Zu Früh (#314)

Historisches Versprechen

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Heute vor 23 Jahren verlas Günter Schabowski vorzeitig eine Meldung auf einer Pressekonferenz und setzte damit Bedeutendes in Gang.

Ich kann mich nicht daran erinnern, ob ich an diesem Abend in der Tagesschau davon sah und hörte (doch es ist wahrscheinlich). Jedenfalls weiß ich noch, daß ich es nicht glauben wollte, als ich es zum ersten Mal hörte:

 

dpa-Eilmeldung 1989-11-09

Günter Schabowski redete zu früh
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(Siehe dort.)

 


 
Kohl sinngemäß:“… daß die Menschen in ihrem Land bleiben können …”

Damals hatte ich noch Hoffnung auf ein anderes, ein besseres Land mit besserer Politik. Mit einer Politik für die Menschen, die darinnen wohnen und arbeiten und leben.

Heute bin ich von dieser Hoffnung weiter entfernt als vor der Öffnung der Staatsgrenze zwischen den beiden deutschen Staaten …

Ganz ehrlich: Für das, was heute hier stattfindet, bin ich nicht unterwegs gewesen im montagabendlichen Annaberg-Buchholz.

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 8. November 2012 war die Redaktionskonferenz.

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Über Der Emil

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0 Kommentare zu Zu Früh (#314)

  1. Himmelhoch sagt:

    Du bist nicht der einzige, der es sich anders vorgestellt hat – Reisefreiheit ohne Reisefinanzen ist wie eben doch nicht können – und schon in relativ jungen Jahren keine Arbeit mehr zu haben, erschien mir 2004 wie ein „Weltuntergang“

  2. Inch sagt:

    Ehrlich, am Tag, oder besser in der Nacht, als die Mauer fiel, wusste ich, dass all unsere Hoffnungen für den Osten Deutschlands begraben wurden. Nicht, dass ich die Mauer hätte länger haben wollen. Aber es war mir auf eine diffuse Art klar, dass irgendwas verloren ging. Hat sich ja später mit der großspurig und irreführend Wiedervereinigung genannten Einverleibung bestätigt.

  3. piri ulbrich sagt:

    Zitat: Ganz ehrlich: Für das, was heute hier stattfindet, bin ich nicht unterwegs gewesen im montagabendlichen Annaberg-Buchholz.

    Das habe ich auch nicht gewollt, aber uns Wessis hat niemand gefragt, ob wir wollen. Wir mussten auch und haben die ostdeutsche Infrastruktur aufgebaut. Dass nicht alles rosig ist – im Osten, wie im Westen – sehe ich schon. Aber, ich denke, ihr Ostdeutschen jammert auf ziemlich hohem Niveau!

    • Der Emil sagt:

      Ich weiß ja nicht: Wenn jemand erklärt, daß mein halbes Leben nichts mehr wert ist, wenn meine Ausbildung nichts mehr zählt, wenn all das, woorauf ich stolz war, plötzlich „bäh“ ist; und wenn ich dann, nur weil ich zwei Häuser weiter wohne, prinzipiell (z. B. 20%) weniger Geld für meine Leistung bekomme, aber bei fast allem volle Preise zahlen muß; wenn jemand meinen Gemüsegarten einfach so umgräbt und einen koniferenhain draus macht und ich all das nicht wollte und mir ugesichert wurde, daß genau all das nicht geschehen wird un es trotzdem geschah/geschieht:

      Darf ich dann nicht sauer sein und meckern und jammern?

      • snoopylife sagt:

        Doch. Darfste. Solltest du sogar, denn schließlich könnten wir daraus was lernen. (Betonung liegt auf „könnten“) Piri Ulbrich hat aber auch Recht: Weniger jammern! Ich finde, ein bisschen mehr Stolz darauf, eine Regierung hinweggefegt zu haben, täte den Ostdeutschen gut – zu denen ich übrigens auch gehöre. Wir sollten uns daran erinnern, wie stark ein Volk sein kann, wenn es mal aufmüpft!

