Alltagsszenerie

Eine Frage der Erziehung

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“Komm‘ her” sage ich zu dem einen – und der läuft weg. “Hol‘ Deine Sachen” sage ich zu dem anderen, und als Antwort höre ich: “Du hast mir garnichts zu sagen.” Alltag mit zwei Kindern, die ebensowenig einfach sind wie ich. Frustrierend, wenn es wochenlang so geht. Gespräche helfen da nämlich auch nicht, weil weder Zwei- noch Vierjährige vernünftigen Argumenten zugänglich sind. Und es nützt auch nichts, gewünschtes Verhalten vorzuschlagen oder einzufordern, solange ich all dem keinen Nachdruck verleihen kann.

Schnell stoße ich in solchen Situationen an meine Grenzen, bin überfordert und gereizt. Weglaufen würde ich gern, aber das geht ja nicht. Ab und zu gelingt es mir, auf fehlerhaftes, also bewußt freches Verhalten des Vierjährigen direkt zu reagieren, so daß das Fehlverhalten Folgen hat. Aber das durchzusetzen führt schon zu den nächsten Widerworten, bewußten verbalen Grenzüberschreitungen durch das Kind. Am Ende habe ich nichts erreicht.

Es macht mich müde, dieses … Ist das “Kämpfen”? Machtspiel? Dürfen Kinder heutzutage keinen Respekt mehr vor Erwachsenen haben? Antiautoritäre Erziehung, dachte ich, war um 1970 herum opportun? Und heute? Wie ist das heute? Ich habe bei solchen Grenzübertretungen (wenn ich mich überhaupt traute) eine gefangen, und so lernte ich sehr schnell, daß manches eben nicht gemacht werden darf.

Früher war zwar nicht alles besser, aber manches war doch viel unkomplizierter.

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 24. April 2014 waren der Schlaf am Vormittag und der Haufen sortiertes Papier.
 
Tageskarte 2014-04-25: Der Ritter der Stäbe.

© 2014 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Alltagsszenerie

  1. Inch sagt:

    Hm, habe nicht ganz verstanden, ob es sich um fremde Kinder handelt, denen Du zufällig begegnet bist, oder welche, zu denen Du eine engere Beziehung hast. Deswegen weiß ich nicht, ob die antiautoritär erzogen sind. Vielleicht bist Du „Der Neue“ und da ist es ganz normal, dass Kinder in dem Alter die Grenzen austesten. Das können sie nur, indem sie die bewusst überschreiten. Machen die ja mit Großeltern auch so. Diskutieren mit 2-4 jährigen? Habe ich nie verstanden. Ich denke, bei der ganzen Diskutiererei werden die Kinder überfordert. Da wird ihnen eine Verständnis unterstellt, wie es nur Erwachsene haben können. Sind aber Kinder. Kinder brauchen Sicherheit. Und Grenzen bieten genau diese Sicherheit. Also (vernünftige)Grenzen setzen. Nein sagen. Auch wenn sie zetern. Man muss nicht alles erklären. Ruhig die Kleinen auch mal ihre Wut über die gesetzten Grenzen austoben und ausschreien lassen. Das gehört schließlich auch zum Leben lernen. Mit solchen Situationen umgehen zu lernen. Dem Verständnis anderer zu Vertrauen, statt alles immer und überall zu hinterfragen.

    • Der Emil sagt:

      Ich bleib mal unkonkret und nur beim Prinzipiellen:

      Grenzen setzen schön und gut. Aber ständiges Widerwort halte ich nicht aus. Nach dem dritten Mal könnte ich platzen – und ich mag auch nicht weggehen und mir diesen Satz von oben hinterhersagen lassen … Wie ich mit solchen Situationen umgehen kann / soll / sollte, das ist ein echtes Problem für mich.

      In meiner Kindheit wurde mir gesagt: „Jetzt ist Schluß.“ Hab ich dann noch widersprochen, gab es einen Klaps – und schon wußte ich ganz sicher, daß ich den Bogen überspannt hatte. Da war eine Grenze und ihre Überschreitung wurde deutlich kenntlich gemacht und spürbar geahndet.

      Und heute?

      (Nein, diese Kinder werden nicht antiautoritär erzogen. Zufall war die Begegnung auch nicht.)

      • Sofasophia sagt:

        wie wäre ein sehr offenes gespräch mit der mutter?
        und ja: unbedingt grenzen setzen! verbal. aushalten kann man lernen. (ich war mal in der gleichen situation: DU kannst mir nichts befehlen! ich: doch! ich! kann! – natürlich nach gesprächen mit dem vater.)

