Hilflos (#261)

Zu meiner psychischen Situation

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Hatte ich es schon erzählt? Doch, ich denke, daß ich das nicht verschwiegen habe. Was? Na, daß ich depressiv bin, also an Depression erkrankt. Klar nehm ich Pillen, versuche ich, einen Therapeuten zu finden. Aber an diesem Wochenende grübelte ich wiedereinmal daran herum:

      Ist Depression heilbar?

Am Sonnabend auf dem Landespsychiatriefest schwappte diese Frage in mir hoch. Nachdem ich mich jetzt einige Wochen gut abgelenkt habe von einer Tatsache, die mich doch sehr niederdrückt. Denn die Ungewißheit hat diesmal (noch) nicht dazu geführt, daß ich wirklich abrutschte ins Loch. Die Verweigerung hat in mir (noch) nicht zur Abwertung und Ablehnung geführt. Aber ich muß kämpfen gegen den Sog nach unten.

Seit ich an der Gesprächsrunde zum Thema «Betroffene helfen sich selbst – wobei können beruflich Tätige behilflich sein?» teilgenommen hatte, fiel mir der Mangel an professioneller Hilfe wieder auf: Ich habe seit Dezember 2011 noch immer keinen (neuen) Therapeuten gefunden. Ich stehe ohne professionelle Hilfe da, bin sozusagen hilflos. (Im Oktober soll ich einen Termin bekommen.)

Also nochmal: Ist Depression heilbar?

Wissen kann ich das natürlich nicht. Bei mir sind die Heilungschancen und die Chance auf Stabilität zur Zeit sogar eher gering. Ja, wenn ich ein glückliches Leben, ein zufriedenes Leben führen könnte, wenigstens teilweise zufrieden und nicht so ungewiß, abgestellt wie jetzt, dann hoffte ich schon, daß auch meine Depression heilbar sei.

Doch ich bedarf der Hilfe eines Profis. Das merke ich immer deutlicher.

Vielleicht habe ich ja mit meinem Hausarzt wieder mehr Glück als normal. Denn er ist als bisher einziger Arzt namentlich genannt unter den Kooperationspartnern beim Bündnis gegen Depression in Magdeburg und Halle – Sachsen-Anhalt. Wer weiß, wer weiß …

In den nächsten Tagen werde ich verstärkt auf mich aufpassen und auf meine Bedürfnisse … (Hach ja, da war doch mal was?)

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 16. September 2012 war geschaffte Arbeit fürs Radio; ich habe für Februar 2013 nämlich eine Sendungsidee gehabt und diese notiert und ausgearbeitet.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Hilflos (#261)

  1. anja und co sagt:

    Wir wünschen eine Gute Woche, in der es gelingt die Sonne im Herzen wahrzunehmen!
    Liebe Grüße, anja und co

  2. Ellen sagt:

    Lieber Emil,
    ich möchte keinesfalls mit einer Art „gefährlichen Halbwissens“ auf Deine Frage antworten.
    Daher meine äußerst vorsichtige Formulierung: Soweit mein Kenntniss-Stand ausreicht (!), gehen neuere Forschungen von einer Heilbarkeit aus. Wenn ich es recht erinnerlich habe, liegt ein gestörter Gehirnstoffwechsel (die Botenstoffe „docken“ nicht so an, wie sie sollen) der Depression zugrunde. Es wurden, soweit ich mich erinnere, auch mit Kombitherapien hier Heilungen erzeilt, Licht+Psycho+Tablettentherapie i.V.m. Ausdauertraining.
    Ich hoffe sehr für Dich, dass Dein Hausarzt hier ein guter Ansprechpartner ist…wobei, ich glaube ja nun nicht an Zufälle 😉 es sollte (vielleicht?) so sein, dass Du sein Patient wirst.
    Da wünsche ich Dir von ganzem Herzen, dass Du in kompetenten Händen gelandet bist und Vertrauen (das ist ja enorm wichtig) aufbauen kannst.
    Und ja bitte, gehe achtsam mit Dir, Deinem Körper um. Jede Störung der Einheit Körper,Geist,Seele gibt Krankheiten Nahrung, bitte setze sie deshalb, so gut Du es vermagst, auf Diät 😉 tu Dir Gutes, Du bist es (Dir) doch wert…
    lG
    Ellen

    • Der Emil sagt:

      „Ausdauertraining“? Und vielleicht auch noch Sonne?? – Okay, also doch unheilbar für mich, könnte ich jetzt sagen 😉

      Weil ich schonwieder drüber schreiben kann, ist es lange nicht so sclimm, wie es sich liest. Und im Moment ist die größte Störung die Verschiebung des Schlaf-Wach-Rhythmus.

