Ein innerer Monolog.
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Jedes Jahr dasselbe: Wem schreibe ich eine Weihnachtskarte und welche Karten verwende ich? Stelle ich den Weihnachtskartenschreibereisinn wieder infrage? Heutzutage gibt es doch SMS, E-Mail und andere Möglichkeiten der sofortigen Kommunikation, wozu also diese lahmen Weihnachtskarten, die drei Tage unterwegs sind?
Gut, die Erbtante und Opa mögen all den “neumodischen Kram” nicht. Sie sind so altertümlich, daß sie noch nicht einmal einen Computer oder ein Handy besitzen. Vor allem Opa, der auch kein Telefon haben wollte: “Steht das Ding erstmal hier, seh ich euch auch nicht mehr.” Dabei war es genau andersrum. Weil wir weggezogen waren und die Fahrten zu ihm immer so teuer und zeitraubend waren, haben wir Opa den Telefonanschluß samt Telefon geschenkt. Und er? Sieht das Telefon als Grund allen Übels an.
Zwei Empfänger für Weihnachtskarten habe ich also schon. Opa könnte jetzt ruhig mal ans Telefon gehen – ich wollte ihn ja fragen, was er sich zu Weihnachten wünscht. Obwohl, die Antwort kenn ich doch schon: “Daß ihr alle mich mal wieder besucht.” Schön und gut. Weihnachten und Familie hin und her. Aber Opa wohnt wirklich am Arsch der Welt. In dem Dorf gibt es nichts. Kein Supermarkt, kein Bistro, nichts. Die nächste Autobahn ist über eine Stunde entfernt. Und ein Bus kommt nur noch zweimal am Tag ins Dorf. Von der Bushaltestelle braucht Opa mittlerweise auch fast eine Stunde nach Hause.
Wenn er doch nur ein Auto hätte! Dann wäre er nicht auf den Bus angewiesen. Er käme schneller zum Einkaufen und müßte nicht jeden zweiten Tag hin. Er könnte auch mal schnell zum Arzt fahren. Und er hätte nicht so schwer zu tragen. Opa wäre auch schneller bei uns. Dann könnte er auf seine Enkel aufpassen und mit ihnen auf der Wii spielen. Das wäre sowieso besser für seine alten Knochen – und die Kinder können nicht von Zecken gebissen werden oder sich so eklig dreckig machen.
Ach ja … Eigentlich wollt ich doch über Weihnachtskarten nachdenken? Früher war das viel einfacher. Ich kaufte immer die von UNICEF, da hatte ich neben den schönen Motiven auch immer noch etwas Gutes getan. Aber dieser Verein ist ja gar nicht so toll, wie er sich immer dargestellt hat. Stand doch oft genug in der B*LD, daß die mit den Spenden nicht korekt umgehen. Nicht daß ich diese Zeitung lese oder gar glaube, was die schreiben. Doch irgendwas muß ja dran sein, oder?
Jetzt weiß ich schon das zweite oder dritte Jahr nicht, woher ich die Karten nehmen soll. Aber ich will wirklich welche schreiben. Voriges Jahr war ich sehr überrascht, daß mir auch ein alter Kollege schrieb. Damit hatte ich nicht gerechnet. Der Idiot hatte allerdings keinen Absender drauf. Wie soll ich ihm denn da antworten? Hätte er sich doch denken können … Egal, er ist ja selbst Schuld. So kann ich nicht antworten.
Und wenn die Kinder wieder an den Weihnachtsmann schreiben wollen? Auch dazu könnte wir Weihnachtskarten nehmen. Auf die paßt wenigstens nicht so viel drauf. Voriges Jahr hat alleine die Große zwei Seiten Wünsche gehabt in dem Brief. Also: Weihnachtskarten. Erbtante, Opa, zwei Kinder – sind gerade mal vier. Lohnt es sich, deswegen erst welche zu kaufen? Alleine der Streß in diesen proppevollen Läden … Mal sehen, was meine Frau dazu sagt. Ich schreib ihr mal eine SMS.
Und euch wünsche ich eine besinnliche Zeit.
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 15. Dezember 2011 war die Aufzeichnung einer Radiosendung.
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Sehr schön ge- und beschrieben – bin froh, dass sich mir einige Fragen davon im Moment nicht stellen. LG
Das Lesen der Erwägungen hat mir Freude gemacht!!
Übrigens: Sogar im Weihnachtsbaum könnten Zecken sein, habe ich gelesen.
Der Opa ist `ne Nummer….
Gruß von Sonja
Ein sehr unterhaltsamer Text – danke für.s Mit-Teilen!
…bei mir ist es anderum, wenn SchwiegerMuh und der Herr Papa sich unterhalten, verstehe ich nur böhmische Dörfer. Mir ist auch noch immer nicht klar, was Schwiegermonster wissen wollte, als sie unlängst entsetzt aufkreischte: „Du hast kein skype?“. Ich hoffe nur, nicht wieder i-eine hochwichtige Schutzimpfung verpasst zu haben. Hm.
Beschwingt grüßt: die Falkin
Klingt ein klein wenig zynisch, oder?
Ich mache meine Karten selber, schreibe sie ohne Wenn und Aber an alle, denen ich aufrichtig frohe Weihnachtsgrüße schicken möchte und stecke sie dann frohgelaunt in den Postkasten.
In diesem Sinne fröhliche Grüße!
Elvira
Denen, die keinen neumodischen Kram mögen, denen wirst du wohl schreiben müssen, lieber Emil. Und das kannst du wahrlich, mit der Feder auf Papier. Und ich denke, so ein Text ist etwas ganz Besonderes, Persönliches und Wertvolles. Wie soll eine gekaufte Karte das aufwiegen.
Und die anderen freuen sich über eine Weihnachtsmail im Postkasten garantiert. Und wenn es keine im Mailprogramm geschriebene sein soll, dann wird eine PDF… Ach, Mammo, was palavere ich denn schon wieder? Das muss ich dir doch nicht erzählen.
Vielleicht erscheint es hier unpassend, aber:
Ich oute mich!
Immer dann, wenn in den Kategorien «Erlebtes» fehlt, sind die Texte wirklich erfundene Geschichten. Sie können durchaus Wahrheiten enthalten, aber: Ich habe nichts davon erlebt. Nur in meiner Phantasie, in meinen Gefühlen, Gedanken – nur dort liegt ihr Ursprung. Nachdenklich machen möchte ich damit …
Diese hier, die von den Weihnachtskarten, ist – naja, sie ist meine Abrechnung mit den Menschen, denen es an Mitmenschlichkeit fehlt, den Berufsegoisten, Machos, Tussies, Bankstern usw. usf. – mit denen, die sich mit den Porsche Cayennes im ausgetrockneten Flußbett treffen müssen, um den Einkauf von Milch oder das Abholen der Kinder zu besprechen.
Meine Rolle hier wäre höchstens die des Opas …
Nana, Opa! Hehe, so sehe ich das aber nicht.
Fein, dass nun alles gar nicht so schlimm ist. Und ich hatte schon eine Idee. Ein Glück, dass ich den Schnabel gehalten habe, bzw. die Finger stille auf der Tastatur. 😀
Wir schreiben schon lange keine Karten mehr.
Anrufen, Mail schreiben, das reicht vollkommen.
Nachdem man sich schon öffentlich überlegt, die Schreibschrift nicht mehr zu unterrichten…
Ich liebe es, Briefe und Karten mit der Hand zu schreiben…und natürlich auch, solche Dinge per Post zu bekommen. Ist was ganz Besonderes geworden!