Anti-11-9 (Nº 254 #oneaday)

Nein iih lewwen – ohne mich.

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Diesem Theater des heutigen Tages werde ich mich nicht unterwerfen. Es geschah so viel an einem 11. September: selbst Wikipedia, noch nicht einmal die englische Version ist nicht vollständig. Aber was mir auffällt: Das Ende der Schlacht im Teutoburger Wald heute vor 2002 Jahren ist in der deutschen Version nicht erwähnt, nur in der englischen …

Deshalb hatte ich ja gestern versprochen, etwas anderes in meinem Schrank Gefundenes zu präsentieren. Vielleicht kann auch darüber jemand Schmunzeln. In meinen Ohren klinbgt es nämlich sehr büttenredig (dieses Wort benutzte ich doch schonmal?).

Also bitte, ein Werk aus dem Ordner «Meine peinlichen Gedichte»:

 

Wie soll mir ein fröhlicher Reim gelingen?
Ich kann doch nur traurige Lieder singen!
Nur Sehnsucht und Herzschmerz bringen zum Fließen
die Worte. Und wenn diese dann erst verließen
meinen Kopf, meine Seele, mein Herz und den Bauch:
dann weine ich auch.

Doch Scherze und Fröhlickeit, all diese Sachen,
die andere Menschen oft reizen zum Lachen,
sind selten geworden in meiner Zeit –
es regiert ringsumher düstre Traurigkeit.
Und ist es mir einmal ums Herze ganz heiß,
so fehlt mir der Fleiß

zum Schreiben. Dann geize ich nämlich mit Worten,
will all das Schöne für mich allein horten
und all das Gute mit niemandem teilen.
Denn bald schon, fürcht' ich, wird's Glück mir enteilen
und Dumpfheit und Schwermut breiten sich aus.
Macht euch nichts draus!

Ein jegliches Wesen hat Anspruch auf Glück.
Und wenn man es austeilt, so kehrt es zurück
als Vielfaches dessen, das weggegeben.
Doch so ist es nun einmal in unserem Leben:
Jeder achtet nur noch auf seins –
so wie ich auch auf meins.

© 1982-04-17 Der Emil
 
 
 

Vielleicht mache ich – später – mal eine Themenwoche daraus: Mißglückte Werke. Dazu könnten dann peinliche Gedichte, verwackelte Photos, zerkochtes Essen, ungenießbare Cocktails, vergeigte Vorstellungsgespräche, Modesünden, Friseurfehler usw. usf. gehören …

Soll ich mich für das “Gedicht” denn schämen? Nein, tu ich nicht. Wozu auch? Es reimt sich doch, also? Und: Ich war 19 und brauchte …

Solange ich damit nicht ein Anrecht auf den Darwin-Award gewonnen habe …

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 10. September 2011 war das Ausschlafen, der erledigte Haushalt, das Fontänefest mit Theater.

254 / 365 – One post a day (WP-count: 381 words)

Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Anti-11-9 (Nº 254 #oneaday)

  1. fudelchen sagt:

    ~~ Ein jegliches Wesen hat Anspruch auf Glück.~~

    Mir gefällt das ♥

    • nextkabinett sagt:

      Liebe fudelchen,

      so ungefähr steht’s auch in der amerikanischen Verfassung und wir sehen ja, wohin dieser Anspruch uns bisher geführt hat. Ein (Billigkeimer)Haus für alle und jeden … weltweite Finanzmarktkrise die erste, Wohlstand für alle … weltweite Finanzmarktkrise die zweite … Kollapse von Ökosystemen … Nuklearkatastrophen …

      Ja, ich weiß … Glück und materieller Wohlstand sind nicht identisch … aber nach Aristoteles ist materieller Wohlstand eine Komponente der Glückgüter:

      Zitat aus Wikipedia: Nikomachische Ethik:

      Dreiteilung in äußere, körperliche und seelische Güter

      Zur Erlangung von Glückseligkeit ist, so gesteht Aristoteles zu, nicht nur vernunftgemäße Betätigung der Seele nötig, sondern auch erstens äußere und zweitens körperliche Güter. Äußere Güter sind etwa Reichtum, Freundschaft, Herkunft, Nachkommen, Ehre und ein günstig gestimmtes persönliches Schicksal. Gesundheit, Schönheit, physische Stärke, Sportlichkeit entsprechen körperlichen bzw. inneren Gütern des Körpers. Aus der vernunftgemäßen Betätigung der Seele ergeben sich die seelischen Güter, die Tugenden.