  3. kieselsteine sagt:

    Komm doch einfach auf meinen Blog und schau Dir all die schönen Sachen an, die ich gemacht habe. Das macht Dich wieder froh.
    Nein, das war jetzt unpassend, oder ?
    Aber Goethe war schon passend mit seiner Aussage, dass der Orakelspruch von Delfi fiess sei.
    Er führe in die Irre.
    „Erkenne dich selbst“
    sei ein gemeiner Trick von diesen alten Priestern, meinte er.
    Denn er verführe den Menschen dazu in sich, sich selber zu suchen.
    Dabei gehe das gar nicht.
    Der Mensch könne sich nur erkennen in der Welt draussen !
    Und die Welt könne er nur erkennen in sich.

    Liebe Grüsse
    patrick

    • Der Emil sagt:

      „Das macht Dich wieder froh.“ Wenn es so einfach wäre, wären nicht so viele Menschen davon betroffen.

      Der Goethe hatte schon Recht. Und trotzdem suche ich nach mir ….

  4. Follygirl sagt:

    Toll das mit dem Radio!
    Nicht gut, wie das mit Dir ist…so lange ohne einen Therapeuten? Das finde ich dann schon bedenklich.
    Wünsche Dir, daß Du diese Woche gut überstehst.
    LG, Petra

    • Der Emil sagt:

      Dir wünsch ich dasselbe, Dir und allen um Dich herum.

      • nextkabinett sagt:

        Lieber Emil,
        die anderen sagen alles, was richtig und wichtig ist. Ich will das gar nicht wiederholen. Mach das Radio weiter, das hält Dich stabil. Ebenso die Daily Blogs. Mach alles so weiter, wie Du es machst und kannst. Wenn es Dir mit dem frühen Aufstehen zu viel wird, geht zu Deinem Hausarzt und lass Dich von Deinem Hausarzt immer mal ein paar Tage krank schreiben. Quäl Dich nicht damit herum. Es ist nur eine Maßnahme und andere würden das auch tun. Wichtig ist, dass Du ärztliche Atteste hast. Basta! Wenn Du krank geschrieben bist, dann kannst Du natürlich nicht so lange und ausdauernd in der Stadt unterwegs sein, aber Du kannst es, weil Du ja wegen der Depression krank geschrieben bist und nur in der Wohnung sein nicht zu Deiner Gesundung beitragen würde. Ich bin die Frau für die praktischen Tipps. 😉

        Ansonsten denke ich, Depression ist heilbar, es ist ein langer Weg, aber es ist möglich. Nun kenne ich Deine Diagnose und weiß, dass es für Dich besonders schwer ist. Vielleicht ist Deine Depression nicht vollkommen heilbar, aber sie ist minder- und linderbar. Davon bin ich felsenfest überzeugt.

        Bis Oktober ist es nun auch nicht mehr so lange, jetzt hast Du ein gutes Jahr durchgehalten, die restliche Zeit schaffst Du auch noch. Noch ein praktischer Tipp: Wenn Du krank geschrieben bist, dann geht doch mal in Deine Tagesklinik. Die müssten doch ambulante Nachsorgetermine anbieten oder etwa nicht? Da würde ich mich auch nicht abwimmeln lassen. Notfalls sollte Dein Hausarzt dort mal anrufen.

        Die Wartezeit für Therapien ist hierzulande wirklich übel, aber sie ist eine Realität, mit der wir umgehen müssen. Ich sage das jetzt mal so: Mein Eindruck ist, dass sich Frauen ab einem bestimmten Punkt eher und intensiver um Therapeuten bemühen, insbesonders nach Kliniksaufenthalten. Männer scheinen da eher auf kompensatorische Strategien zu setzen. Ja ja, ich höre schon, was Du sagst, Du bist ja eigentlich eine Frau in einem Männerkörper usw. usw. und das gilt für Dich nicht. Dennoch, nach Deinem Kliniksaufenthalt warst Du häufig bei Deiner Liebsten usw.. Von Ferne schien es mir, dass Du ganz viel positive Energie aus dieser Beziehung nehmen konntest, was so eine Beziehung in solch einer fragilen Lebensphase auch schnell überfordern kann. Denn Liebe allein ersetzt leider keine Therapie. So ging Zeit ins Land, die Du mit anderem beschäftigt warst. Ich weiß nicht mehr, wann Du begonnen hast, nach einem Therapeuten zu suchen. Insofern glaube ich, dass Deine Wartezeit durchaus dem entspricht, was üblich ist. Womit es nicht gut ist, aber das ist jetzt nicht mein Argument.