    • Frau Momo sagt:

      Ich glaube nicht, das wir Wessis das beurteilen können. Denn nicht uns sind jahrzehntelange Arbeit nicht für die Rente anerkannt worden, nicht uns sind Bildungsabschlüsse nicht anerkannt worden, nicht wir mußten uns völlig neu sozialisieren und nicht wir sind von Wessis überannt und übertölpelt worden, die wie die Heuschrecken in Goldgräbermanier im Osten eingefallen sind. Und nicht uns sind blühenden Landschaften versprochen worden, die keine wurden. Statt dessen Massenarbeitslosigkeit und Armut. Noch heute werden mit fetten Subventionen dort Firmenstandorte installiert, nur um sie kurze Zeit später wieder dicht zu machen, wenn man die Förderung im Sack hat. Und was nützen einem hübsch rausgeputzte Städte, in denen die Menschen keine Arbeit und keinen Halt mehr haben.
      Nein, Piri, da muß ich Dir ganz deutlich widersprechen und ich maße mir nicht an, zu wissen, wie es den Menschen geht, die nach der Wende alles verloren haben.

      • Himmelhoch sagt:

        Liebe Frau Momo, ich danke dir sehr für diesen Kommentar, der so verständnisvoll ist. Ich bemühe mich, nicht zu jammern, weil es durch die übrigbleibende Rente meiner Mutter halbwegs geht. – Aber all das, was du beschreibst, ist mir passiert. Mein Fachhochschulstudium war nichts wert, so dass ich wieder als Sekretärin arbeiten musste. – Die Renten-Anteile aus der Scheidung gab es nicht, weil gerade diese Regelung NICHT übernommen wurde. – Eine Wohnung unter 500,00 € ist in Berlin schwer zu bekommen, da zu viele Singles und Studenten in dieser Stadt wohnen. Mit knapp 70 in einer vollkommen neuen Stadt neu anzufangen, ist nicht so leicht, zumal Sohn und Mutter hier leben. Aber 500,00 Miete bei 800,00 Rente ist ein Ding der Unmöglichkeit. – Und wenn „der Staat“ = das Jugendamt für Kinderbetreuung ein Salär von ca. 2,50 die Stunde zahlt, dürfte sich das kein privater Arbeitgeber erlauben.

      • piri ulbrich sagt:

        …ich hab ja gar nicht gesagt, dass er nicht jammern darf. Nur, dass wir im Westen auch nicht grad auf blühenden Landschaften sitzen und Emil das relativieren sollte. Das Schicksal im einzelnen ist hart, das gebe ich zu und ich stimme auch zu, das die Vereinigung zweier unterschiedlicher deutschen Staaten viel zu schnell über die Bühne gegangen ist und dass Herr Kohl uns alle verarscht hat. Sicherlich habe einige Investoren guten Reibach gemacht, aber den haben sie auch in westdeutschen Ländern – es ist geballt aufgetreten in den Ostländern. Es macht es nicht besser, aber wir sind nun mal jetzt ein Deutschland und da hat die DDR mehr Fehler gemacht als die BRD und das ist leider so, dass Staaten die Fehler nicht tragen müssen, das müssen die MENSCHEN.

        • Frau Momo sagt:

          Tut mir leid, aber da kann ich Dir überhaupt nicht folgen. Die Verarmung geht mittlerweile in ganze Deutschland um, da gebe ich Dir ja recht, aber wir mußten nicht unsere ganze Sozialisation über Bord schmeißen, unser Wertesystem, unsere Lebensgewohnheiten. Man hat sich ja nicht mal die Mühe gemacht, wenigstens zu versuchen, auch was zu retten, was sehr wohl in der DDR besser war als hier. Man hat einfach übergestülpt und dann konnten die Menschen sehen, wie sie damit klar kamen. Und ich sage mal, wir im Westen hätten wissen können, das Kohl uns verarscht, aber auch wir haben ihn wie die Schlachtlämmer brav weiter gewählt, wie jetzt seine unsägliche Nachfolgerin.
          Sorry, wenn ich das jetzt so sage, aber ich finde eher, das Du von einem hohem Roß herkommst…

