Liebesbrief (Nº 086)

Ins Wäschefach geschrieben

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Wenn ich manchmal Senhnsucht habe, von einer glücklichen Beziehung träume, dann schreibe ich Briefe „ins Wäschefach“ – und das tu ich schon sehr lange Zeit.

Es gibt bzw. gab durchaus einen realen Hintergrund zu diesen Briefen, aber … Aber meist spielt(e) sich das alles in meinen Träumen, in meiner Phantasie ab. Und manchmal schrieb ich sogar Briefe an mich, so, wie ich sie gerne erhalten würde:

 

 
Ach Du,

manchmal denke ich, dass es ein Fehler war, einfach so wieder in Deinem Leben aufzutauchen.

Aber wenn ich ganz ehrlich bin – ich hatte all die Jahre ohne Dich Sehnsucht nach Dir. Es gab kaum einen Tag, an dem ich nicht an Dich gedacht hätte. Im Netz war ich immer wieder auf der Suche nach einem Lebenszeichen von Dir. Und als ich dann Deine Seiten entdeckt habe, konnte ich Dir wenigstens wieder ein kleines Stück näher sein.

Als mir für einen Rechtsstreit ein Anwalt in Deiner Stadt empfohlen wurde, warst Du mein erster Gedanke …

Und als ich Dich dann tatsächlich wiedersehen durfte – es hat sich sooooo gut angefühlt. Irgendwie gab es keine Fragen zwischen uns. Es war und ist einfach alles klar. Und das sagt mir, daß ich es nicht bereuen muß, daß es kein Fehler war, mich mit Dir zu treffen.

Trotzdem habe ich große Angst, Dir wehzutun – Dir wieder wehzutun. Weil ich nicht weiß, was das eigentlich ist, was wir da miteinander haben. Soll ich meine Sicherheit aufgeben, die ich zuhause habe? Soll ich mein Leben auf den Kopf stellen? Soll ich das Leben meiner Familie auf den Kopf stellen?

Ich weiß nicht, wie es wäre mit uns, auf Dauer. Ich weiß so wenig von Dir, von Deinem Leben. Was ist, wenn wir feststellen, daß uns nur wenig verbindet? Was ist, wenn das nicht ausreicht?

Was ich weiß, was ich mit Sicherheit weiß ist, daß ich mich momentan nur wirklich wohl fühle, wenn ich bei Dir bin. Daß mir zuhause alles auf den Keks geht / mich alles nervt und mir alles zuviel ist. Daß ich lieber Dich neben mir auf dem Sofa hätte. Daß ich lieber Dich im Bett neben mir hätte. Daß es unglaublich schön ist, Dich mit allen Sinnen genießen zu können. Daß ich mich geborgen fühle bei Dir, weil ich nicht immer stark sein muß, weil Du mich festhältst – wirklich festhältst. Daß ich mich ganz und heil und schön fühle bei Dir, so angenommen fühle wie ich bin. Daß ich mich wieder spüre bei Dir …

Und dann kommt wieder die Angst, daß all das durch einen gemeinsamen Alltag kaputt gehen könnte. Daß es irgendwann nichts Besonderes mehr wäre mit uns …

Aber: vielleicht muß es nichts Besonderes sein, sondern nur etwas Erfüllendes?

 

 

Und nun versuche ich, auf diesen “Brief an mich” eine Antwort zu verfassen …

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 26. März 2013 war eine ruhige, aber lange Schicht als Sendetechniker (und daß das Internet wieder erreichbar ist).

© 2013 – Der Emil. Text & Bilder stehen unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Liebesbrief (Nº 086)

  1. Amelie sagt:

    Wunder wunder wunderschön!
    Mir kullern grad die Tränen.

    Lieber Emil, nach Deinem einleitenden Satz „Und manchmal schrieb ich sogar Briefe an mich, so, wie ich sie gerne erhalten würde“ dachte ich: Ja, so wie ich mir gern die Geschenke selber mache, über die ich mich am meisten freue.

    Aber dieser Brief ist viel ergreifender als ein Geschenk. Die Sehnsucht nach Liebe, Wärme, Geborgenheit und Anerkennung. Dies schreiben, dies sagen zu können, fällt so oft viel zu schwer.

    • Der Emil sagt:

      Es ist auch nicht einfach, solches zu schreiben.

      (Oh, Du hast da gerade den 10.000en Kommentar hier im Blog geschafft!)

      • Amelie sagt:

        Der 10.000ste Kommentar. Wenn das kein Grund zum Anstoßen ist. Ich genehmige mir nachher einen Portwein und stoße auf Dich an ;o)

        • Der Emil sagt:

          Portwein? Aaaaah. Lange nicht mehr getrunken, ebenso wie einen (guten) Sherry.

          Obwohl: Ich werde mal sehen, ob ich hier in Halle einen echten Loupiac bekomme, das ist auch so ein Göttertröpfchen.

  2. Sofasophia sagt:

    großes kompliment für deinen mut. du hättest ja behaupten können, der brief sei teil einer geschichte an der du schreibst. hättest du …
    ich finds eine gute idee, sich liebesbriefe zu schreiben.
    ich erkenne mich übrigens als frau in deinen zeilen, im sinne dass du die stimme einer frau gut einzu“fangen“ vermochtest. kompliment!

    (oh, ich wusste nicht mal, dass ihr euch getrennt habt. muss ich überlesen haben. falls du es denn schriebst. tut mir sehr leid!)

    gespannt auf den nächsten brief!

    liebe grüße, soso

  3. Sofasophia sagt:

    ps: ich lese grad das briefe-buch des russen schischkin „briefsteller“ – zwei schreiben sich briefe. sie daheim, er im krieg. verrücktes buch!

  4. Anne-Marie Peters-Tipton sagt:

    Lieber Emil, klasse, Dein Brief spricht mich voll an so aus dem Herzen & ins Herz hinein !!!

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