        Also nochmal konkret gesagt, jetzt ist Durchhalten das Wichtigste und wenn es Dir hilft, lass Dich öfters mal ein paar Tage krankschreiben und versuche währenddessen, irgendwo ambulant ein paar Gespräche zu bekommen. Was ist mit kirchlichen Trägern? Die haben doch auch ambulante Dienste? Notfalls fährst Du halt mal nach Leipzig. Und allernotfalls gibt es ja auch noch die Telefonseelsorge. Die sind ja auch fachlich geschult und können Dir zuhören. Und ja, es gibt in Halle und/oder Leipzig bestimmt auch Selbsthilfegruppen, die man jederzeit aufsuchen kann. Wichtig ist, einfach alles zu probieren.

        Liebe Grüße,
        Renate

  5. Ach Emil, mir geht es auch oft so schrecklich, ich versuche einfach weiterzumachen. daran zu denken, das ich freunde habe, wieviele habe ich eigentlich, und habe ich überhaupt welche. jetzt will ich nach hause ziehen um meine depression köln zu beenden. letzte woche haben sich 3 menschen vor den zug geworfen. mensch das war schrecklich für mich. ich hoffe, dass dir jemand helfen kann. 😉 ich drück dich. deine steff

    • nextkabinett sagt:

      Ach je, liebe Steff. Das ist traurig zu hören. Nach Hause? Heißt das, nach Bochum? Täglich von Bochum nach Aachen zur Arbeit pendeln?
      Ach je, ist es wieder soweit mit den Zügen? September, ja, jetzt geht es wieder los. Und ja, Köln kann ganz schön depressiv machen, Frankfurt auch. Und rund um den Eigelstein habe ich auch mal gewohnt, es war auf Dauer schlimm dort. Ich kann Dich total gut verstehen. Ich wünsche Dir alles alles Gute und die beste Entscheidung für Dich.
      Liebe Grüße, Renate

  6. Lieber Emil, ob Depression heilbar ist? Ich weiß es nicht. Ich hoffe es für dich und alle Betroffenen. Es ist schlimm, wenn man einen Therapeuten und Hilfe braucht und man wird vertröstet auf einige Wochen, wenn nicht sogar Monate bis man einen Termin bekommt. Pass gut auf doch auf. Ich wünsche dir, das du dann im Oktober einen guten Therapeuten bekommst.
    LG Gabi

  7. Frau Momo sagt:

    Ob es heilbar ist, weiß ich auch nicht. Wir haben das beide auch hinter uns. Bei mir war es aber wohl mehr Begleiterscheinung meiner anderen Erkrankungen. Martin hatte vor 3 Jahren sehr heftige Depressionen. Wir beide waren auch in Kliniken, ich insgesamt fast 1 Jahr, verteilt auf 3 Aufenthalte. Martin war 6 Wochen weg und war davor und danach in neurologischer Behandlung. Ich habe sehr lange auch ambulante Therapie gemacht und gehe heute noch einmal im Monat, sozusagen zum Ausschleichen.
    Wir leben beide ohne Medikamente (ich hab nur einmal kurz Antidepressiva genommen, sonst nie), die Depressionen sind zur Zeit kein Thema hier. Aber ich denke schon, das sie wiederkommen können. Eine gewisse Achtsamkeit ist schon wichtig, das Erkennen eigener Grenzen und der Respekt selbiger.
    Die therapeutische Versorgung ist unter aller Kanone, auch hier in Hamburg. Ich hatte Glück und habe einen sehr guten Therapeuten gefunden, zu dem ich jetzt seit 8 Jahren gehe. Davor hatte ich einen Therapeutin bei der ich auch lange mit meiner Essstörung in Behandlung war. Die war auch der Auslöser für meinen ersten Aufenthalt im Allgäu.
    Ja, ja die eigenen Bedürfnisse….. mit denen tue ich mich auch schwer….
    Hast Du eigentlich mal über eine vorrübergehende Berentung nachgedacht? Das würde Dir zumindest Situationen wie jetzt ersparen und das muß ja nicht für die Ewigkeit sein.

