Dieses Wesen erhält Winterasyl bei mir zuhause
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Nach der schaurigen Begegnung hatte ich mir (wieder) angewöhnt, aufmerksamer durch die Stadt zu gehen. Meine Augen sind, weil ich nicht so schnell nocheinen solchen Schreck erleben mag, wacher; mein Blick streift offener für das Nicht-Offensichtliche umher.
Was ist an diesem Fenster zun Beispiel ungewöhnlich?
Genau hinsehen, bitte. Nichts Ungewöhnliches? Die Verspiegelung? Der Schmutz? Etwas am Auto? Nocheinmal. Genau hinsehen. Da links auf dem Simsblech. Das Helle. Ja! Aber selbst nachdem ich meine Fernbrille aufgesetzt hatte, konnte ich nicht erkennen, was da liegt. Das war es, was im Augenwinkel zu erahnen war, was mein Interesse erregte.
Vorsichtig ging ich näher ans Fenster heran. Bereit, jederzeit mehr Fotos zu machen und blitzartig den Rückzug anzutreten, die Flucht zu ergreifen. Zwei Meter, ein Meter. Was da saß oder lag, erkannte ich noch nicht. Und es bewegte sich nicht.
Es war jedenfalls kein zerknülltes Taschentuch und kein anderer Fetzen Papier. Ich wurde mutig und ging direkt an die Fensterbank. Darauf saß – nein, lag:
Der letzte Schmetterling. Der, der die Wanderung in wärmere Gebiete nicht geschafft hat, der zurückgelassen, verloren wurde. Seine Perlenfühler lagen matt auf dem Blech, das Tier war sicher vor Kälte so ganz unbeweglich.
Oh, wie rührte dieses arme Tier mein Herz. Vorsichtig nahm ich ihn auf die Hand, hauchte ihm Wärme zu – es half nichts. Reglos blieb er liegen in seiner filigranen Häkelschmetterlingsschönheit. Da warf ich meine letzten Streichhölzer weg, setzte das Kleinod in die Streichholzschachtel, steckte die in meine Hosentasche und ging heim.
Die kalte Zeit über gewähe ich dem letzten Schmetterling bei mir Unterschlupf.
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 28. September 2013 waren ein Spaziergang im Wald und die schnelle Erkenntnis, daß etwas nicht paßt.
P.P.S.: Falls die Verlierer ihren Schmetterling wiedererkennen und wiederhaben möchten: Meldet euch bei mir!
© 2013 – Der Emil. Text & Bilder stehten unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).
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Was für eine schöne Idee..da macht jemand so nette Schmetterlinge und legt sie irgendwo ab und aufmerksame Menschen können sie finden…
LG, Petra
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Wie schön – er hat zwar seinen Wintermantel an, aber das wird nicht genügen. Gut, dass er bei dir Asyl findet. Ich warte gespannt auf eine Fortsetzung. 🙂
dieses Flügelwesen hätte ich auch prompt adoptiert
Pingback: Kleine Blogumschau zum Wochenstart | alltagstauglichkeitstest
Hi Emil. Danke! Dein Artikel war bei mir der Auslöser für je neue Blogkategorie. Beinahe hätte mein Rechtschreibungs Tool Auslöser zu Ausländer umgeschrieben 🙂 Schönen Wochenstart mit dem Strickschmetterling!