Peinlich, oder? Aber egal.
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Irgendwie war das mal anders. Damals habe ich einfach drauflosgeschrieben. Also zumindest vor etwa 20 Jahren. Mußte ich gestern feststellen.
Die Liebste nämlich hatte von mir persönlich verfaßte Gedichte bekommen, damals, als sie zum ersten Mal meine Liebste war. Drei davon hatte ich nichteinmal in meinem Privatarchiv! Und sie hat sie mir jetzt ausgeliehen, zum Lesen. Und für den Blog hier.
Gelesen habe ich sie erst gestern, diese drei lyrischen Ergüsse. Und ich las sie mit einem seltsamen Gefühl. Ja, es drückte damals aus, was ich sagen wollte. Aber mit dem zeitlichen Abstand und einem veränderten Sprachverständnis und -gefühl … Heute würde ich so nicht mehr schreiben (können).
Und jetzt bin ich gespannt, ob ich mich traue, eines davon hier preiszugeben, eines dieser Gedichte, die jahrelang in einem Karton bei meiner Liebsten im Dunkeln lagen, ans Licht zu zerren.
Es ist so schwer!
Aaah – das kann peinlich werden!
Nein, lieber nicht. Das wird peinlich.
Andererseits hab ich jetzt alle neugierig gemacht und werde mich vor Anfragen nicht retten können.
Na gut.
Ich hab nicht viel von Dir gesehn
Nur Deine Brust im Dämmerlicht
Wir konnten auch noch nicht verstehn
Was da der Nordwind zu uns spricht
Ich hab nicht viel von Dir gewußt
Bevor ich zärtlich Dich berührte
Und langsam stieg in mir die Lust
Obwohl ich Dich noch nicht verführte
Du hast Geduld unendlich viel
Ich muß mich wohl nach Dir richten
Denn wenn ich schneller auf mein Ziel
Zugehen will muß ich verzichten
So selten ist Gelegenheit
Da wir alleine sind
Komm streif jetzt endlich ab Dein Kleid
Und häng es in den Wind
1995-09-05
Uff.
Nein, so würde ich heute nicht mehr schreiben. Daran würde ich (und werde ich vielleicht auch) noch herumwerkeln, bis es “rund” ist für mein Gefühl. Den Nordwind rausnehmen – was hat der da zu suchen? – und die Schwülstigkeit beseitigen.
Mal sehen, was ich daraus machen kann. Aus dem Gedicht, mein ich. Ein Wunder ist’s für mich ja schon, daß ich diese Frau immernochschonwieder liebe, nach all den Jahren – und daß sie mich auch liebt … Was allerdings daraus wird, das weiß bisher noch niemand. Nur Hoffnungen haben wir ganz viele ganz große.
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 22. März 2012 war der Kauf eines Vogelkäfigs beim Trödler für nur einen 5er, obwohl ich für das Reinigen des Teils bestimmt zwei bis drei Tage brauche..
© 2012 (1995) – Der Emil. Alle Rechte vorbehalten.
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Ich würd das einfach so lassen, so als Erinnerung… und wenn Du was schreiben willst, schreib was neues, was von heute.
LG, Petra
Emil, das war doch großartig und authentisch. Es klingt nach ehrlicher (jugendlicher) Leidenschaft und Sehnsucht – geschrieben mit viel Liebe…. …sage ich als Laie. DAFÜR brauchst Du Dich WIRKLICH nicht zu schämen…
Jugendlich? Mal nachrechnen: 1995 im September war ich (1995-1963=) 32 Jahre alt. Durchaus nicht mehr jugendlich 😉
Ja, ich war damals (und bin es heute) voller Leidenschaft und Sehnsucht und Liebe. Und ein wenig Koketterie ist mir doch gestattet, oder?
Peinlich ist es nicht- eher sehr anrührend, bisschen hilflos zart, nicht wissen, wohin mit tiefen Gefühlen; in den Wind hängen klingt astrein lyrisch!
Wen willst Du im Vogelkäfig gefangen halten? Ein fragiles Windvögelchen?
Gruß von Sonja
Der Käfig ist Futter-, Trink- und Schlafplatz für Herr Tschiep und Eh!Vieh!, meine beiden Nymphensittiche, die mit ansteigender Lautstärke ihrer Balz«gesänge» (bisher: neben dem Ohr quietschende Eisenbahnbremse; jetzt: neben dem Ohr quietschende Eisenbahnnotbremse) den Frühling begrüßen helfen.
; )
Es ist halt der frühe Emil. Lass es so. Weißt du, was ich mich am meisten beeindruckt: Deine Liebste hat es aufgehoben! Halt sie ganz fest, sie und deine frühen Gedichte.
Weißt Du, Gudrun: Sie hat all die Jahre alle meine Briefe aufgehoben und immer wieder drin gelesen … Da war ich sowas von platt, als ich das erfuhr. Denn ich habe ja vor Jahren (fast) alles entsorgt.
Überhaupt: Ich schwebe (innerlich) wieder …
Das ist wirklich erstaunlich, aber gut. Irgendwie rückt so etwas mein Weltbild wieder gerade. (Nicht weitersagen.)
Huch … Schickst Du mir bitte mal den Erklärbär vorbei?
So viel Poesie. Nein, nicht peinlich. Ganz und gar nicht.
Wir Frauen werden (manchmal) als hoffnunglos romantisch bezeichnet, dass wir Liebesbriefe, -gedichte, -E-Mails aufheben. Aber wie romantisch ist doch der Mann, der solche Zeilen verfasst.
Das ist ein wundervollen Kompliment an die so oft verteufelten Kerle. Danke.
(Och. So ein wenig Koketterie …)
Ich finde auch, Du solltest es nicht ändern. Es drückt Dich und Deine Gefühle aus, wie Du und Deine Gefühle damals waren.
Und es ist gut!
Das ist doch sehr schön. Der frühe Emil goes Goethe …
Nach dem, was Du noch in den Kommetaren sagst, ist doch vollkommen klar: Ihr beiden gehört wirklich zusammen und Euch wird jetzt nichts mehr auseinander bringen. Alles alles Gute weiterhin für Euch …
warum ändern? – Es ist, wie es ist.
„Komm streif jetzt endlich ab Dein Kleid
Und häng es in den Wind“ – gefällt mir sehr, weil…
Dieses Weil interessiert mich jetzt doch.
Und mich erst!
Danke für die netten Kommentare.
Ich bedanke mich auch im Namen von Emil.
Oh! Und ich danke Dir nochmal, daß Du alles aufgehoben und mir einiges davon jetzt geliehen hast ….
Gern geschehen und kein Problem!
Ich wünsche ALLEN ein wunderschönes WE!
ILDSWIN