    • nextkabinett sagt:

      Liebe Frau Momo,
      ich danke Dir für Deine Offenheit. Alle Kommentare hier sind sehr berührend. Ich denke, schwere Depressionen sind nur schwer heilbar, wo man langfristig Medikamente nehmen muss, ist eine Heilbarkeit schwer.

      Mittelschwere und leichte Depressionen sind mittelschwer bis leicht heilbar, da ist es eine Frage der Zeit, des richtigen Therapienmixes und des richtigen Therapeuten und eine Frage der eigentlichen Ursachen der Depression, denn ich denke, dass die meisten Depressionen nicht die Ursache an sich, sondern ein Symptom für die eigentlichen Störungen sind. Häufig frühkindliche Traumatisierungen, die sich hierzulande transgendermäßig durch die Familiengenerationen sind. Konkret gesagt, tragen die Enkelinnen und Enkel oftmals die Verletzungen der Großeltern aus und die Kinder diejenigen der Mütter, weil diese innerhalb der Familien verborgen weitergegeben werden. Also können beispielsweise Essstörungen der Töchter Reaktionen auf Gewalterlebnisse der Mütter und Großmütter sein. Dies wäre die Nachkriegsgeneration der 1940er Jahre. Was haben die jungen Menschen damals erlebt und verdrängt, um zu überleben? Die Terrorregime der Nazis, dann der Stasi, Krieg mit allen Facetten, Vergewaltigungen, Kriegsgefangenschaft, Hunger, Bombenangriffe, Flucht, heimatlos, die Alliierten in allen Facetten usw. usw. Schon diese Generation trug das Erbe des Ersten Weltkrieges in sich … Traumatherapeuten wissen um das alttestamentarische Zitat: “ Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifriger Gott, der da heimsucht der Väter Missetat an den Kindern bis in das dritte und vierte Glied, die mich hassen; (2. Mose 34.7) (Jeremia 31.29-30) (Hesekiel 18.2-3) (Hesekiel 18.20) “

      Ich bin auch schon durch diese Mühle gegangen, hatte summasumarum Glück in allem. Ein Kliniksaufenthalt gegen Born out und Depressionen brachte mich schließlich auf die richtige Spur. Es folgte der totale Zusammenbruch. Medikamente habe ich probiert, mich diesen aber verweigert. Es dauerte Jahre, bis ich wieder halbwegs stabil war. Ab einem bestimmten Punkt habe ich mich selbst nicht mehr als depressiv empfunden und auch diese Diagnose nicht mehr akzeptiert. Ich habe gespürt, dass da etwas ganz anderes sein muss. Glücklicherweise war ich nie dissoziiert und meine narzistischen Persönlichkeitsstörungen hielten sich in engen Grenzen. Bei Wildwasser e.V. habe ich Frauen mit heftigen multiplen Persönlichkeiten kennengelernt. Wie gesagt, für mich ist Depression ein Symptom für andere Ursachen und es ist ein medizinpolitisches Label, weil es eine anerkannte Diagnose für Psychotherapien ist. Noch vor zehn, zwölf Jahren, als es mir schlecht ging, hätten Ärzte keine Diagnose für beispielsweise Borderline oder Traumatisierung stellen können. Dafür erhielt man keine kassenärztlichen Therapiestunden. Insofern hat sich schon etwas getan. Aber es bleibt ein langer Weg.

      Liebe Grüße aus dem Kabinett von der Social Secretary

  8. Margot sagt:

    Lieber Emil, ich möchte und kann Dir keine Ratschläge geben, denn jeder Mensch ist anders, wenn auch gleich. Depression, Nachdenklichkeit, Unzufriedenheit, Kummer, es liegt, für mich, alles so nah beieinander. Wo fängt etwas an und wo hört etwas auf? Ich weiß es nicht, aber ich hoffe und glaube daran, dass Deine Depression heilbar ist. Du gehst an die Öffentlichkeit, versteckst Dich nicht, das ist ein sehr gutes Zeichen. Ich glaube, Du hast sehr viel Ablehnung gegen diese Gesellschaftsordnung, siehe auch die Suche nach einem Therapeuten, was ich verstehen kann, nur lehne Dich nicht ab. Es ist von größter Wichtigkeit. Lasse dich nicht in ein Loch fallen, sage Dir, Nein, ihr bekommt mich nicht klein … so mache ich es, wenn ich mal „unten“ bin … Dir wünsche ich viel Kraft und Ausdauer um diese ungewisse Zeit zu, überwinden. Verzeih, wenn ich etwas Falsches gesagt habe, der Mensch kann nur so schreiben, wie er es versteht. Wie ich es auch verstehe, ich wünsche dir auf alle fälle alles Liebe und Gute.
    Liebe und herzliche Grüße, Margot.

