22. Türchen: Sehnsucht und Suche zur Weihnacht (#357)

Was treibt mich?

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Nachdem nun, wie mir scheint, der Weltuntergang ausgeblieben ist, erinnere ich mich daran, daß gestern, am 21. Dezember 2012 um 12.12 Uhr Mitteleuropäischer Zeit die Wintersonnenwende war. Und so ganz bedeutungslos ist bzw. war diese ja nicht für unser Weihnachtsfest, zumindest wenn man den Neopagans oder Neu-Heiden Glauben schenken mag. Doch aller Wahrscheinlichkeit nach hat weder das Datum noch das Weihnachtsfest selbst etwas zu tun mit Jul, Yule oder wie auch immer das Wintersonnenwendfest genannt wird.

Das christliche Hochfest wurde ziemlich spät von der Kirche auf den heutigen Termin (einen der heidnischen römischen Festtage, Sol Invictus) gelegt, auf daß die heidnischen Bräuche mit der Zeit und mit fortschreitender Christianisierung der Welt schließlich ganz aus dem Gedächtnis der Menschen und der Reihe der Festtage verschwänden.

Weihnachten wird zu ganz unterschiedlichen Zeiten und auch ganz unterschiedlich gefeiert: In Rußland kommen «Дед(ушка) Мороз и Снегурочка», Väterchen Frost und Schneeflöckchen (Schneewittchen?) zum Jolka-Fest am 31. Dezember, um Geschenke zu bringen; und in der russisch-orthodoxen Kirche steht seit jeher Epiphanias im Zentrum der weihnachtlichen Festzeit. Die Altorthodoxen feiern alle Feste sogar noch später, immer 13 Tage nach dem Julianischen Kalender.

Aber all dieses Wissen um die Geschichte und die Entstehung und die Bedeutung des Weihnachtsfestes in der christlichen und außerchristlichen Welt: Was nützt es denn? Was lernt der Mensch daraus? Wo bleibt denn das, was als »Geist der Weihnacht« bekannt war? Wo ist denn die Besinnung auf Liebe, Frieden, Miteinander abgeblieben? Wo sind die wegen eines Pfefferkuchens leuchtenden Kinderaugen?

Und außerdem: Wieso feiern auch diejenigen Weihnachten, die nicht an Jesus, den Christus, glauben? Wieso sind die Kirchen zum Beispiel zu Weihnachten (noch) so voll? Was ist es, das Menschen einer Geschichte lauschen läßt, die so nie geschehen sein kann?

Weihnachten ist doch für viele nicht nur Weihnachtsgeld und Weihnachtsurlaub und Weihnachtsgeschenke und Festessen und Pflichtbesuche bei der Verwandschaft. Die Vorbereitung ist auch nicht mit dem Hetzen nach zu Verschenkendem, mit dem Kaufwahn betreffend Dekoration und Nascherei, mit der Dekoration abgeschlossen. Was also ist es denn noch, das die Menschen, das mich treibt, zur Ruhe bringt für ein paar Stunden trotz aller Verlockungen und Hektik?

Mich erfüllt zur Weihnachtszeit immer eine Sehnsucht nach mehr. Mehr … Mehr? Ein kluger Mann formulierte einen Spruch dazu, es ging um Konsum, sinngemäß (ich weiß ich hab‘ ihn, find‘ ihn aber nicht):

 

Wir sollten nach
Mehr als Konsum
streben statt nach
mehr an Konsum.

 

Ich bin dann mal für ein paar Tage wieder auf der intensiven Suche. So etwa bis – nicht ganz bis Mariä Lichtmeß, aber bis zum Hohen Neuen Jahr bestimmt.

 

Euch wünsche ich, daß Weihnachten eben doch mehr ist als das Geschenkefest.

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 21. Dezember 2012 war ein wirklich wichtiges Telefonat.

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Über Der Emil

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0 Antworten zu 22. Türchen: Sehnsucht und Suche zur Weihnacht (#357)

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  2. Emil ich grüße dich und wünsche dir von Herzen,
    dass die *heilige Nacht* für dich zum Segen und zum Heil sein wird.
    Mögen viele Menschen ER-kennen, ws Weihnachten wahrhaftig bedeutet.
    Ich wünsche dir Tage im Lichte des Kindes von Bethlehem.
    Mit Herz & Segen!
    M.M.

  3. Follygirl sagt:

    Bei uns giibt es seit über 30 Jahren weder Geschenke noch Verwandte… nur Ruhe und Frieden!
    LG und ich wünmsch Dir eine gute Zeit!, Petra

  4. Frau Momo sagt:

    Wunderbar geschrieben, lieber Emil. Die einzige Hektik, die bei mir aufkommt, ist die, für 5 Tage den Kühlschrank zu füllen, ansonsten habe ich mich schon vor Jahren dem Konsumterror entzogen. Die ehrenamtliche Arbeit an Heiligabend ist für mich auch immer wieder sowas wie ein Innehalten, mich auf das besinnen, was wirklich wichtig ist. Es ist natürlich ein kleines bißchen an Miteinander, an Füreinander, aber besser als gar nicht. Für mich ist es Weihnachten, mehr als unter dem Tannenbaum Geschenke zu stapeln.
    Und nun werde ich mich ins Getümmel stürzen müssen, um ein paar Lebensmittel zu besorgen, aber auch nicht mehr als sonst.

  5. Der Emil sagt:

    Na, da hab ich doch den Spruch wiedergefunden. Es war Elmar Gruber, der sich so äußerte, nachzulesen in meinem 15. Türchen 2011

  6. Ich habe bis gestern noch gearbeitet und viel Stress gehabt, aber jetzt ist endlich Ruhe und Besinnung angesagt. Ich weiß nicht ob es an meinem Alter liegt, osder was es ist. Die letzten Jahre habe ich Weihnachten immer nur mit meinem jüngsten gefeiert, weil meine anderen Söhne weit weg wohnen und es war für mich immer okay. Dieses Jahr macht es mich traurig, das wir nicht zusammen den Heiligen Abend verbringen können. Wir haben uns ja vor kurzem erst gesehen, und trotzdem macht es mir arg zu schaffen.
    LG Gabi

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