Letzter Ausweg (#224)

Irgendwie anders als üblich

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Eine gewitzte Angabe der Öffnungszeit. (Bild anklicken für größere Ansicht.)
 
Als ich unterwegs war zu meinen Freunden, am Donnerstag so gegen halb sechs abends, hatte ich nebenbei und ungeplant eine überraschende, angenehme Begegnung – eine von denen, die den Tag retten, die man nicht gleich wieder vergessen möchte und auch nicht gleich wieder vergißt. Es ist ja nicht so, daß ich diese Eckkneipe (laut außen angebrachter Werbung!) “Last Exit” noch nie gesehen hätte, nein, sie gehört zum Straßenbild. Doch diesmal war etwas anders. Mein Blick blieb nämlich an der offenen Tür hängen.
 

Ich stieß einen Laut der Überraschung aus: “Spätestens ab 18 Uhr geöffnet”. Da mußte ich meine Kamera herausholen und ein paar Bilder machen. Wahrscheinlich fiel das Blitzlicht auf. Der Wirt wurde neugierig, kam zur Tür und wollte wissen, was ich denn da so interessant und zum Lachen finde. Das mit der Öffnungszeit sei einfach Service für seine Gäste, die bei ihm Sportsendungen eines Bezahlsenders auf einer 2,50 m – Leinwand ansehen mögen. Wenn Wichtiges wie Fußball, Boxen, Formel 1 oder Rhythmische Sportgymnastik laufe, dann sei eben früher als 18.00 Uhr geöffnet.
 

Eckkneipe mit dem besonderen Etwas und einem humorvollen Wirt. Halle (Saale), Reilstraße Ecke Eichendorffstraße. (Bild anklicken für größere Ansicht.)Nach einem kurzen Schwätzchen über seine Wirtschaft (und meine Gartenkneipe, die ich in einem anderen Leben zwei Jahre lang betrieb) und die “Wirtschaft” ging ich dann meiner Wege. So sehr war ich noch mit dem Schmunzeln und schon mit der gedanklichen Formulierung dieses Textes beschäftigt, daß ich nicht einmal einen Blick auf die Karte warf.

Vielleicht hätte ich mir, wenn ich denn Geld mitgehabt hätte, auch ein oder zwei Bier gegönnt, als ich auf dem Heimweg wieder am “Last Exit” vorbeigehen mußte. Konnte ich aber nicht. So werde ich versuchen, am 17. August dortzusein. Wieso? Naja, ich könnte mir dann dieses Spiel ansehen, auf das mich Frau Nessy neugierig machte. Und ein oder zwei Bierchen trinken und mit dem Wirt ein paar Worte wechseln.
 

Ja klar, man kann diesen Text als Werbung für die Eckkneipe lesen. Doch es ist ein Nachhall des Lächelns, des Schmunzelns angesichts dieser interessanten Angabe der Öffnugszeiten so ganz anders als üblich. Wiedereinmal sehe ich, wie einfach die Tristesse des Alltags durchbrochen werden kann. Und welcher Ideenreichtum abseits der großen Werbeagenturen vorhanden ist, der dann noch besser als die “richtige” Werbung funktioniert. (Der Wirt weiß übrigens, daß ich über ihn und seine Idee schreibe.)

“Spätestens ab 18 Uhr geöffnet”. Wie einfach manches doch ist.

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 10. August 2012 waren der positive Ausgang eines Vorgesprächs für einen Radiobeitrag, das Treffen mit der allerallerallerbesten Freundin.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Letzter Ausweg (#224)

  1. Ich finde das klasse und allemal wirkungsvoller, als irgendwelche „Konserven-Werbung“ von sog. Profis. Der Spruch ist ein garantierter „Hingucker“! ;o) Und die Schrift ist auch noch schön. Mehr geht ja kaum. Viel Spaß, lieber Emil, wenn Du demnächst dort bist!

  2. Der Emil sagt:

    Au weia. Die Bild-Links stimmten nicht. Ich habs grad gemerkt und korrigiert.

  3. piri ulbrich sagt:

    Die Idee ist klasse, mich hätte er aber leider trotzdem nicht als Kunde, weil nämlich gequalmt wird.

  4. Frau Momo sagt:

    Das sind so Situationen, wie ich sie mag. Über sowas ins Gespräch zu kommen….

  5. Himmelhoch sagt:

    Für gute Sachen kann man gar nicht genug werben, da ja für schlechte viel zu viel geworben wird.

  6. minibares sagt:

    Solche tollen Ideen kommen auch einfach gut an. Das sieht man ja an dir, lach.
    Genial, solch ein Schnappschuß.
    Und schön, dass du mit dem Wirt sprechen konntest. Ich fotografiere eigentlich immer ohne Blitz. Aber dann hätte er dich ja nicht bemerkt…
    Und so wäre dir diese nette Begegnung entgangen….
    Ein richtig schöner Tag für dich, das freut mich ♥

  7. eija, manchmal isses echt einfach. mit oder ohne Blitze . wünsch dir auf alle fälle ein schönes wochenende. lg claus

  8. Inch sagt:

    Und was wäre schlimmes daran, wenn Du für dieses sympatische Stück Halle Werbung machen würdest? Spätestens ab 18:00 Uhr! Ein den Wünschen und Bedürfnissen seiner Gäste nach handelnder Wirt. Was kann es schöneres geben? Erinnert mich an die Dorfkneipen, die mit dem 1. Gats öffneten und mit dem letzten schlossen – oder danach. Da hatten sich die Wirtsleute ins Nebenzimmer auf die Couch verzogen und die Gäste gebeten, selber Strichlisten zu führen und dann beim nächsten Besuch zu bezahlen. Ob so was heute noch möglich ist?

    • Der Emil sagt:

      Klar ist es irgendwie schon Werbung. Aber das Wort «Werbung» hat so einen schalen Beigeschmack …

      Ich bin mir sicher, daß die von Dir genannten Gepflogenheiten auch heute noch möglich sind. Zumindest in echten Kneipen mit echten Stammgästen. Hier in der Stadt kenn ich EINE, gibts sowas in LE?

  9. Meike sagt:

    „…wie einfach die Tristesse des Alltags durchbrochen werden kann“, schreibst du – und erinnerst uns mit diesem Artikel daran, dass es eigentlich doch WIRKLICH einfach ist. Danke dafür. 🙂

  10. Amelie sagt:

    Ahh, die zweite Auflage der Theater-Theken-Nacht wirft ihre Schatten voraus. Ein Ereignis, für das ich sicher von der Elbe an die geliebte Saale wechseln werde.
    Gruß Amelie

  11. Pingback: Katzenschaufenster (#255) | Gedacht | Geschrieben | Erlebt | Gesehen

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