  9. Gudrun sagt:

    Lieber Emil, ich würde dich gerne mit einer nahen Verwandten reden lassen. Sie hat das ganz gut im Griff, weiß, was zu tun ist, wenn sich etwas andeutet. Ich glaube, das ist die einzige Möglichkeit: Man lernt sich kennnen, und seine Befindlichkeiten. Einfach, um gegensteuern zu können. Vielleicht klappt es ja mal.
    Ich finde das richtig gut, was du für’s Radio tust. Du machst das gut und ich glaube, dir tut es auch gut.

  10. Elvira sagt:

    Ich sehe das mit den Depressionen wie mit meinem Rauchen. Ich bin seit einigen Jahren nichtrauchende Raucherin, nichts gibt mir die Sicherheit, nicht in einer Lebenskrise wieder in ein Zigarettengeschäft zu gehen und erneut mit dem Rauchen zu beginnen. Mit den Depressionen habe ich mich gerade arrangiert und nehme Tabletten. Ich habe sie vor drei Wochen abgesetzt und beobachtete, wie eine bleierne Müdigkeit sich daran machte von mir Besitz zu ergreifen. Depression als Krankheit halte ich nicht für heilbar, aber sie ist mit Unterstützung in den Griff zu bekommen. Und das ist etwas, das Du schaffen wirst. Einfach schon deshalb, weil Du Dich nicht einigelst, weil Du es schaffst, das Bett zu verlassen und aus dem Haus zu gehen.
    Liebe Grüße von Elvira

  11. Der Emil sagt:

    (Sammelantwort an alle, die mir soviel Mut machen)

    Heilbar oder nicht ist vielleicht garnicht die richtige Frage. Behandelbar ist Depression, auch mit Mitteln der Selbsthilfe, auch mit eigenem Bemühen und Genießen. Und selbst wenn ich davon geheilt wäre, blieben mir die Narben, die irgendwann schmerzen oder auch wieder aufreißen könnten. Also stelle ich jetzt für mich fest:

    Depression ist behandelbar, sogar soweit behandelbar, daß keine Symptome der Erkrankung mehr feststellbar sind.

    Dieses tägliche Schreiben, das Radio im Ehrenamt und noch ein paar andere Dinge gehören zu meiner Strategie, mich selbst zu stabilisieren. Aber es gehört eben auch dazu, daß mir das mal mehr, mal weniger gut gelingt. Und wenn – wie jetzt – mehrere deprimierende Ereignisse und Zustände gleichzeitig mich belasten, dann verliere ich eben auch wieder ein Stück Stabilität. Doch das Wissen darum und die Erfahrungen damit wachsen und sorgen dafür, daß nicht jedesmal eine Katastrophe „schwere Depression“ hereinbricht, wenn eine „Katastrophe“ mich ereilt. Soweit bin ich also schon.

    Vielen Dank nochmal für alle eure Kommentare, auf die ich jetzt aber nicht mehr im Einzelnen eingehen kann.

  12. Stay Heavy and Stay Rock!

  13. Himmelhoch sagt:

    Meine Erfahrungen mit diesem Krankheitskomplex ist unter anderem, dass es darauf ankommt, ob es eine endogene oder exogene Depression ist. – Ich nehme seit ca. 1999 Medikamente (ein Lithiumpräparat) und habe mehr als schlechte Erfahrungen gemacht, als ich es absetzen wollte. Ich bin gut eingestellt und komme einigermaßen gut über die Runden, obwohl ja mein Problem eher das Gegenteil von Depessionen ist – zumindest in der größten Teil der Zeit.
    Ich wünsche dir von Herzen alles Gute, lieber Emil.

    • nextkabinett sagt:

      Ah, ich fühle mit Dir, liebe Himmelhoch. Ja, soweit ich es weiß, sind für Dich Lithiumpräparate sehr hilfreich. Du hast Recht, man muss zwischen endogener und exogener Depression unterscheiden.

      • Himmelhoch sagt:

        Ich bin der absolute endogene Typ – leider schwerer zu behandeln, da ich nicht mit schönem Wetter, funktionierendem Umfeld und „Reichtum“ glücklich gemacht werden kann, sondern die Schübe kamen und kommen ziemlich unabhängig davon von diesen äußeren Erscheinungen.

