Die zwei Bunabrunnen
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Wieso gibt es in den Neubaugebieten der DDR so viele Skulpturen und Brunnen?
«Weil in der Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik zum weiteren Aufbau des entwickelten Sozialismus und zur immer besseren Versorgung der Bevölkerung unter anderem die Gestaltung eines attraktiven Wohnumfeldes mit besonderer Berücksichtigung bei der Stadtplanung und Stadtentwicklung der Wohnungsbaupolitik der Deutschen Demokratischen Republik unter Führung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands durchgeführt wurde.»
So oder so ähnlich hätte früher die Antwort auf einen Leserbrief an eine große Tageszeitung geklungen, die ich heute manchmal ganz gerne zur Hand nehme.
In den 50er, 60er und 70er Jahren wurde in den Wohngebiete viel für die Wohnumfeldverbesserung getan. (Besonders hier in Halle und in Halle-Neustadt ist deutlich zu sehen, daß erst in den 80ern gespart wurde.) Und so wurden Parks mit Brunnen, Skulpturen, Kinderspielplätzen angelegt. In den Wohngebietszentren gab es die zentralen Versorgungseinrichtungen mit Kaufhalle, Post, Bank und Dienstleisungsbetrieben (oft PGHs – ProduktionsGenossenschaften des Handwerks – und Annahmestellen des DLK). Zu nichts alltäglich Lebensnotwendigem durfte mehr als 10 Minuten (oder 15? Jedenfalls NICHT weiter!) Fußweg sein. Auch die Haltestellen des Personennahverkehrs waren so angeordnet, und die Busse fuhren in sehr dichten Takten.
Und deshalb gibt es in Halle so viele Brunnen.
Zwei hießen Bunabrunnen. Einer, der kleine Bunabrunnen, verschwand 2011, wurde abgebaut (und hoffentlich nicht ganz zerstört). Der große Bunabrunnen sprudelt noch heute. Wer auf der Merseburger Straße unterwegs ist, findet ihn zwischen Rosengarten und Damaschkestraße.
Der vom beinahe Universalkünstler Fritz Kühn gestaltete Röhrenbrunnen wurde 1964 errichtet.
Seitdem tröpfelt – mit einigen Unterbrechungen – das Wasser von oben ins Becken, seitdem sind die sechs Wasserberge zu sehen.
Noch heute treffen sich Menschen auf der Umrandung um den Brunnen herum, etwa 3 m entfernt vom Brunnenbecken mit immerhin 26 m Durchmesser. Sie war als Sitzgelegenheit konzipiert und wird noch als solche genutzt von den Hallensern aus den umliegenden Häusern.

Großer Bunabrunnen. Zwei der sechs Wasserberge, und im Tropfenvorhang steht die Trag- und Zuleitungssäule für die Röhren.
Ich hoffe ja, daß der Große Bunabrunnen weiterhin in Betrieb bleibt und abends von seinen 12 Scheinwerfern beleuchtet wird. Er ist noch immer Treffpunkt, Blickfang, Verbesserer des Mikroklimas.
Und er ist ein Stück – zwar “sozialistisch” verbrämte, aber eben doch – Kunst.
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 9. August 2012 war ein Besuch bei Freunden, den ich mit einer kleinen Besichtigug verbinden konnte.
© 2012 – Der Emil. Text & Bilder stehen unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
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Ich finde es wirklich schön, wenn es Brunnen gibt und die auch noch als Treffpunkt von den Leuten genutzt werden. (so wie in ganz alten Zeiten)
Lieber Emil, das ist vielleicht ein Ding. Mit dem Jan bin ich gestern durch mein unmittelbares Wohnumfeld in Grünau geschlumpert. Und da hatten wir das Theme auch. Ich wohne jetzt in dem zuerst gebautem Teil. Hier sind nicht nur die Wohnungen anders, noch nicht ganz so spartanisch angelegt, hier gibt es auch viele Grünanlagen (nicht nur Rasen mit einem Baum), Skulpturen (klar, wir haben eine Hochschule in Leipzig, die bestimmt einige Künstler hervorgebracht hat), ein Theater (jetzt Theatrium) und Brunnen haben wir auch. Die meisten sind trocken gelegt. Trotzdem kann man noch erahnen, wo das Wasser herunterlief. Und gestern kam ich wieder zu der Feststellung, dass es eigentlich schön ist, da wo ich wohne. Es gibt so viele Eckchen, wo man sich einfach hinsetzen kann, hinsetzen und schauen und hören …
Früher wohnte ich mal ganz hinten in Grünau. Zur Wohnungsbesichtigung hatte ich den Bauingenieur unserer Hochschule mit. „Meine Güte“, meinte er erschrocken, „die sparen ja immer mehr ein.“ Einige Zeit später erfuhr ich, dass er Bauleiter in Grünau war. Meine jetzige Gegend hat er noch mit gebaut.
Mit dem Begriff “sozialistisch” verbrämte Kunst habe ich mich recht schwer, denn manchmal wird einfach alles so bezeichnet, was aus der damaligen Zeit stammt. Es gibt aber nun nicht nur die Zeit nach der Wende und manchen Dingen und manchen Künstlern wird enfach nur Unrecht getan.
Gruß von der Gudrun, die jetzt mit dem Radel durch Grünau gurken wird, weil sie zum Bürgeramt muss, eigentlich schon weg sein sollte und wieder viel zu viel „gegackert“ hat. 😀
Hochschule für Bildende Kunst haben wir ja auch.
Kunst kann auch betrachtet werden ohne auf ihre politisch gewollte Funktion, ohne auf ihren politischen Aufttrag einzugehen. Das ist beileibe keine Reduktion auf bourgeois-ästhetische Aspekte! L’art pour l’art – sozusagen.
Jepp. 😀
Wenn ich in der C. Innenstadt bin, knipse ich auch mal den Brunnen, denn den finde ich auch wunderschön. Überhaupt haben Brunnen so etwas Romantisches an sich. Findest du nicht auch?
Ah – vage kann ich mich an einen Brunnen irgendwo beim Opernhaus, einen am Konreß, einen beim Busbahnhof erinnern. Lang, lang ist’s her!
Brunnen, dann noch so ein schöner, sind oft Treffpunkte für Leute. Das finde ich so wundervoll.
Dann ist der Brunnen auch angenommen, wie man so zu sagen pflegt…
Sehr schöne Fotos hast du aufnehmen können.
Dir einen guten Tag ♥
In den letzten Tagen gab es einige Phasen, in denen ich bei diesen tollen Fotos direkt in den Bildschirm gesprungen wäre! 😉
ich freu mich auf den tag, wo du dein blog nicht mehr schleichend verlässt, sondern mit glücklich hoch erhobenem kopf. 🙂
schöne bilder!!!
Ich schleich doch nur davon, um die Leser nicht bei der Rezeption meiner Kunst zu stören 😉
Ernsthaft: Die Wendung wird bleiben, weil man eben nicht nur traurig oder bedrückt schleicht.
oh, stimmt. hast ja recht 🙂 schleichen wird von mir zu unrecht mit bedrückt assoziiert.
danke für den hinweis!!!