          • piri ulbrich sagt:

            Nein, ich sitze nicht auf dem hohen Roß. Mag sein, dass ich nicht richtig zugehört habe und, als privilegierte Westdeutsche, nicht alles hinschmeißen, meine Werte nicht verkaufen und verraten musste – aber für meine Geburt kann ich nichts. Ich habe Verständnis für die Nöt…… …ach, ich rede mich mal wieder um Kopf und Kragen und erwecke den Anschein feindselig zu sein.

            • Der Emil sagt:

              Halt.
              Du sagst da was ganz entscheidendes: Für meine Geburt kann ich nichts.

              Aber für meine Geburt bekomm ich immernoch weniger Geld für gleiche Arbeit, weniger Rentenpunkte …

              Unten schreibt TB ebenso vernünftig, daß es Zeit wird, ein Eins zu werden: Bin ich gerne dabei, wenn ich dabei ich bleiben darf und meine Vergangenheit nicht verleugnen muß, um angenommen zu werden.

              Liebe Piri, laß uns das Kriegsbeil garnicht erst ausgraben. Du bist Du, ich bin ich – das wird so bleiben. Vielleicht erleben es meine Urenkel, daß es wirklich ein Volk von Bayern, Sachsen, Preußen, Mecklenburgern, Niedersachsen, Pfälzern, Franken, Vogtländern, Schwaben und so weiter sein wird – ich wünsche es ihnen. Das wird sein wenn die “Das-war-sowieso-alles-nichts-wert”- und die “Das-war-ja-immer-alles-viel-besser”-Ost-West-Zuordner endlich schweigen.

              Und so sitze ich heute Abend sicher mit einem Bier irgendwo, stoße auf mich an, darauf, daß auch ich mit den Anstoß zu einer friedlichen Veränderung gegeben habe und werde im gleichen Atemzuge bedauern, daß bei der Verfolgung der hehren Ziele wieder Fehler gamacht wurden und werden.

          • Gudrun sagt:

            Danke, liebe Frau Momo. Dir glaubt man wahrscheinlich eher, um was es geht.

        • Frau Momo sagt:

          Was ich dazu noch sagen wollte… es geht hier ja auch nicht nur um materielle Werte, sondern um den Verlust von Identität, von Sozialisation und das wiegt u.U. schwerer als das Materielle. Und da ist ein ganzes Volk über den Tisch gezogen worden, von geldgierigen Investoren, von Politikern, die ins Buch der Gechichte wollten und und….. und ich finde, das ist mit dem, was wir Westdeutschen „ertragen“ mußten, nicht vergleichbar. Es war keine Vereinigung sondern eine Annektion und der Westen hat in der ihm üblichen Art einfach übergestülpt, weil natürlich nix über die freie Marktwirtschaft geht.

        • Der Emil sagt:

          Liebe Piri,

          gejammert habe ich (noch) nicht. Festgestellt habe ich, daß unsere Hoffnungen und Träume verkauft wurden. Für mich sieht es übrigens so aus, als habe die BRD mehr Fehler gemacht als die DDR – ungeachtet des Resultates, daß nur letztere nicht mehr existiert, denn es waren andere Fehler, solche, die von den “Wirtschaftsexperten” belohnt wurden und werden … Und so wurde der Aufkauf eines ganzen Landes unter der Bedingung forciert, daß so ziemlich alles verschrottet werden wird.

          Und jetzt? Jetzt wird das, was in der DDR vorhanden, aber aus westlicher Sicht damals verteufelnswert war und deshalb abgeschafft wurde, hier wieder eingeführt. Siehe Kinderbetreuung, Polikliniken (na gut, heut heißen sie Ärztehaus oder Praxisgemeinschaften oder Medizinische Versorgungszentren), der ABV (Abschnittsbevollmächtigter, heute Bürgerpolizist oder Kontaktbereichsbeamter), einheitliches Abitur usw.usf.