      Die äußeren Güter ordnet Aristoteles dem zufälligen Glück zu, der eutychia. Körperliche Güter sind teils ebenfalls von Zufall abhängend (z.B. unter Umständen Schönheit), teils aber auch auf eigenes Handeln (z.B. durch Sport oder Ernährung) zurückzuführen. Seelische Güter dagegen können nur von wirklich guten Menschen erlangt werden. Alles zusammen ergibt eine Glückseligkeit, die Aristoteles in seinem Werk nur kurz erwähnt: Die des „vollkommen glücklichen Menschen vor und nach seinem Leben“. Dieser Mensch ist dann wahrhaft glücklich, oder anders: er ist makarios.

      Praktische und theoretische Lebensweise

      Aristoteles definiert die Glückseligkeit als eine Tätigkeit der Seele gemäß der vollkommenen Tugend (arete) in einem vollen Menschenleben. Allerdings können bestimmte dianoetische Tugenden nicht von jedem in vollkommener Form erreicht werden. Daher gibt es laut Aristoteles zwei grundlegende Weisen, wie ein glückliches Leben möglich ist.

      Die am stärksten vollkommene Glückseligkeit besteht im bios theoretikos, im kontemplativen Leben. Dieses schließt wissenschaftliche Betätigung, Gebrauch der Vernunft (Nous) in die für den Erkenntnisgewinn grundlegenden Wahrheiten, und Erlangung von Weisheit ein. Auch die übrigen Tugenden sind bei dieser Lebensweise vollkommen ausgebildet, stehen aber nicht im Mittelpunkt des Handelns.

      Da einige Menschen sich von Natur aus nicht zu dieser Lebensweise eignen, weil sie laut Aristoteles insbesondere nicht in vollendeter Form über die Vernunft verfügen und dieses auch als einzige Tugend überhaupt nicht angebildet werden kann, gibt es eine zweite Lebensweise. Das bios praktikos, das praktische Leben, beschränkt sich auf den vollkommenen Gebrauch der Vernunft in Bezug auf kontingente Tatsachen, d.h. auf den Gebrauch von Klugheit und Kunstfertigkeit in Verbindung mit den ethischen Tugenden.

      LG, die Social Secretary … mehr oder weniger tugendhaft und vernünftig

  2. Himmelhoch sagt:

    … aber eine Fotoserie von dem zerkochten Essen ersparst du uns hier bitte *grins*
    dagegen wäre ich für Fotos über Modesünden oder Friseurfehler sehr offen und empfänglich.

    • der_emil sagt:

      *lach*

      Fotoserie muß ja nicht sein, Wortbericht reicht doch, oder? Und bei den Mode- und Friseurdingen wird’s rechtlich schwierig …

      • Himmelhoch sagt:

        Gut – da du sehr gut beschreiben kannst, reicht mir das beim Essen mit Worten. – Kannst du nicht alles, was auf Hersteller oder ähnliches hinweist, wegschneiden oder übermalen – aber so ein paar haarige Modesünden als Foto???? Bitte! – Überleg doch mal!

        • der_emil sagt:

          Hm. Da gerade Friseurunfälle sehr eindceutig zu identifizieren wären auf irgendwelchen Photographien, bräuchte ich für jedes Bild die Einverständniserklärung der abgebildeten Personen, um die Photos veröffentlichen zu dürfen … Ebenso bei den Modesünden …

          Das ist mir zu heiß.

          • Himmelhoch sagt:

            Ich hatte ja auch mehr so an dich in Krachledernen mit SAndalen und langen weißen Socken an den Füßen oder so. Ich bin immer davon ausgegangen, dass alle Modesünden dir passierten und alle Friseurunfälle ebenfalls.

