Die Beschäftigung mit meiner Vergangenheit, meiner Gegenwart und dem ganze Rest hat Folgen
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Wie ich gestern schrieb, las ich mich durch alte Blogtexte und -kommentare und blieb mit einem sehr sonderbaren Gefühl zurück. Das hat mich den ganzen Tag noch beschäftigt. Wie viele der guten Vorsätze, der Vorhaben usw. usf. habe ich denn umgesetzt? Was von dem angestrebten habe ich denn erreicht? Wie oft habe ich etwas angefangen, und es dann doch nicht fortgesetzt oder zuendegebracht? Wie oft habe ich mir selbst etwas versprochen und es schließlich doch nicht gehalten?
Gut, früher, früher wäre ich ins Loch gefallen und hätte meiner Depression Freilauf gewährt: Hätte ich mich doch des mehrfachen, fortgesetzten und andauernden Versagens bezichtigt. Heute weiß ich, daß sich manches eben nicht erzwingen, nicht erreichen läßt. Und ich kann damit leben!
Als ich nach dem “Gedicht für die Woche” für den “Buchfink” suchte, fiel mir ein Lied von Wolf Biermann ein. Passend zu dem, was ich mich fragte nach dem Lesen. Die letzte Strophe dieses Liedes fasziniert mich nämlich wirklich. Denn ich gehe weiter meinen Weg, egal wie schwer oder leicht der ist. Kann es nicht wirklich so sein, daß ich, wenn ich alles erreicht habe, nichts anderes als einen Neuanfang erreicht habe?
Mag sein, daß ich irre
Wolf Biermann
Mag sein, daß ich irre und dich nur verwirre
Mag sein, daß ich hoffe und bin längst verlorn
– ich leb ja den Traum der Commune noch immer
Dazu hat mich ja meine Mutter geborn.
Wir haben uns selber am schlimmsten von allen
Verraten, verkauft und blutig genarrt
– und doch sind nicht all meine Träume, die roten
Mit all unsern Toten verreckt und verscharrt.
Und ob es mir schwer wird – und ob es mir leicht ist
Ich geh unsern Weg, geh mit Sehnsucht und Zorn
– mag sein, daß ich einmal, wenn alles erreicht ist
Erreicht habe nichts, als ein‘ Anfang von vorn.
Wolf Biermann: Alle Lieder. S.307
2. Aufl., Ungekürzte Lizenzausgabe f. d. Bertelsmann Club GmbH Gütersloh
© 1991 by Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln
(Daß ich von kommunitärem Leben träume, habe ich auch schonmal geschrieben; daß ich einige meiner Träume schon als unerreichbar abgetan habe, auch; daß meine Träume seit langem – schon weit vor und auch während der Wende, und noch immer – kommunitäre/kommunistische/rote Träume sind, weiß ich und gebe ich offen zu.)
Jaja, der Biermann. Versaute mir meine Abiturnote in Deutsch (Aufsatz, freies Thema, und ich schrieb auch über Biermann – ohne den Namen explizit zu erwähnen – und die Zerrissenheit des Künstlers und Staatsbürgers und Menschen anhand Christa Wolfs “Kein Ort. Nirgends.”) und fing mich viel später ganz, ganz heftig ein. So heftig, daß ich einen Brief an ihn schrieb. Läßt mich scheinbar auch nicht mehr los.
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 28. Juni 2013 war der Buchfink.
© 2013 – Der Emil. Eigener Text steht unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).
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Ich träume seit langer Zeit rot – ohne DDR-BRD- oder andere Vergangenheiten. Richtige Träume zur falschen Zeit!
Richtig so, nicht verzweifeln, weil ein Ziel nicht erreicht wird. Es ist eben nicht alles zu schaffen, was wir und vornehmen, anstreben.