          Unsere unterschiedlichen Erfahrungen bedingen unterschiedliche Sichtweisen und Bewertungen. Der gemeine Ossi soll die der Altbundesbürger akzeptieren, tut er ja auch, und nun bitte ich darum, daß auch meine Erfahrungen, meine Leistungen, meine Erinnerungen, meine Gefühle respektiert und akzeptiert werden und nicht immer sofort mit der Ostalgie- und Jammerkeule hinweggefegt werden. Und: Ausnahmen gibt es auf beiden Seiten, ich weiß.

      • Gudrun sagt:

        Dem Emil geht es um was ganz anderes, liebe Piri. Die Veränderungen, die in meinem Teil Deutschlands stattgefunden haben, sind von engagierten Menschen hier angeregt wurden. Sie sind auf die Straße gegangen für Pressefreihet, Reisefreiheit, um eine Bildung ohne Staatsdrill, darum, dass der Chefingenieur wieder mehr zu entscheiden hat als der Parteisekretär … Ich zähl das jetzt nicht weiter auf. Im Laufe der Demos änderten sich schon die Themen. Und jetzt? Wo sind sie hin die Ideale? Dem Emil geht es garantiert nicht um materiellen Reichtum.
        Jetzt wird im bundesdeutschen Bildungswesen wieder diskutiert, wie man eine einheitliche Abiturregelung hinbekommt. Eh, wir hatten das und viele Lehrer wollten schon vor über 20 Jahren darüber diskutieren. Nun rate mal, was daraus wurde? Und aus den Lehrern? Schon mit solch einer Idee wurde manch einer verteufelt, dass er DDR-statstreu sei.
        Jeder von und hatte eine Biografie, Träume, sich ein soziales Umfeld geschaffen. Das
        war weg. Mit einem Wisch! Manchmal schämt man sich schon, aus dem Osten zu sein, vor allem wenn immer wieder alle Diskussion so geführt wird, als ob hier alle raffgierig seien. Nein, liebe Piri, du solltest den Leuten mal beeser zuhören.
        Und ich werde nicht aufhören, den Traum von einer besseren Gesellschaft zu träumen, Fragen zu stellen.

    • Gudrun sagt:

      Alles, was eine Rolle gespielt hat, war plötzlich weg. Bücher, die man gern hatte, wurden nicht mehr verlegt, Künstler, die man gern sah, waren nicht mehr in, die Musikschule konnte man sich plötzlich nicht mehr leisten, die Arbeit war weg, die Ausbildung nichts mehr wert. Liebe Piri, ich glaube nicht, dass man hier auf höherem Nivea jammert als die Leute im Westen. Wir jammern alle ein bissel, aber das was hier lief, war einfach zu krass. Hier ist nichts zusammengewachsen, was zusammengehört, hier wurde etwas zusammengeworfen. Es gab viele Ökonomen, die damals Wege aufzeigten, wie es gehen könnte. Langsam. Die starke Währung hätte die schwache langsam ersetzt. Das ist einfach ökonomisches Gesetz. Aber das reichte ja manchem Politiker nicht und manchem Deppen auch nicht. Während sich manche Leute ganz schnell „gewendet“ haben, zerbrachen andere fast daran. Weißt du, damals war auch eine Wirtschaftskrise am Gange. Davon merkte man im Westen Deutschlansds nicht viel. Man hatte ja ein neues Absatzgebiet. Frankreich hat es härter getroffen.

  4. Herbstbaum sagt:

    Ich bleibe mal bei dem ganz konkreten Tag. Wir hatten Besuch aus der DDR – ein runder Geburtstag mit Feier im Lokal stand an am 9.11.89. Diese Gäste waren über den kleinen Grenzverkehr von mir abgeholt worden. Am darauffolgenden Tag kamen die Kinder und Kindeskinder mit Trabbis und Wartburgs auf den Hof gefahren. Wir hatten von der Feier Essen mitbekommen, so daß alle satt wurden. Das ist meine Geschichte zu diesem speziellen Punkt in der Geschichte.

