Etwas hinterläßt jedes Nichts: Spuren und Erinnerungen
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Auch wenn nichts bleibt, so hinterläßt doch alles seine Spuren. Überall.
© 2012-11-02 Der Emil. Kommentar zum fünften «Bild von Nichts».
Und damit ist der Satzanfang («nichts bleibt») schon ad absurdum geführt, denn die Spuren bleiben. Sichtbare – wie im dort gezeigten Bild – und unsichtbare. In meiner Erinnerung, in meiner Seele, in meinem Herzen. Vielleicht ein Schmerz, ein Hauch von einem Duft, eine kleine Melodie.
Erinnerungen, die auch Dinge haben, die Dinge zumindest zeigen können: Die Mauer in Nagasaki, auf der die Umrisse eines Menschen zu sehen sind; die Steinplatte, in der die Fußabdrücke des Sauriers erhalten blieben; die Baumrinde oder die Bank, in die jemand ein Herz schnitzte; die Stufen, die von Tausenden Schritten abgetreten sind; die als Hysterese bekannte Eigenschaft mancher Materialien; die Randfichten, die – ganz am Rand, an der Sturmkante des Waldes wachsend – nur an einer Seite Äste haben.
Die Stelle auf dem Friedhof, an der sich das Grab eines lieben Menschen befand.
Die Kindheitsträume, die ich wiederholen kann, wenn ich Schnee oder frischgesägtes Fichtenholz oder Pilze rieche.
Die Lücke in der Häuserzeile.
Das Gefühl, das mich überfällt, wenn ich an die Liebste denke.
Immer blieb und bleibt etwas (in mir) zurück: eine Spur, ein Schatten, ein Abdruck, eine Erinnerung.
Nicht nur für Menschen scheint zu gelten: «Niemals geht man so ganz.» (Trude Herr)
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 2. November 2012. Allerseelen, waren mein Besuch in einer Kirche, die angezündete Kerze, ein Gang über den Stadtgottesacker, leckere Bratwürste, ein wunderguter Ausspruch, der seltsamerweise (und von mir nicht gewußt oder beabsichtigt) zeitlich und thematisch passend zu einem anderen Diskurs über das Spurenhinterlassen aus mir herausmußte.
© 2012 – Der Emil. Text & Bilder stehen unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
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🙂 mich freut, was du da schreibst!
Das absolute Nichts scheint es wirklich nicht zu geben. Abgesehen von dem Spruch „Irgendwas ist immer“ …
Stimmt, die Physiker sind gerade dabei, es zu erforschen. Und sie rufen dabei nach den Philosophen, die die Welt neu erklären sollen.
Oh ja. Dazu hatte ich am Ende meines Textes am 27. März 2011 ja schonmal eine Frage gestellt.
Wie ist es: Wäre ein existierendes Nichts nicht eher ein Etwas denn das Nichts?
Aber von allem, was sich umgangssprechlich „in Nichts auflöst“, bleibt eben doch etwas zurück.
Ja, es ist Etwas.
mir hat dein Satz schon auf pixartix total gut gefallen, deine Ausführung krönt ihn!
ich muss gerade darand denken, dass wir als Kinder spielten: denk mal an Nichts … unweigerlich hielten wir die Luft dabei an, aber nie gelang es wirklich nichts zu denken. „Es“ denkt sich, ob ich nun beteiligt bin oder nicht.
Und doch muß dieses Nichts auf irgendeine Artt und Weise …
Obwohl: Wenn eine Frau micht fragt, woran ich gerade denke, dann kann ich mit gutem Gewissen sagen „an Nichts“; allerdings ist es dann eher so, daß ich nicht denke, sozusagen in einer Art ZEN-Meditation (durch bzw. über Genuß der Ruhe, der Körperhaltung, der Geräusche, des Betrachteten) versunken bin … Als Kinderspiel kannt ich das aber nicht.
Frauen fragen, was denkst du, Männer atworten an Nichts, Frauen können es (kaum) glauben 🙂 gerade eben bekomme ich, dank dir, ein Gespür …
Oh. Das macht mich neugierig auf einen dazugehörigen Blogtext 😉
…als ich ein Kind war, sagte mal eine Frau zu mir, du bist ein *Nichts* genau wie deine Eltern !
Ich war sehr gekränkt obwohl ich eigentlich gar nicht wusste was sie meinte.
Echt, Leute gibt es …. sie hat mich eigentlich öfters beleidigt, so— wie aus dir wird eh nix, sieh doch wie du aussiehst… , deine Eltern sind arm und nicht gerade schlau, …
echt die Frau hatte sie in meinen Augen nicht alle 😉 , meinen Eltern habe ich davon nie was gesagt, ich wollte nicht das sie wissen wie diese Frau über sie denkt….
Ich habe mich schon darüber geärgert, meiner Lehrerin hatte ich davon erzählt, sie war super nett, sie meinte ich soll sie einfach ignorieren.
Du kannst alles werden, was du willst. es spielt keine Rolle woher du kommst sondern der Wille dahin zu gehen wo du gerne sein möchtest !
Sie meinte das Frau XY nur neidisch ist, weil ihre Tochter die in meiner Klasse war, eben nicht so schlau sei , wie ich , das arme Kind dessen Eltern nicht mal einen Beruf erlernt haben.
Kennst du die unendliche Geschichte, da will auch das Nichts alles verzehren.
Das alles fiel mir grad so ein als ich deinen Satz gelesen habe 😉
Was für Gedanken doch nur ein Satz auslösen kann 😉
LG TB
In der unendlichen Geschichte war das Nichts doch die Abwesenheit von Phantasie und Glauben?
Bei Deiner Geschichte, in der Du als „nichts“ bezeichnet wurdest, mußte ich sofort andie „Internationale“ denken:
«… ein Nichts zu sein, tragt es nicht länger! Alles zu werden, strömt zuhauf!»
OH, dein Text hat mich gerade sehr berührt, weißt du, weil…es so sehr zu dem passt, was ich gerade erlebe – ich erlebe praktisch genau das: Niemals geht man so ganz. Immer bleibt etwas zurück. Und irgendwie macht das so ein schönes Gefühl in mir und ich möchte es am liebsten in die Herzen all derer legen, die Angst haben, dass nichts bleibt, wenn sie gehen. Weil das niemals so sein wird.
Ich dank‘ dir.
LG, Meike