  2. Xeniana sagt:

    Wir sind im Osten anders erzogen worden, ob es besser war bleibt dahin gestellt, einfacher war es bestimmt für die Erwachsenen. In meiner ersten AupairStelle in Heidelberg war ich dann auch komplett überfordert mit den (verzogenen ) Gören.
    Ich bin nun über 20 Jahr im pädagogischen tätig und kann sagen das ich dem Umgang auf Augenhöhe ganz klar etwas abgewinnen kann. Da steht der Beziehungsaufbau an erster Stelle, das ernst nehmen , die Partizipation. Natürlich braucht es auch Grenzen, klar.
    LG Xeniana

    • Der Emil sagt:

      Und? Was kann ich in solchen Situationen tun, wenn ‚ich nichts zusagen habe‘, aber in diesem Moment Gehorsam notwendig ist? Oder wenn kein weiteres Wort erwünscht ist?

      • Xeniana sagt:

        “ Komm her“ liest sich vermutlich strenger, als es klang. Meistens funktioniert es ganz gut mit der Stimme ruhig und bestimmt zu vermitteln , dass jetzt Schluss ist.
        Gelingt mir auch nicht immer. Irgendwo hab ich mal gelesen -ein aufgeregter Pädagoge ist nie ein guter Pädagoge und Gereiztsein ist ja eine emotionale Aufregung. In solchen Momenten , wenn ich merk, jetzt komm ich da irgendwie nicht weiter, geb ichdann auch mal an einen Kollegen ab, so halten wir es alle. Bis 10 zählen, tief durchatmen und sich vertrauen das man das hinkriegt. Das Alter ist eben auch nicht ohne;)
        Ich habs jetzt mit ersten Anflügen der Pubertät zu tun und das stellt mich auch ziemlichauf die Probe. Naja Ratschlägesind auch Schläge, von daher höre ich hier lieber auf:) LG Xeniana

      • Gudrun sagt:

        Ach, sag ruhig was. Die Kinder hören schon genau hin, auch wenn sie so tun, als ob du nicht da bist.
        Meine Freundin hat der Tochter ihres späteren Lebenskameraden die Zunge rausgesteckt. Eigentlich war das nur die Reaktion darauf, dass ihr immer eine gezeigt wurde. Damit war noch nichts gewonnen, aber des Lachen hat allen erstmal gut getan.

  3. oh mann schön dass die frage auch anderen im kopfe und im leben schwebt und ich kann für mich nur sagen es kommt immer auf einen selbst mit all seinen Eigenschaften und auf die kinder mit all ihren Fähigkeiten und Eigenschaften drauf an und man kann sicher nichts verallgemeinern wenn wohl ich dir recht geb denn auch bei mir in den 1980er war der Respekt über allem und eben auch das klappe halten wenn es nicht angesagt war! antiautoritär ist so ein ding denn spätestens in der schule oder dann in der arbeit gibt es auch kein antiautoritär

  4. Gudrun sagt:

    Das ist schon eine gar mächtige Zerreißprobe. Ich kann dich verstehen. Leider gibt es keine Patentlösung, wie dem begegnet werden kann. Auf alle Fälle musst du ihnen Zeit lassen, Geduld haben. Das sagt sich einfach, ich weiß. Jemand Neues in einer eingeschworenen Gemeinschaft sorgt erstmal für Wirbel. Und den müssen die Kinder verkraften, und auch die plötzlich anderen Abläufe, anderes Denken, Erwartungen. Sie müssen ihre Bezugsperson plötzlich teilen, gewohnte Rituale verlaufen auf ein Mal ganz anders.
    Ich weiß, manchmal können Worte sehr verletzend sein, aber lass den Kindern Zeit, dich zu beobachten, dich kennen zu lernen. Kinderseelen sind um ein Vielfaches verletzbarer als deine es je sein kann.
    Gruß von gleich nebenan.

  5. pantoufle sagt:

    Wie bei Hunden: Immer ein Stück Schockolade e.c.t. in der Tasche haben. »Was? Du willst nicht? Dann fresse ich das eben alleine!« Ein lustiges Buch – total komisch und er/sie darf nicht mit reingucken… lass Deine Phantasie spielen 🙂
    Ignorieren, irgend etwas Tolles alleine machen. Erfahrungsgemäß können Kinder es auf den Tod nicht ab, wenn man sie ignoriert.
    Mit besten Grüßen der schwarzen Pädagogik
    das Pantoufle

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