            • der_emil sagt:

              Och nöööö – ich lauf nur in Schwarz rum, und ein Friseur hat mich vor 6 oder 7 Jahren zum letzten Male als Kunden gehabt. Das waren außerdem nur theoretische Beispiele …

    • nextkabinett sagt:

      Finde ich auch eine tolle Idee. Ach, warum nicht auch zerkochtes Essen? *lol*

  3. pantoufle sagt:

    Das wäre doch mal wieder ein Anlass zu einem „Thema der Woche“: Ein Wettbewerb im Verfassen des schlechtesten Gedichtes über 9/11…oh Taliban, oh Taliban, fang gar nicht erst mit fliegen an… so richtig grottig eben!
    Das Thema gibt einfach nichts mehr her. Ausser vielleicht schlechter Lyrik.
    Lieben Gruß
    Pantoufle

    • der_emil sagt:

      Das da ist von 82. Und ich möchte keine grottigen Gedichte über (beinahe hätte ich gesagt: diesen Furz in der Geschichte) lesen

      • pantoufle sagt:

        Mensch: Ich bin auch ein Blödmann – ich habe das gar nicht mit Deinem Gedicht verbunden… ich dachte die ganze Zeit an dieses unselige 9/11. Das da auch noch ein Gedicht stand, war in dem Augenblick völlig weg. Entschuldige vielmals! Manchmal habe ich eine extrem lange Leitung!

        • der_emil sagt:

          Dieses Geseihere über was-weiß-ich den ganzen Tag schon geht mir gewaltig auf den Keks. Seither wurde immer nur Freiheit eingeschränkt, mehr Daten gesammelt, Preise gesteigert … Alles unter der Begründung Terrorgefahr – welch ein Schwachsinn!

  4. Irmi sagt:

    Emil, mir als Gedichtfan gefällt es. Schämen? – Nein, das mußt du dich ganz bestimmt nicht.
    Aber Thementage – würden mir gefallen. Nur nicht über zerkochtes Essen. Da möchte ich mich mit Himmelhoch solidarisch erklären.
    Liebe Sonntagsgrüße schickt Dir
    Irmi

  5. ah da hat ne Synapse aber auch grad gezuckt ^^

    „Parmesan und Partisan, wo sind sie geblieben? Partisan und Parmesan, alles wird zerrieben…“.

    auchn Spruch mit dem ich gern die Leute unterhalte. ist aber nicht von mir, sondern Matthias Beltz.

    also, man kann auch von deinen Versen halten, was man will. und so grottig sind sie auch nicht. Du hast sie sorgfältig aufgehoben. andere schmeißen sowas unter Umständen wech. vernichten es. und wollen nix mehr damit zu tun haben. Du aber stehst dazu. also zu Dir. damals. find ich gut.

    • der_emil sagt:

      ’s ist eines meiner Probleme: Was ich nicht schriftlich habe, vergeß ich und vergaß ich. Also heb ich so ziemlich alles Aufgeschriebene auf.

      Dummerweis hab ich vor einigen Jahren alles verbrannt, was ich in die Hände bekam; glücklicherweis hat so einiges den Scheiterhaufen überlebt, weil ich es in meinem Wahn übersah.

      Heute freue ich mich über jedes Stück Text, das ich in dem Restewust finde. Und es sind noch grauslichere “Werke” dabei.

      • Das hilft zwar jetzt auch nicht groß weiter, aber ich mein meinem Gravatar ein weiteres Bild hinzugefügt. (H)

        • oke, wenn du willst, kannste das mein korrigieren. solltest du bedenken, das passt in die historische Entwicklung, lass. einfach. ich meinte: Das hilft zwar jetzt auch nicht groß weiter, aber ich hab meinem Gravatar ein weiteres Bild hinzugefügt. (H)

          tzzz

  6. anniefee sagt:

    Ich finde die Verse auch nicht sonderlich peinlich, zumal für einen 19-jährigen.
    Da habe ich schon Schlimmeres gelesen von jungen Herren !
    Und inhaltlich ist es doch unvergänglich, die meisten Leute neigen zum Lyrisieren, eher wenn sie traurig sind denn in glücklichen Momenten.

  7. sweetkoffie sagt:

    Uiiii ….Emil, bitte informiere mich SOFORT, wenn das Projekt „missglückte Werke“ startet,
    denn dazu kann ich locker 2 Fortsetzungsromane beisteuern.
    Band I : Sweetkoffie und das andere Geschlecht
    die Absichten sind echt
    gutgemeint und regelrecht
    ersehnt, erträumt, ganz klar
    gewollt. Jedoch da war
    wie oft im Leben
    der Griff daneben !

    LG SK!

    • der_emil sagt:

      Ohhhhh, oooooooohhhhhhhhhhhhh!

      „Auch Du, Brutus?“

      Wenn der Titel nicht schon vergeben wäre, könnten wir „Die unendliche Geschichte“ daraus machen …

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