Der Nußbaum

Was gegen die Unbesonderheit getan wird/werden muß/kann

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Aus einem Buch, das für mich gefunden wurde (jaja, soweit ist es jetzt schon, daß Menschen Bücher für mich finden):

 

 

Ich habe mir an dem seltsamen Tag, von dem ich die erzählen will, gegen meine Gewohnheit ein paar Aufzeichnungen gemacht und in den wenigen Wochen, die seitdem vergangen sind, das Blatt gehüte wie einen Schatz. Mir war, als ob es nur der sparsamen Worte auf ihm bedürfe, um den Tag selber lebendig werden zu lassen. Da ich sie jetzt aber vor Augen habe, sind es nur Worte, mit denen von der Schönheit und Schwermut jedes Frühlingstages zu sprechen wäre. Das Besondere jenes Tages ist nicht in ihnen.

Johannes Kirschweng: Gesammelte Werke. Zweiter Band. Erzählungen 2. S. 94
© Verlag “Die Mitte” GmbH Saarbrücken 1976; ISBN 3/921236/19/3

 

 

“Das Besondere … ist nicht in ihnen.”

Wie oft ist mir dieser Gedanke, der zum ersten Absatz der Erzählung “Der Nußbaum” gehört, schon gekommen, wenn ich mir meine Notizen angesehen habe: Wo ist er hin, der Zauber, der mich dazu brachte, genau diese Sätze zu formulieren, diese Stichpunkte zu notieren? Immer wieder erlebe ich für mich die Flüchtigkeit der Augenblicke. Und dann schreibe und veröffentliche ich die Geschichte trotzdem; denn wenn ich ein wenig mehr als das tatsächliche Geschehen hineinarbeite, ein wenig von meiner Sehnsucht vielleicht, von meiner Hoffnung, von meinem Glück, dann allerdings wird es wieder ein besonderes Erlebnis. Weil ich es eben nicht so erinnere, sondern nüchterner, emotionsloser, und es deshalb erst durch die “Anreicherung” mit dem, was mein Künstler-Ich dazutut, erzählenswert wird.

Wenn ich eine Geschichte komplett erfinde, dann ist sie auch nicht pure Fiktion, Utopie oder Destopie. Nein, solchen Geschichten muß ich ein wenig Wirklichkeit, Erlebtes und Erlebbares beimischen, damit sie rund, lesbar, genießbar werden. Sonst schriebe ich ja nur noch Dinge wie das Sprachlaufspiel.

Pure Realität ist heutzutage (seit wann dauert dieses “heutzutage” schon an?) kaum noch gefragt. Da muß schon augmented reality oder scripted reality sein – und zwar unbedingt mit diesen denglischen Bezeichnungen, insbesondere im TV (sprich Tieh-wieh!). Vielleicht ist die blanke Wirklichkeit auch einfach zu roh, zu brutal, zu langweilig, zu grausam …

Ganz ähnlich scheint es auch mit meiner Biographie, mit meinem Leben zu sein …

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 7. September 2014 waren der Morgen in meiner eigenen Routine, das Bad am Abend.
 
Tageskarte 2014-09-08: Die Sieben der Kelche.

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Über Der Emil

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