Leichte Sprache (#044)

Aus dem Bundestag

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Ja! Ja, ich informiere mich tatsächlich (sporadisch) auch über das, was im Bundestag der Bundesrepublik Deutschland abseits der großen Medienmeldungen geschieht.

Anfang Februar fand ich dort unter dem Titel Kultur für alle – Für einen gleichberechtigten Zugang von Menschen mit Behinderung zu Kultur, Information und Kommunikation einen Antrag der SPD-Fraktion zur «Leichten Sprache»:

 
«Die Leichte Spache wurde entwickelt für Menschen mit einer geistigen Behinderung oder geringen Sprachfähigkeiten. Sie arbeitet mit kurzen, einfachen Sätzen, vermeidet Fach- und Fremdworte, verzichtet auf Abkürzungen und den Konjunktiv, Texte werden übersichtlich gestaltet und arbeiten auch mit Bildern.»
 
Das Parlament, Nr. 05-06 2012, 30.1.2012 – Schwere Politik in leichter Sprache.
 

Leichte Sprache. So, daß nicht nur Menschen mit einer geistigen Behinderung oder geringen Sprachfähigkeiten, sondern auch Otto Normalbürger (nicht Normalverbraucher, der muß sowieso nichts verstehen außer “Kauf das!”) endlich einmal verstehen kann, was unsere Damen und Herren Politiker so von sich geben? Tolle Sache!

Das Bundeskabinett hat allerdings

 
«… am 15. Juni 2011 einen Nationalen Aktionsplan verabschiedet, um die UN-BRK in Deutschland umzusetzen. Bislang ist der Nationale Aktionsplan jedoch weit davon entfernt, die notwendigen Schritte zur gleichberechtigten Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am öffentlichen kulturellen Leben festzuschreiben. Über Willensbekundungen und Kann-Bestimmungen kommt der Nationale Aktionsplan der Bundesregierung nicht hinaus. Postulierungen reichen aber nicht aus, es bedarf konkreter Vorschläge für Maßnahmen und deren Umsetzung.»
 
Kultur für alle – Für einen gleichberechtigten Zugang von Menschen mit Behinderung zu Kultur, Information und Kommunikation (PDF | 5,3 MB), Antrag der SPD-Fraktion.
 

(Es bedarf nicht nur konkreter Vorschläge, es bedarf konkreter Handlungen.)
 
Das Interessante an diesem Antrag ist: er wurde selbst auch in «Leichte Sprache» übersetzt (zu sehen im verlinkten PDF auf den Seiten 6 bis 32). Und ich empfehle, dieses Beispiel einmal herunterzuladen und zu lesen.

Beispiel

Bildschirm-Snapshot: Beispiel für “Leichte Sprache”

Na gut, für mich muß es nicht unbedingt «Leichte Sprache» sein. Aber kurze und einfache Sätze, wenige Fremd- und Fachwörter, nicht ständig nur Verweise auf Paragraphen und ähnliches machen die Sprache der Politiker auch für mich verständlicher.

Bleibt mir nur die Frage: Wollen unsere Politiker überhaupt, daß das “gemeine Volk” sie tatsächlich durchschaut versteht?

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 12. Februar 2012 war ein leckeres Essen und meine Kreativität.

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Über Der Emil

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0 Kommentare zu Leichte Sprache (#044)

  1. Inch sagt:

    Kultur für alle… da denke ich nicht nur an Behinderte und eine vereinfachte Sprache, über die sich Politiker und Ausschüsse wieder monatelang streiten können.
    Kultur für alle… da denke ich zu allererts vor allem an Kultur für ALLE. Erwachsene, Kinder, Arme, Reiche, Behinderte, Nicht-Behinderte… also BEZAHLBAR für ALLE

    • der_emil sagt:

      Da wären wir wieder bei einer meiner Lieblingsfragen: muß der Staat für seine Bürger sorgen ODER seinen Bürgern was verkaufen (lassen)?

      Kultur und Bildung gehören zusammen. Bildung ist (im Prinzip, leider NUR NOCH im Prinzip) kostenfrei. Kultur sollte es auch sein – weitgehend. (Und der Staat könnte sich um die Künstler sorgen. Am Besten mit einem Bedingungslosen GrundEinkommen.)

  2. anniefee sagt:

    Höre (lese) das erste mal von dieser „leichten Sprache“. Interessant.
    Aber wie schon fragst… Politiker wollen sich als solches auszeichnen auch durch diese besonders „sachliche Sprache“.
    „Sie reden hier mit einer Härte, die nicht angebracht ist.“ statt „Jetzt regen Sie sich mal ab !“ *kicher*

    • der_emil sagt:

      Das geistert aber schon einige Jahre duchs Land: Leichte Sprache, Vereinfachte Sprache, Verständlich Sprache … Es gibt Kommunen, die für ihren Umgang mit Sprache hoch gelobt werden … (WIMRE hat die Uni Hannover einen nicht geringen Anteil an der Geschichte)

  3. Gudrun sagt:

    Für lange, verschachtelte Sätze, gespickt mit Fach- und Fremdworten, Abkürzungen und den Konjunktiv hat mir mein Deutschlehrer an der Penne mal den Kopf gewaschen. Vor der ganzen Klasse. „Du hältst dich wohl für besonders klug“, hat er gefaucht. Und ich habe mich geschämt. Der Auftritt war verpatzt.

  4. minibares sagt:

    Die Veröffentlichungen als Gesetze und ähnliches sind so grauenhaft. Da wäre einfache Sprache tatsächlich mal mehr als angebracht.

  5. In Leichter Sprache bloggen. Das wäre mal eine geistige Fingerübung…

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