        • nextkabinett sagt:

          Ja, liebe Himmelhoch, das ist perfide, wenn man so zum Spielball von etwas wird, was man gar nicht selbst steuern kann.
          Ich wünsche Dir weiterhin alles Gute, dass Du weiterhin gut eingestellt bleibst und Du Dein Leben, so wie es ist, gut leben kannst. Dein Blog gefällt mir gut, ich werde ihn ihn Ruhe anschauen.

          Bis bald wieder,
          die Social Secretary

  14. Sofasophia sagt:

    ich sag nur: leidensgenosse …
    ich glaube, die antwort ist ja. jetzt glaube ich das. nicht immer allerdings. aber ich hoffe, dass ich es immer glauben kann. sonst … nein, nicht auszudenken.

    herzliche grüsse, soso

  15. herr_momo sagt:

    Bei mir hat sich das Drama mit Unterbrechungen über fast acht Jahre hinweg gezogen, ein ewiges auf und ab aus schlechten und nicht so guten Zeiten, unterbrochen von Hochphasen, in denen es grosse Veränderungen in meinem Leben gab.

    Wirklich besser geht es mir erst nach einer dritten stationären Therapie, nach der es zu einer vorübergehenden Teil-Berentung kam, die eine Menge Druck von mir genommen hat – und damit die Chance gab mich neu zu orientieren – und meine Grenzen neu zu definieren. Seither geht es eigentlich langsam aber beständig bergauf, meine psychosomatischen Symptome schwinden im gleichen Mass, wie meine Belastbarkeit steigt – und inzwischen arbeite ich wieder Vollzeit und teilweise sogar darüber hinaus.

    Ganz wichtig ist dabei die Struktur, die von aussen (auch von der Arbeit) kommt, und die mir hilft, z.B. einen stabilen Tag-Nacht-Rhytmus zu halten, so dass ich jetzt seit zwei Jahren völlig ohne Medikamente auskommen kann.

    In dem Zusammenhang ist vielleicht auch noch wichtig, dass meine Umwelt (auch mein Arbeitgeber) über meine Erkrankung informiert ist – und ich offen darüber reden kann, wenn ich mal Tage habe, an denen es mir nicht so gut geht. Damit besteht auch kein Zwang mehr, in solchen Fällen irgend etwas „vorschieben“ zu müssen, oder meine eigenen Grenzen weiter überschreiten zu müssen als mir gut tut.
    Auch unerwartete Ereignisse werfen mich nicht mehr gleich um, weil ich weiss, dass ich mit der besten Ehefrau von allen zusammen immer eine Lösung dafür finden kann.
    Dies gibt mir viel Sicherheit und nimmt so auch die Ängste, die in der Frühphase meiner Depris immer eine grosse Rolle gespielt haben und wesentlich zu jedem Abrutschen beigetragen haben, weil sie mich völlig unfähig gemacht haben, Entscheidungen zu treffen oder zu handeln.

    Ob ich nun geheilt bin ?
    Ich weiss es ehrlich gesagt nicht.
    Aber zumindest fühle ich mich gesund und in der Lage ein „normales“ Leben zu führen.
    Natürlich bleibt dabei im Hinterkopf immer der Gedanke, dass es auch wieder anders kommen kann….

  16. Gabi sagt:

    Hier wurde ja schon sehr viel dazu gepostet und ich habe nicht alles gelesen. Ehrlich gesagt, ich weiß es auch nicht, ob es heilbar ist. Ich selbst war schon davon betroffen, jedoch in relativ leichter Form. Therapie und Antidepressiva hatten mir geholfen. Jedoch merke ich, dass in den letzten 2 – 3 Jahren vermehrt depressive Schübe auftauchen und ich dann sehr aufpassen muss, nicht ganz abzurutschen. Bis jetzt ist es mir gelungen. In der Familie haben wir auch einen schwereren Fall. Er hat es jedoch ebenfalls mit Therapie und Pillen in den Griff bekommen. Doch auch bei ihm gibt es immer wieder mal schlechte Tage.

    Ich wünsche Dir, dass du bald eine Therapie bekommen kannst und ich denke, mit all den Dingen, mit denen Du Dich sichtlich gerne beschäftigst, bist Du auf dem richtigen Weg.
    Alles Gute!
    LG Gabi

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