Leider keine Plauener Spitze
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Da gehe ich nichtsahnend durch die Stadt und will ein Barockportal fotografieren. In der Jägergasse hier in Halle (Saale) steht ein solches, abgestützt, als einziges Überbleibsel des abgerissenen Gebäudes. In dem waren lange Jahre Kultur und Kneipen zuhause. Und dann? Dann entdecke ich viel Besseres. (Bilder vom Portal habe ich auch gemacht, aber irgendwie gefallen die mir nicht. Ich muß zu einer anderen Tages- oder Nachtzeit nocheinmal hingehen. Und wenn das Häkeldeckchen dann noch dahängt, werde ich auch davon nocheinmal Bilder machen.)
Da hat sich jedenfalls jemand viel Mühe gegeben mit dieser Dekoration. Als erstes wurde eines der DDR-typischen Häkeldeckchen geopfert. Es wurde mit rotem Faden bestickt mit dem Symbol der …
Ja, verflixt nochmal, was war denn das für ein Symbol? Ich glaube, zu Zeiten des NATO-Doppelbeschlusses oder in den Anfängen der Anti-Atom-Bewegung wurde es verwendet. Oder sitze ich nur der Verwechslungsgefahr mit dem RAF-Signet auf? Jedenfalls kommt mir dieses “Rotes A, einen Roten Kreis schneidend” sehr bekannt vor.
Dieses Häkeldeckchen wurde dann sehr sorgfältig in das das Fenster einstmals schützende Gitter eingespannt. Gut, auf dem Fenstersims läßt sich mittlerweile gut stehen. Trotzdem, irgendjemand hat sich viel Mühe gegeben. Und heraus kam Straßenkunst. Kunst im öffentlichen Raum. Ich finde solche Aktionen gut, wird doch damit die Nutzung dieses öffentlichen Raumes für alle reklamiert, der immer weiteren Privatisierung öffentlichen Raumes widersprochen. Ja, Straßenkunst ist für mich so politisch.
Allerdings habe ich damit nicht gesagt, daß ich jede Straßenkunst gutheiße. Ganz im Gegenteil. Es gibt bestimmte Arten von Graffiti, die ich nicht als Kunst wahrnehme – insbesondere, wenn vorhandene Kunst nur durch unleserliche Tags zerstört wird (dafür gibt es hier in der Stadt einige wirklich unschöne Beispiele). Da scheint einiges vom Ehrenkodex der Sprayer verlorengegangen zu sein.
Straßenkunst. Seltsame Ideen. Aber verwirklicht.
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 28. Mai 2013 war die geglückte Zusammenarbeit mit anderen Sendungsmacherinnen und die Tatsache, daß jemand an mich dachte.
© 2013 – Der Emil. Text & Bilder stehen unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).
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Es ist das Zeichen für „Anarchie“. Hier ist es erklärt > Anarchopedia Symbole
JA! Stimmt. Anarchos! ('tschuldigung.)
Und das Fenster ist an einem selbstverwalteten, also autonomen, Haus?
Nein. Das Haus scheint dem Verfall und Abriß anheimgegeben … Darin ist schon lang kein Leben mehr gewesen … Leider.
Es gab um die Wende einige Häuser die von „Anarchos“ besetzt wurden und die dafür auch sorgten das Häuser nicht abgerissen wurden.
Das „A“ für Anarchie auf einem Häkeldecken – ich liebe dieser Art privater Schaufenster. Klasse 🙂
DAS ist ja der Gipfel der Anarchie: auf einem Häkeldeckchen! Meine Bewunderung für die Künstlerin / den Künstler steigt!
Ideen muss man haben 🙂 .
Das Topflappengarn für meine Anarchodinger liegt schon bereit…
Tolle Beobachtung, gewaltige Wirkung im Kleinen…
Und wo Du „im Kleinen“ schreibst, weiß ich es wieder: Die Punker und das schwarze Gemüse hierzustadt tragen und trugen dieses Symbol – hauptsächlich als Buttons!
Danke für die Erinnerungshilfe. Fröhliches Häkeln.
Die Filethäkelei ist kein DDR-Überbleibsel. Ich habe die Teile früher als Weihnachtsdeko gehäkelt (Sterne fürs Fenster). Und dass das A für Anarchie steht, weißt Du mittlerweile ja auch. In SO 36 war das zu meiner Jugend weit verbreitet.
Filet-Häkeln … dieser gebogene Draht, das U … Dunkel deucht mir, daß ich es kenne.
Hat dies auf Germanys next Kabinettsküche rebloggt und kommentierte:
Ich muss wirklich grinsen. Anarchie auf Spitzendeckchen. Punk meets den Inbegriff der Spießigkeit … einfach nur köstlich. Changierend zwischen Ironie des Zitats und Idylle. Zumal Punk inzwischen nicht minder spießig geworden ist. Die Antihaltung als Attitüde … Danke, bester Emil. Ein wahres Stück next Kabinettsküchenkunst …
Hat dies auf Familienbande rebloggt.
Bin begeistert von der Fähigkeit des Erkennens … selten jemandem zun begegnen, der eine kleine „Spitzendecke“ erkennt. Hinschaut und begreift. Freue mich, das Blog entdeckt zu haben. Schaue nun auch hin.
ACR
Vielen Dank – und “fogadtatás”. (Nein, richtig kann ich diese Sprache natürlich nicht, aber ein paar Worte …)
Köszönöm az örömöt
Ungarisch: ich verstehe mehr als ich sprechen kann und lese besser als ich schreibe 😉 es reicht mir aber aus.
Hat dies auf ACR – Angela Charlotte Reichel rebloggt und kommentierte:
Hinschauen- erkennen