    • Der Emil sagt:

      Vielen vielen Dank für diese Geschichte. Hab ihr das auf der Feier direkt mitbekommen, hat es euch jemand mitgeteilt? Ich glaube nicht, daß ihr damals vorm Fernseher saßt …

      Ich habe mir viel zu wenig aufgeschrieben in der Zeit damals, habe viel zu wenig davon aufgehoben – nahm ich doch an, daß alle diese Vorgänge von historischer Bedeutung ihre Bewahrung finden würden in einer erneuerten DDR bzw. später dann in einer gleichberechtigt anerkennenden Gesellschaft der BRD.

      • Herbstbaum sagt:

        Wie das so ist mit Erinnerungen. Jetzt war ich auch zu früh. Der Geburtstag ist heute, die Feier war am Sonnabend, also 2 Tage später. Aber die Zeit damals war so intensiv vom Erleben, dass Tage nicht existierten. Ich habe die ersten Nachrichten im Radio gehört und von da an alle Fernsehnachrichten gesehen, bis tief in die Nacht. Damals ist bei mir eine Blockade aufgebrochen. In meinem Denken war die Grenze absolut. Aufgewachsen an dieser Grenze, endeten bei uns die Straßen und Brücken im Nirgendwo. Die DDR war geographisch näher als die BRD. Mit der Öffnung wurden für mich Wege gehbar, von denen ich niemals geglaubt hätte, dass dies möglich wäre, so absolut hatte ich die Teilung internalisiert. Die älteren Familienmitglieder knüpften sofort an die für sie normale Zeit, vor der Teilung, an. Ich habe länger gebraucht.

  5. Danke für den Video-Link. Ich bin hoffnungslos rührselig, wenn es zu dem Mauerfall kommt, und habe wieder geheult, wie an jenem Abend. Geht wohl nicht anders. Den Ausverkauf der Industrien zu Schleuderpreisen habe ich erst später durchschaut. Euren Mut in Ehren, aber gierige Welteliten waren sich einig, dass es in der DDR eine Menge zu holen gab. Kein Wunder, dass Gorbatschow in San Francisco die Sicht auf den Pazifik in westlicher Richtung vorzieht, wohlversorgt von den Industrien.

    Die Erfahrungen mit dem Sozialismus waren am 17. Juni 1953 nicht so großartig, und da war doch ebenfalls Mut gefragt. Nur gab es da keinen Gorbatschow. Die Niederschlagung des Aufstandes, an dem unsere Eltern teilnahmen, bewirkten eine tiefe Hoffnungslosigkeit, die dann 1988/89 überwunden schien. Und jetzt?

  6. Margot sagt:

    Hallo, lieber Emil, ich möchte nicht viel schreiben, Dir nur „Danke“ sagen. Deine Worte, Deine Empfindungen sind auch die Meinigen. Genau so sehe ich es auch …
    Ein großes Lob und ein Dankeschön geht auch an „Frau Momo.“ Sie lebte in Westdeutschland und kann unsere Sorgen und Ängste verstehen. Nein, wir jammern nicht auf hohem Niveau. Wir sind es eher gewohnt auf vieles zu verzichten, sogar auf dieses System der Ausbeutung …

  7. …. ich bin Deutscher weder Ostdeutscher noch Westdeutscher… 😉

    jammern tun wir alle , echt das nervt mich immer wieder dieses Grenzdenken … wir sind ein Volk, schon vergessen ?!
    Ich fühle mich jedenfalls so, auch wenn es leider noch Unterschiede gibt !!!

    …wenn wir jetzt verändern wollen, dann müssen wir auch zusammen stehen, ein EINS sein, sonst hat alles keinen SInn …
    … ich bin sofort dafür das keine Unterschiede gemacht werden, ich versteh das sowieso nicht … aber das wird wohl so beabsichtigt, das wir uns ALLE nicht einig werden… das würde nämlich Veränderung bedeuten….

    Ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich sehe und höre wie G: Schabowski die Neuerung vorliest . Wir hätten das niemals gedacht, das wir wieder in einem Deutschland leben könnten.
    Für mich ist das immer noch ein Wunder … die DDR ist für mich Geschichte, ja auch meine eigene ganz persönliche Geschichte .

    Wir wollen eine bessere Zukunft für uns ALLE , das heißt vor allem Arbeitsplätze schaffen, der Jugend Perspektiven geben und den Rentnern einen lebenswerten Ruhestand zukommen lassen. Wozu sind unsere Politiker , Wirtschaftsexperten, Finanzgenies denn da ?

    Irgendwie habe ich den Eindruck vollkommen verlassen von Ihnen zu sein.

    LG TB

    • Der Emil sagt:

      Gute Worte, TB.

      Aber Arbeitsplätze schaffen? Das wird wohl nichts. Bezahlung von notwendigen Tätigkeiten sollt wieder zum Normalfall werden, anständige Bezahlung.

      Am besten ein BGE, wer mehr haben will, darf gerne für mehr sorgen. Klingt nach Sozialismus, ist aber keiner …

      • — es müssen Arbeitsplätze geschafft werden, ich denke das geht auch , denn wenn man mal schaut, die Leute die Arbeit haben müssen Überstunden angro machen und in vielen Berufen ist das Personal total überlastet, dort fehlen Arbeitskräfte… also da muss es Lösungen geben… wir haben doch Experten, wieso bekommen die das nicht hin … vielleicht wollen sie ja auch gar nicht ?!

    • —- also wir waren zu Hause an dem Tag und haben Nachrichten geschaut, wie immer auch heute noch 😉
      Wir beide saßen alleine vor dem TV und glaubten nicht was dort gesagt wurde.
      Es kann nicht sein, oder doch… wenn sie es sogar bei uns in der aktuellen Kamera sagen… Die Mauer fällt…nee oder ?!
      …ich kann nicht mit Worten sagen, wie wir uns fühlten, es war unbeschreiblich….
      Telefon hatten wir ja nicht, so konnten wir nicht mal mit Freunde und Eltern telefonieren,
      Meine Eltern wohnten neben einem Geschäft, da konnte ich immer anrufen, aber eben erst am nächsten Tag 😉
      Meine Schwiegereltern wohnten nur ca 25 km von uns weg, also düsten wir dahin… wir lagen uns vor Freude in den Armen… niemand konnte es so wirklich glauben….
      Es war unglaublich, wir gingen schlafen wie immer und schliefen mit dem Gedanken ein, ALLES wird sich verändern — welches Ausmaß das erreichen würde konnte sich wohl niemand von uns wirklich vorstellen, wie heißt es so schon nur der Augenblick zählt .. das Erwachen kam später… 😉

      das musste ich noch loswerden

  8. Der Emil sagt:

    Da hab ich ja eine ganzschöne Lawine losgetreten.Und doch nur festgestellt: Meine Träume, Hoffnungen usw, die mich 1988/1989 auf die Straße brachten, sind unverwirklicht geblieben. Ein “Was-wäre-wenn” ist vergebliche Liebesmüh.

  9. wildgans sagt:

    Ja, das war ein ganz doller Hurrikan damals- und viele gerieten in eine Art Manie, die schnell ins andere Extrem rutschte. Man bekam die Augen wieder klar, ohne Glücksflüssigkeiten, die klare Sicht behinderten. Es ist viel Gutes den Bach runter…doch Emil, damals das auf der Straße mit den anderen, die Gefühle GAB ES- ansonsten fehlen mir die Worte – vielleicht noch ein verstehendes Schulterklopfen…
    Gruß von Sonja

  10. Pingback: Der 9. November ist mehr « Mensch lebt nur einmal

  11. snoopylife sagt:

