Wortstolperndes Erinnern
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Das gibts doch nicht. Nein, das ist einfach nicht möglich. Wie denn auch? Da war doch nicht … da ist doch kaum …
Ja, und trotzdem ist das Jahr beinahe zur Hälfte rum. Es gab ein bißchen Winter, es gab viel Naß. Das erste Halbjahr bleibt wohl als feuchte Zeit in meiner Erinnerung. Klar, war ja auch Hochwasser und echt viel Regen.
Ich habe das Gefühl, daß die Zeit, je älter ich werde, immer schneller verstreicht.
Verstreichen — welch ein angenehmes Wort: Es hat etwas besänftigendes, weil es mich auch an das “Streicheln” erinnert, an ein sanftes, behutsames Berühren. Noch ein Wort: behutsam. Das wird doch auch kaum noch benutzt.
“Behutsam” ist für mich mit besonderer Achtsamkeit und Vorsicht verbunden, “Verstreichen” mit einer allfälligen Beiäufigkeit, mit Geschehenlassen, ist für mich beinahe ein buddhistisches Wort (ich weiß, soetwas gibt es nicht, aber trotzdem).
Das erste Halbjahr ist also verstrichen, ich habe sein Vergehen entweder mit Gelassenheit hingenommen oder ich war durch alles andere viel zu abgelenkt und habe deshalb nur wenig davon bemerkt. Oder hat mein Gedächtnis einfach nur vieles dem gnädigen Vergessen anheimfallen lassen?
Ist Vergessen überhaupt gnädig, kann es überhaupt gnädig sein?
Was für ein Glück für mich, daß ich meinen Blog oder besser meine Blogs habe, in denen ich nachlesen kann, was mich beschäftigte, berührte, was mir geschah, was ich tat. Und siehe: Da war mehr, viel mehr als nur Feuchtigkeit. Und ich erinnere mich sogar daran, wenn ich davon lese; dann füllen sich die Szenen mit Bildern und Worten und Gerüchen …
Das erste Halbjahr 2013 ist das, welches ich zum ersten Mal bewußt mit Hilfe meines Blogs nachvollzog. Und weil ich grad dabeibin, hab ich mir auch nochmal 2010 und Januar bis März 2011 durchgelesen, mit allen Kommentaren.
Vom Lesen bleibt: Ein sonderbares Gefühl der Fremdheit mit mir selbst und eine seltsame Vertrautheit mit all den Worten.
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 27. Juni 2013 war eine große Schüssel Salat.
P.P.S.: Ab 20 Uhr bin ich heute wieder live im Radio Corax zu hören, bei » Buchfink – Literatur zum Hören «. (Diese „Streamadresse öffnet sich im voreingestellten Programm zur Wiedergabe von Musik.) Wiederholung am Montag ab 11.00 Uhr, andere Möglichkeiten zum Hören können bei mir erfragt werden.
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(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).
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Ich habe immer ein wenig Angst alte Sachen von mir zu lesen. Weiss nicht, ob ich mehr Angst vor möglichen Fehlern, die ich fast immer entdecke oder den Inhalten habe. Ich wünsche Dir einen schönen Tag Leonie
Ich habe ähnliche Gedanken, lieber Emil. Auch ich suche das vergangene Halbjahr und es lässt sich für mich mit zwei Dingen umschreiben: Mann lange krank und Arbeit ohne Ende – mehr nicht. Die äußeren Bedingungen Wetter runden das ganze auf traurige Weise ab.
Aber der Juli startet bald: Mann wieder gesund und Sommerferien. Wenn nun auch der Sommer käme, steigt das Jahr gewaltig in meiner Achtung 🙂 .
LG Anna-Lena
Vom Lesen bleibt: Ein sonderbares Gefühl der Fremdheit mit mir selbst und eine seltsame Vertrautheit mit all den Worten. – das klingt nach …
ich lese weniger in meinem Blog nach, als dass ich die gemachten Bilder anschaue oder in meinem Tagebuch blättere und immer ist sehr viel mehr geschehen, als ich beim ersten Nachdenken weiß … so, wie mache meiner Bilder mehr von mir und meiner Zukunft zu wissen scheinen, als ich selbst und ja, manchmal eben auch mit meinen Worten und Bildern vertrauter bin, als mit mir selbst …
danke dir für diesen Text, der sehr zum sinnieren anregt!
herzlichst
Ulli