Unterschiede (#313)

Leonid Iljitsch Breschnew ./. Баррак Гуссейн Обама

Ein Auskotz-Text

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Zu den Zeiten, da ich noch jung war, ging es in den Zeitungen der ganzen DDR und in der “Aktuellen Kamera” immer hoch her zu den Parteitagen der KPdSU. Überall wurden die Reden und Berichte abgedruckt, zumindest auszugsweise. Hinterher erschien das Tagungsmaterial vollständig in Broschüren und sollte geflissentlich zum Selbststudium der wissenschaftlichen Weltanschauung genutzt werden.

Die Wahl zum Präsidenten der VSvA wird heutzutage in fast allen Medien der BRD als besonderes Ereignis gefeiert, das in seiner Bedeutung für die Bürger der Bundesrepublik Deutschland nicht hoch genug geschätzt werden kann. Nur die Reden werden nicht im Wortlaut abgedruckt (aber im Internet sind sie erhältlich).

Gibt es noch einen Unterschied?

Früher war es Pflicht, für einige sicher auch Bedürfnis, solche Ereignisse zu verfolgen. Man konnte dem ganzen Trara aber recht einfach sich entziehen. Über den tatsächlichen Gehalt des Materials war man im Bilde.

Heute ist es keine Pflicht. Für viele ist es ein (durch die Überflutung mit zum Thema gehörenden Nachrichten und Nebensächlichkeiten, also durch die mediale Überpräsenz des Themas erst hervorgerufenes) “Bedürfnis”. Und ein Ausweichen ist ungleich schwieriger. Ein Haufen heißer Luft wird so verklausuliert wiedergekäut, daß kaum noch jemand erkennen kann, was dahintersteckt.

Leider habe ich es nicht geschafft, mich gegen diesen Nachrichtenmüll abzuschotten. Leider finden die wirklichen Themen keinen Eingang mehr in die Massenmedien.

Hoffentlich werden die Auswirkungen des Wahlergebnisses denen ähneln, die ein vorgestern um 15.36 Uhr Ortszeit in der Nähe des Huáng Hé bei Jinan stattgefundenes Umfallen eines 30-kg-Sackes voller Reis hierzulande zeitigte.

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 7. November 2012 war, daß ich meinen Schimpfreiz tatsächlich einigermaßen bezähmen konnte.

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313 / 366 – One post a day 2012 (WP-count: 318 words)

Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Unterschiede (#313)

  1. Frau Momo sagt:

    Ich gehöre zu denen, die sich zumindest Teile der langen Wahlnacht in der ARD angeguckt haben, einfach weil es mich interessiert hat, denn wer die USA regiert, kann ja leider kaum jemandem auf der Welt egal sein. Ich kann mit diesem Show Wahlkampf, mit diesen übertriebenen Inszenierungen (man stelle sich mal vor, hier würden Kandidaten ihre gesamte Familie mit auf die Bühnen zerren) nichts anfangen, aber ich habe mitgefiebert, ich gebe es zu. Und noch halte ich die Wahlen in den USA für demokratischer (nicht für demokratisch) als die in der Sowjetunion.
    Die wirklichen Themen muß man schon sehr suchen und da ich selten Fernsehprogramme studiere, geht da sicherlich einiges an mir vorbei. Gerade gestern war ich deshalb dankbar für den Tipp von Isa für den Film auf 3Sat.
    Und ich hoffe ja doch noch, das die Auswirkungen des Wahlergebnisses etwas spürbarer werden, auch wenn ich sicherlich keine übertriebenen Hoffnungen habe, das die USA jetzt zum obersten Klimaschützer werden, die Todesstrafe abschaffen, aufhören werden, Kriege zu führen und und und….

    • Der Emil sagt:

      Nicht die das Maß an Demokratie, sondern die mediale Überbewertung und Überpräsenz sind das, was mich ankotzt. Alles, was aus diesem dämlichen Wasweißichwoher kommt, muß ja gut sein – so war das in der DDR mit den Rinderoffenställen aus den sowjetischen Kolchosen usw. auch.

      Aber damals ging es ja um kommunistischen Unfug, heute geht es eben um kapitalistische, ja, imperialistische Idiotie.

    • an Frau Momo:
      Schauen Sie mal diesen Film an, dann erwartet man keine Kunststückchen vom Präsidenten, außer dass er durch den Feuerring der Eliten springt, wie ein dressierter Leopard im Zirkus.

      Nicht Obama, nicht Romney würde regieren! Es sind die grauen Eminenzen im Hintergrund. Darum ist es egal, wer die Wahl gewinnt. Dafür würde ich keine Minute Schlaf verlieren.

      • Der Emil sagt:

        Okay, ich kenne den Film. Aber ehrlich gesagt, kann man auch dananch noch geteilter Meinung sein.

        Was mich immer wieder stört, das ist diese Haltung: Wir brauchen es garnicht erst zu versuchen, etwas zu ändern; wir ändern ja doch nichts. Wenn keiner anfängt, wird sich nie etwas ändern. Und auch ein Präsident kann anfangen – es gab in der Geschichte Beispiele dazu, die wieder davongeputscht wurden …

        • „Und auch ein Präsident kann anfangen – es gab in der Geschichte Beispiele dazu, die wieder davongeputscht wurden “ – ja, und es ist ihnen auch gesundheitlich nicht gut bekommen (Lincoln, John F. K : Beide wollten die Geldschöpfung nicht mehr den Banken überlassen, sondern diese Rechte in die Hand des Staates zurück geben).