    OK, mal weg vom Begriff „Jammern“… Was mich nur immer wieder verwundert: Alle bedauern die Entwicklung im Osten, nur… Wo sind eigentlich die ganzen Leute, die am 18.3.1990 KOHL gewählt haben? *duck*

    • Der Emil sagt:

      Wahrscheinlich in dem Wahlkreis, in dem er sich damals zur Wahl stellte, also nirgends niemand – Mann, das war Volkskammerwahl, da gabs keinen Kohl. Es wurde höchstens „Allianz für Deutschland“ (oder wie dieser vereinigte Haufen mit der CDU damals sich nannte) gewählt. Nicht aber Kohl. Und die Volkskammer hatte KEIN Mandat, das Land zu verscherbeln.

      • snoopylife sagt:

        Ok du hast natürlich Recht, aber in den Köpfen stand doch CDU = Kohl…

        • snoopylife sagt:

          Ergänzung der Korrektheit halber: „Christlich-Demokratische Union (CDU-Ost), Deutsche Soziale Union (DSU) und Demokratischer Aufbruch (DA) bildeten ein in der rechten Mitte des Parteienspektrums angesiedeltes Wahlbündnis, das Allianz für Deutschland genannt wurde. Wesentlichen Anteil an diesem Zusammenschluss hatte die CDU (West) unter dem damaligen Vorsitzenden und Kanzler der Bundesrepublik Helmut Kohl.“
          Und jetzt kommts:
          „Die Allianz für Deutschland trat für eine schnelle Vereinigung (…) ein.“
          Quelle ist Wikipedia Stichwort „Allianz für Deutschland“
          Darum ging es mir. Das hat jeder gewusst. Und dass Kapitalismus Massenarbeitslosigkeit bedeutet, haben wir doch in der Schule gelernt…
          Unter dem Stichwort Volkskammerwahl_1990 finden sich bei Wikipedia interessante Beobachtungen zum Wahlkampf, u.a. von Jens Reich. Leseempfehlung!
          OK, jetzt hör ich auf: Nix für ungut und liebe Grüße von Snoopy

          • Der Emil sagt:

            Die kenn ich zwar (Wikipedia & Reich), aber heute Abend – vielleicht – könnte ich sie mir erneut ansehen.

            (Ich steck grad in einer anderen Misere …)

  12. Bine sagt:

    DAS finde ich allerdings auch. Wenn der Ossi immerzu heult das war früher doch alles besser, kann ich das nicht verstehen. Auch in bin nen Ossi und war allerdings auch schon 6 Jahre im „Westen“. Auch dort jammern die Leute, allerdings anders.
    GENAU SO wie oben beschrieben: HEY OSSI!!!! Sei stolz auf das was du bereits geschafft hast. Wir haben eine Regierung gestürzt. Wer hast das vor uns denn schon geschafft?? Auch hat der Ossi die Gabe aus Schrott noch was nützliches zu machen und nicht gleich alles weg zu werfen. STOLZ drauf sein!!!
    Danke Frau Momo für die ehrliche Meinung. Ja auch das stimmt mit der Rente, div Anerkennungen usw. aber der Weg geht nun mal nach vorn. Also müssen wir auch nach vorn schauen. Wenn wir ständig in er Vergangenheit leben, verpassen wir das hier und jetzt. Das wäre doch mehr als schade.

    ALSO PO ZUSAMMENKNEIFEN und Blick in die Zukunft. Diese können wir noch verändern, die Vergangenheit nicht mehr.

    Wenn ich das hier alles lese, steht die dämliche (und wohl doch von allen Seiten gehasste) Mauer noch immer in den Köpfen. Erst wenn diese in unser aller Köpfen gefallen ist, erst wenn keiner mehr meint das genau „ER“ es schlimmer hatte, ERST DANN sind WIR EIN DEUTSCHLAND!

  13. nextkabinett sagt:

    Reblogged this on Rund um den Kabinettstisch und kommentierte:
    Danke, lieber Emil.

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