Lebenskunst 05 (#074)

Suche Tiefe in allen Beziehungen

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Verschiedene Erlebnisse in der realen Welt und diverse Texte in der Blogosphäre bringen mich dazu, über Beziehungen in der Arbeitswelt nachzudenken. Über ihre Gestaltung und ihre Bewertung insbesondere in der sogenannten Kreativ«wirtschaft».

Der Erste, der darüber nachdenkt, bin ich nicht:

 
Lust am Leben wecken

Wer Verantwortung für andere hat, kann sie auf verschiedene Weise wahrnehmen. Er kann andere klein machen, damit er an seine eigene Größe glauben kann. Er kann abhängige Menschen um sich sammeln, deren einzige Aufgabe es ist, den Chef zu bewundern. Doch wenn ich andere klein mache, kann ich auch nur eine kleine Leistung erwarten. Und von Bewunderungszwergen wird nichts Kreatives ausgehen. Für mich heißt Verantwortung und Führung: Leben wecken, Leben hervorlocken. Das verlangt, dass ich mich in den Einzelnen hineinmeditiere, dass ich mir bewusst mache, was ihn bewegt, worunter er leidet, wonach er sich sehnt, was in ihm an Potential steckt. Es verlangt ein gutes Sichhineinspüren in den andern, um den Schlüssel zu entdecken, durch den ich Zugang finde zum inneren Reichtum, der in jedem steckt, zu seinen Fähigkeiten, zu seiner Phantasie und Kreativität. Wer Leben weckt in den anderen, dessen Arbeit ist in sich sinnvoll. Er dient mit seiner Arbeit dem Leben, der Gesundheit, der Freude, der Lust am Leben. Und er tut in seiner Arbeit nichts anderes, als das Gebot Jesu zu erfüllen: “Liebe Deinen Nächsten wie dich selbst!”

 
Anselm Grün: Buch der Lebenskunst; S. 108
Verlag Herder Freiburg im Breisgau 2002. ISBN 3-451-27997-3
 

Dr. theol. Anselm Grün OSB ist Benediktinerpater, Autor, Referent zu spirituellen Themen, geistlicher Berater und Kursleiter für Kontemplation, Meditation, geistliches Leben usw. Seit 1977 ist er Cellerar der Abtei Münsterschwarzach.
 
 

(Aufgrund seiner Kürze darf ich in Übereinstimmung mit den Zitationsparagraphen des UrHG den Text hier im Ganzen zitieren.)

Bewunderungszwerge – was für ein schönes Wort!

So. Und nun überlaß ich es meinen LeserInnen, sich Gedanken zu machen über die Qualität an unseren Theatern, über die Arbeit in Behörden, über die Texte in Zeitungen, über die Sendungen im Fernsehen, über das Klima in Betrieben …

Insbesondere «die Medien» – auch das Internet – aber besonders die Verlage, die zur Zeit das Leistungsschutzrecht erpressen wollen und die «privaten» Radio- und Fernsehsender solten sich Anselm Grüns Text zu Gemüte führen. Vielleicht verstehen «die Entscheider» ja doch, was da gesagt wird?

Dann könnte es mit «der Kreativwirtschaft» auch wieder vorangehen. Und die Diskussion um «freie Inhalte des Internet gefährden die reale Wirtschaft» und die (tatsächlich falsch benannte, denn Kennzeichen des Raubes sind Androhung oder Einsatz von Gewalt gegen Leib und Leben – aber ich bin kein Jurist) Raubkopie und die derzeitige Vergütung von Leistungen der Urheber, nicht der Vertreiber (wie passend, diese Wort), könnten endlich sachlich werden.

Ja, das klingt etwas verwirrt. Ich bin es auch. Nur kann ich leider nichts Genaueres hier preisgeben. Wie so oft nutzte ich mein Blog “nur” und auch zum lauten Nachdenken …

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 13. März 2012 war der Fund von 18 Büchern, 12 davon nagelneu und ungelesen, die ich einfach so mitnehmen durfte.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Lebenskunst 05 (#074)

  1. Hm. Ich selber mache die klein, die quatschend faullenzen, erkenne die an die so „gut“ wie ich sind und nehme Maß, gebe Anerkennung an Jene, die mich um Meilen überholt haben…

  2. Diese Gedanken sind alles andere als wirr. Du stellst einen logischen Zusammenhang her, der vielleicht erst mal nicht auf der Hand liegt. In sich ergibt das Ganze aber Sinn. Die Worte von Pater Anselm sprechen mir aus der Seele. Auch ich habe lange Zeit in so einem Szenario gesteckt und wäre fast dran zerbrochen. Vor allem, weil ich fortlaufend wider besseres Wissen versucht habe, eigene Ideen und Kreativität einzubringen. Das wurde zwar auch immer wieder eingefordert, am Ende dann aber regelmäßig mit Füßen getreten. Ich habe noch rechtzeitig die Kurve gekriegt und dann etwas gefunden, wo Respekt vor der Leistung und Persönlichkeit des einzelnen herrscht. Das spornt tatsächlich zu Spitzenleistungen an. Und der Spaß kommt dabei auch nicht zu kurz.

    Was die Entscheider betrifft bin ich pessimistisch. Diejenigen, die es verstehen, haben wahrscheinlich längst verstanden. Diejenigen, die es betrifft, werden artig Beifall zollen und behaupten, das hätten sie auch schon immer gesagt – und erwarten dafür Bewunderung von ihrem Zwergenvolk…

    P. S.: Erfrischende Frühlingsdeko übrigens. Wünsch Dir einen schönen Tag!

  3. wildgans sagt:

    Sag, wo findet man 18 frische Bücher?
    …in den inneren Reichtum eines jeden hineindenken….Wo kämen sie denn da hin, die Arbeitgeber? – Das ist keine Regel für den Kommerz, das ist für die ein Scherz.
    Auch in der Schule waren zu erreichende Standards die Regel- und lange nicht irgendwelche inneren Werte….Wenn Sie das und das nicht machen, kriegen Sie nicht den Stoff durch, den die Kinder fürs Abi brauchen….ja, mei…..
    Gruß von Sonja

    • der_emil sagt:

      Im Gebäude, vorm Eingang zum Discounter. Morgen zeige ich zumindest die ungelesenen davon 😉

      Bei uns in der Schule ging es aber um die „allseitig gebildete sozialistische Persönlichkeit“ – da wurde mehr achtgegeben auf das, was Innen war …

  4. Frau Momo sagt:

    Dieser Text hat vieles in sich, über das sich nachzudenken lohnt. Danke.

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