auf einige Ereignisse/Umstände, die so eintreffen.
Jedenfalls bin ich nicht der erste, dem die zornige Liebe in den Sinn kommt: Peter Rosegger schrieb von ihr in “Jakob der Letzte”, in der Bibel ist von ihr bzw. vom heiligen Zorn Gottes zu lesen. Der Fundstellen gibt es beinahe unzählbar viele … Zornige Liebe ist vielleicht die, die laut ihr “Jetzt erst recht!” ruft oder leise und zaghaft ein “Trotzdem.” zwischen den Tränen hindurchflüstert. Sie ist eine, die den widrigen Äußerlichkeiten, dem Neid und der Mißgunst zu widerstehen versucht. Sie ist manchmal schon auf dem Weg in die Einseitigkeit … Insbesondere Elternliebe, also die zu den Kindern/Nachkommen, erlebte ich als zornig, weil sie manchmal so schwer aufrechtzuerhalten war und ist (ich selbst schaffte es nicht, mußte aufgeben und mich zurückziehen); auch die zu den eigenen Eltern kann so sein.
Oder ging es mir vielleicht nur darum, daß auch sie Liebe aus keiner Richtung und von überallher zugleich kommt? Wenn ich es nur noch wüßte …
Zornige Liebe … Ist sie für Dich ein Widerspruch, etwas, das nicht sein kann, weil dann, wenn das Gefühl zornig ist, es keine Liebe mehr ist?
Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.
P.S.: Das Gute am 07.06.2017 waren vier digitalisierte Musikkassetten, Nachdenken über Gefühle, ein erhaltenes Lob.
Die Tageskarte für morgen ist die Zwei der Schwerter.
© 2017 – Der Emil. Text & Bild unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Zornige Liebe – das ist ein wirklich interessantes Paar. Denkstoff.
Und dabei ist sie (laut Suchmaschinen) gar nicht so selten …
… gute Nacht
Euch auch.
Ach ja: Kennst Du sie, die zornige Liebe?
Aber sicher doch – aber auf wenn richtet sich der Zorn? Das wird auch wieder beide Seiten betreffen.
Auf wen oder was … Oft auf „Umstände“, denke ich.
Oh ja, die gibt es unbedingt, die zornige Liebe ….
Solche Gedanken wälzt man wahrscheinlich solange, bis man etwas über die alten Wurzeln seiner persönlichen Aufreger gelernt hat, und hat man einen Menschen gefunden, der genauso weiss, dass nicht jede Unstimmigkeit ein Versagen der Liebe ist, und der nicht manipulativ auf den Triggern spielt, um Macht auszuüben, statt an emotionalen Aufregern zusammenzuarbeiten. Zorn darf man schon empfinden in der Liebe, aber, egal ob zwischen Partnern oder im Eltern-Kind-Verhältnis, aus Enttäuschung, Ratlosigkeit, sogar Reizbarkeit, aber niemals in Verbindung mit Machtausübung. Dann erst versagt die Liebe.
Vielleicht ist es die starke, auf etwas gerichtete Energie, etwas verändern zu wollen, die den Zorn begleitet und ihn in die Nähe anderer starken Emotionen rückt, sie ähnlich macht und damit nah zueinander rückt.
Aber gerade dieses Ändern-Wollen ist es, was für mich den Unterschied zur Liebe ausmacht.
Danke für deine Frage!
Die Hummel
Ja, ich kenne den Zorn in der Liebe, dieser Zorn hat aber immer etwas mit mir und meinen Erwartungen und Grenzen zu tun, die Liebe ficht er nicht an, nur wenn Zorn mächtiger wird, dann kann er die Liebe zerbrechen-
Liebe ist allerdings mehr, als nur die Liebe zwischen zwei Menschen…
herzlichst
Ulli
Danke. Ja, viel mehr als nur das zischen zwei Menschen …
Der Wunsch nach einem Gesinnungskonsensus führt vielleicht zum Zorn; wenn daraus Ergriffenheit wird, die ungestillt bleibt.
Und manchmal, ist lieben nicht mehr, als etwas gern mögen.
Denkfutter. Danke.
…die zornige Liebe!? stimmt mich eher traurig, weil Liebe entfaltet doch das Leben, erst wenn ich geliebt werden, weiß ich um mich, verstehe ich mich und so würde ich dann hoffen auch den Zorn durch die Liebe zu verstehen, „als missglückte Bitte an den anderen“, wie meine Liebe so oft betont…. lg. joerg
Hm.
Wenn es …
Auch hier schweres Denkfutter: Entsteht die zornige Liebe aus einer „mißglückten Bitte an die andere“? Oder schreiben wir alle von ganz unterschiedlichen Lieben …
An den Anderen, dachte ich, da ich jedem Gegenüber, den ich im Zorn begegne, ich doch ganz eigentlich etwas bitten.. Vielleicht
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