          Meinen Sie wirklich, dass wir Blogger etwas verändern können, wenn wir gegenseitig die Webseiten verwandter Seelen besuchen? Da waren die Bürger der französichen Revolution mit ihrem Ruf „An die Laterne“ schon ein bißchen weiter. Oder die Seemänner 1918. Aber die hatten ja auch kein Internet.

          Ich benutze mein Blog

          http://kopfstaendler.blog.de

          mit allen Kommentaren eigentlich nur noch dafür, meinen Enkeln diesseits und jenseits des atlantischen Grabens, meine Gedanken zu „hinterlassen“, falls es sie denn sonderlich interessiert. Aber vermutlich sind die SMS auf Handy und Tablet interessanter als die Besorgnis eines alten Weibes. Das nicht in Facebook sein wollte, als ihm klar wurde, dass pro e-mail-Namen etwa 100 $ jährlich der Clique Zuckerberg/Goldman Sucks in die Taschen gestopft wurden. Meine 100 $ aus den Werbeeinnahmen sollten die, die diese Welt ins Chaos gestürzt haben, jedenfalls nicht bekommen. .

          • Der Emil sagt:

            Ich hatte da eher andere als VSvA-Präsidenten im Sinne: Dubcek, Allende …

            „An die Laterne“? Ich habe andere Möglichkeiten 1988/89 tätig miterlebt. Wenn das Netz zum Selbstzweck wird und sich die Bemühungen um Veränderung in gegenseitigen Blogbesuchen erschöpfen, dann – und nur dann! – wird natürlich durch die Gemeinschaft der Blogger nichts bewegt. Aber meine Aktionen (und die vieler anderer Blogger) beschränken sich eben nicht darauf, sondern ich wirke auch im Leben außerhalb des Internets.

            Und da ist mir ziemlich egal, wer übern Teich die Gallionsfigur ist.

            • Ja, 1988/89 war eine Sternstunde. Wir haben damals alle mit Bewunderung die Aktionen und den Mut der Montagsrebellen mit angehaltenem Atem angeschaut und haben uns dennoch nicht „eingebracht“. Auch Solidarnosc in Polen gab ein Beispiel für Mut bis zur Tollkühnheit.
              Von westlicher Seite aus, schien der Eiserne Vorhang undurchlässig, außerdem waren wir Westler zur Rührung, aber nicht zur Rebellion fähig. Vielleicht war das sogar gut so, weil es die Eskalation vermieden hat. Aber für Feigheit ist ja immer eine Rationalisierung denkbar.

              Wir vergossen Tränen, als Daniel Bahrenboim zum Konzert einlud. Aber die waren wohlfeil.

  2. Inch sagt:

    Ah, Emil, Du sprichst mir aus der Seele! Und ich hatte die gleichen Gedanken wie Du! Mir fiel ein, dass wir die DDR früher gern die 16. Sowjetrepublik genannt haben und ich dachte über einen Blog nach mit der Frage, ob wir nun der 51. US-Bundesstaat seien? So bedeutend wie die Wahlen für uns waren. Ich konnte mich dem Gedöhns leider auch nicht gänzlich entziehen und kämpfte jedes mal mit leichter Übelkeit (leicht, weil ich sofort nach Einschalten Radio oder TV ausschaltete bzw. im Netz auf eine werbe- und nachrichtenfreie Seite klickte)

    • Der Emil sagt:

      Ich war einfach nur sehr genervt. Da mußte einiger Druck raus, sonst wär ich geplatzt .

      Aber nichtmal in den Blogs wurde man von dem Theater verschont …

  3. Himmelhoch sagt:

    Emil, ich habe über deinen Post traurigfröhlich geschmunzelt – zum Teil wegen Erinnerungen, zum Teil wegen des Sacks Reis, der in China umfällt und …
    Ich habe kaum den Fernseher an, in solchen Überflutungszeiten schon gleich gar nicht – ich sehe nur Sendungen, die mich interessieren – und die verpasse ich dann zum Teil auch noch.

    • Der Emil sagt:

      Da sprichst Du mir aus der Seele. Privatfernsehen (Hää? Die und Privat?) kenn ich nicht mehr.

      Und wenn es etwas interessantes gibt, muß ich immer wieder auf die Mediatheken zurückgreifen …

  4. Gudrun sagt:

    Eines erstaunt mich dafür um so mehr: Einige von denen, die damals ganz entschieden jeden kommunistischen Schwachsinn mitgemacht haben und denen es gut dabei ging, sind jetzt die eifrigsten „Gewendeten“. Und wehe, man sagt was, dann wird man in eine Ecke gestellt, in die man wirklich nicht gehört.
    Ich bin schon immer ein politisch interessierter Mensch gewesen. Es ist nicht so, dass mich nicht interessiert, was in der Welt vorgeht. Über das, was du da oben beschreibst, lieber Emil, mache ich mir so meine eigenen Gedanken. Ich behalte es aber lieber für mich.

    • Der Emil sagt:

      Das beste Beispiel dafür ist doch diese Kanzlerdarstellerin, diese Frau(?), bei der die Schwerkraft zuerst an den Mundwinkeln siegte, und die alles, was dem Volk wirklich dient, alternativlos zusammenstreichen muß, damit für sie genug übrigbleibt.

      Wandlitz? War harmlos gegen unsere jetzigen Politikerschauspieler.

      PS: Ja, es gibt einige wenige Ausnahmen, in allen Parteien …

  5. ullli23 sagt:

    Weitere Angaben zum Fall „Reis“:

    – es handelte sich um Basmati-Reis
    – das Absperrband der eingetroffenen Polizei war safrangelb
    – der vom Sack erschlagene Hund wurde später mit Reis verzehrt
    – nur der Sack-Umwerfer kann die genaue Uhrzeit kennen!

    😉

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