Bevorstehend (2017: 047)

Eine kurze Nacht. Eine lange Suche.

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Ich hoffe, ich kann jetzt bald einschlafen. Sonst wird es nicht eine kurze, sondern eine zu kurze Nacht. Denn gegen vier Uhr wird mein Wecker mich vom Schlafsofa zwingen, ins Bad und in die Küche. Eine ganze Kanne Kaffee werde ich brauchen zum wachwerden und jede Minute, die mir bis 5.40 Uhr zur Verfügung steht. Um diese für mich völlig ungewöhnliche Zeit muß ich morgen früh nämlich den Weg die 154 Stufen hinab und zum Bus gehen. Wenn die Personalsituation bei “meinem” Radio so knapp ist wie gerade jetzt, dann mache ich dort eben eine Frühschicht.

 

Auf etwas ganz anderes bin ich im Rahmen privater Recherchen gestoßen. Ganz nebenbei wollte ich etwas mehr wissen über das 11. Plenum des ZK der SED (16. bis 18. Dezember 1965), das Kultur-Kahlschlag-Plenum. Und ich kann mich gut daran erinnern, daß zu allen Parteitagen und Plena sehr viel Literatur gedruckt wurde; die Berichte, die Beschlüsse, ein großer Teil der Diskussionen wurden in Broschüren und Büchern veröffentlich. Aus den normalen Bibliotheken, sogar aus der hiesigen Universitäts- und Landesbibliothek scheinen alle diese Bestände restlos vrschwunden zu sein. (Ja, ich möchte heute das tun, was mir seinerzeit auch als Genosse verhaßt war: Studium der Dokumente von Vereinigungsparteitag bis zum Anschluß Beitritt.)

Wahrscheinlich werden die entsprechenden Parteien verfilmte Kopien davon haben. Aber ich habe mir jetzt in den Kopf gesetzt, alle diese Dokumente von CDU, DBD, LDPD, NDPD und SED zu lesen. Um mich zu erinnern an das, was ich erlebte, an das, was mich damals immer in irgendeiner Weise betraf. Noch überlege ich, ob ich das noch ausweite auf FDGB, DFD, FDJ, DSF, GST – wen und was habe ich vergessen? Ah, den VKSK und die SDG! Und wo werde ich Texte finden von den Organisationen, die nicht so eindeutig wie CDU, LDPD und SED Nachfolgeorganisationen haben? Ich bin neugierig geworden auf die Vergangenheit … Es können doch nicht alle oder viele oder die meisten offiziellen Texte eines ganzen Staates und der in ihm und mit ihm existierenden Organisationen entsorgt worden sein? Oder arbeitet das MiniWahr doch so zuverlässig?

Sonderbar, daß Primärquellen kaum, selektive und (ab-)wertende Sekundär- und Tertiärquellen aber zuhauf findbar sind … (Ich weiß, in der DDR war das auch so, da wurde sogar an den Klassikern “herumkorrigiert”. Aber in einem so freien Land wie in dem, in dem ich jetzt wohne?) Mir steht eine aufreibende, langwierige und vielleicht nicht zu erfolgreiche Suche bevor.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 16.02.2017 waren die fertigen Aufnahmen für eine Sendung, ein Gespräch mit jemandem vom inklusives Radio “rAus:Leben”, ein erledigter Einkauf.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Vier der Stäbe.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Bevorstehend (2017: 047)

  1. Da denke ich auch nicht, dass du da allzuviel finden wirst …
    Viel Glück! 🙂

  2. Heike sagt:

    Als mögliche Quelle fällt mir spontan die Deutsche Bücherei in Leipzig ein. Soweit ich weiß, werden dort Exemplare aller deutschsprachigen Druckerzeugnisse archiviert. Vielleicht findest du da die Informationen, die du suchst. Viel Erfolg und liebe Grüße. 🙂

    • Der Emil sagt:

      Guten Morgen,

      auch dort habe ich schon die online verfügbaren Kataloge angesehen, aber wahrscheinlich nicht gründlich genug. Danke, ich such dort nochmal.

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