Kunterbunt (Nº 124 #oneaday)

Was ich von Gestern mitnehme

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1. Meine beiden Nymphensittiche schaffen es, mich mit der Lautstärke einer bremsenden Lokomotive zu wecken. Um 9.00 Uhr.

2. Frisch gebrühter Kaffee entfaltet auch durch eine Boxer-Short hindurch seine volle Temperaturwirkung. Da spielt es nur eine kleine Rolle, ob schon Milch in der Tasse war oder nicht. Andererseits schützen zusammengekniffene Beine und eine bereitliegende Küchenrolle den Teppichboden weitgehend vor Kaffeeflecken (auch, wenn’s wehtut). Ausgiebiges Kühlen hinterher verhindert Schlimmeres, fühlt sich aber auch nicht viel besser an.

3. Die Anwesenheit bestimmter Personen in einer Gruppe kann die Kommunikation zum Erliegen bringen oder auf seichte Themen einschränken. Die Anwesenheit anderer Personen in einer Gruppe kann die Gespräche am Laufen halten und zur Vertiefung beitragen. Wichtiges bespricht man sowieso nach dem Gruppengespräch zu zweit.

4. Ich muß wirklich weiblich sein. Das habe ich gestern zum wiederholten Male festgestellt. Wie? Gut, dann wird das etwas länger:

Sonntags bekommen die Haushalte hier in der Gegend zwei von diesen „Zeitungen”, in die die Werbeprospekte eingewickelt werden. Heute am späten Nachmittag sortierte ich genau diese Werbung zum Altpapier.
 
Die ganze Werbung? Nein. Einen Prospekt behielt ich fest in der Hand.
 
Schuhe.
 
(Am Walpurgisabend hab ich mir ein Paar ruiniert – ich muß also ein Paar ersetzen.) Oh. Wirklich tolle Schuhe zu einem unschlagbaren Preis. Es war gerade 18.30 Uhr, und laut Prospekt hatte der Laden bis 20 Uhr geöffnet. Also fuhr ich hin.
 
Um 19.10 Uhr stand ich völlig verdattert vor dem verschlossenen Eingang zum Geschäft in einem Einkaufscenter hier in der Nähe. Wirklich, Öffnungszeiten bis 19 Uhr. Kopfschüttelnd kramte ich den Prospekt hervor: Bis 20 Uhr stand da. Und ich wollte die Schuhe haben! Die noch im Laden befindliche Verkäuferin erklärte mir dann durch die Glastür hindurch, worin mein Fehler bestand.
 
Vor lauter Gier nach den Schühchen war ich zur falschen Filiale gefahren – die mit dem Prospekt werbende liegt am anderen Ende der Stadt; und dorthin war es bis 20 Uhr nicht mehr zu schaffen.

5. Wenn alle Geschäfte im Einkaufscenter bereits geschlossen haben, ist ein Ersatzfrustkauf nicht mehr möglich. Das spart zwar etwas Geld, ist aber völlig unbefriedigend. (Un-)Glücklicherweise mußte ich auf dem Heimweg an einem Döner vorbei. Resultat: Statt Frustkauf geht auch Frustfressen von zwei Dönern normaler Größe – und das macht ein ebenso schlechtes Gewissen wie der Frustkauf.

Das reicht. Denn noch jetzt tut mir der Bauch weh und heute werde ich nur über die Treppe in den neunten Stock zu meiner Wohnung gehen …

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

© 2011 – Der Emil CC by-nc-nd der_emil(at)arcor(dot)de

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Kunterbunt (Nº 124 #oneaday)

  1. fudelchen sagt:

    Danke….ich hab herzlich gelacht und hoffe, du hattest ein gute Nacht ohne Bauchweh 😀

  2. puzzle sagt:

    1. Deine Nymphensittiche sind entweder sehr rücksichtsvoll, oder der Raum ist gut verdunkelt – meine befanden den Sonnenaufgang für die richtige Zeit, die Welt zu begrüßen.
    2. Manche unbewußte Reaktionen machen einem die starke Wirkung von Erziehung bewußt – nur mein Einfall dazu.
    3. Ja; im Umgang von Angesicht zu Angesicht zumindest kommt man auch nicht umhin, sein Verhalten dem anzupassen. Virtuell sehe ich das anders.
    4. Eine starke Anima ist auch eine gute Freundin 🙂
    5. Das ist nachvollziehbar: ein Paar Döner mußte es sein, man kauft ja auch Schuhe paarweise. Bauchschmerzen statt Einkaufschmerzen – sieh’s positiv – machen keine Blasen.

    Aber heute – heute gilt doch der Prospekt hoffentlich noch?

  3. frizztext sagt:

    Frisch gebrühter Kaffee entfaltet auch durch eine Boxer-Short hindurch seine volle Temperaturwirkung…
    +
    zuerst dachte ich, du hattest keine filtertüten mehr und nahmst stattdessen die shorts. dann begriff ich, man wollte dich entmannen oder zumindest verbrühen. da muß man sich ein eis kaufen …

  4. haha Einlaufschmerzen. ah sorry. ja, wie man es von dir gewohnt ist, lieber Emil. Tröstende Beschreibung der Zustände ^^

    Du schaffst 2 Döner??

  5. bauchundnase sagt:

    Ich hab 11 Nymphensittiche hier sitzen. Um 9??? Das wäre ja der pure Luxus. Zum Glück schlafe ICh weit weg von den Geiern, leider der Nachbar direkt gegenüber. Also bleibt das Fenster zu bis mindestens 9. 😉

  6. Gudrun sagt:

    Ach Mensch, Emil, du tust mir jetzt richtig leid. So ist dass, wenn man seinen Frust hinunterschluckt. Stimmts? 😀

    Herzliche Grüße aus dem Spinnstübchen
    (Du hast bestimmt eine tolle Aussicht von da oben.)

    • der_emil sagt:

      Im Falles dieser Döner war’s auch lecker, das Frust-runterschlucken 😉

      (Die Aussichten hab ich erst vor kurzem hier verblogt – am 21., 22. und 24. April.)

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