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Langsam wird es Abend, und endlich kühlt sich die Luft ein wenig ab. Aus dem Schatten der Bäume trete ich heraus ans Ufer. Auf den alten, brüchigen Anlegesteg setze ich mich, krempele die Hosenbeine ein Stück nach oben. Meine Füße baumeln gerade so im Wasser …
Heute war aber auch ein schöner Tag. Und ich hatte nichts Besseres zu tun, als durch den Wald zu laufen. Direkt nach dem Frühstück war ich losgegangen, hatte mir Brote und Tee mitgenommen. Schon nach einer kurzen Strecke zog ich Schuhe und Socken aus, verstaute beides in meinem Rucksack. Der Boden war zwar nicht unbedingt sommerlich warm, aber es war auszuhalten. Und ich fürchtete nicht, mich zu verkühlen.
Nach etwas mehr als einer Stunde hielt ich an, setzte mich auf eine der Bänke. Still war es bis auf das Pfeifen der Vögel und manchmal das Gesirre der Mücken. Das Telefon hatte ich zwar mit, aber stummgeschaltet — ich wollte heute nicht gestört werden. Und nur, wenn ich mir wirklich viel, sehr viel Mühe gab, konnte ich die Geräusche des Straßenverkehrs hören, die auch an einem Feiertag nicht ganz verebben.
So ging ich den ganzen Tag durch die Dölauer Heide. Manchmal traf ich andere Spaziergänger, Familien mit Kindern, Pärchen, Hundeherrchen und -frauchen mit ihren Vierbeinern. Der eine oder andere Radfahrer kreuzte meinen Weg, manche mußten mich mit ihrem Klingeln aus meinen Tragträumen reißen. Sogar Reiter waren unterwegs. Und doch blieb es ziemlich ruhig und friedlich. Auch im Mönchsholz direkt hinter dem Dölauer Krankenhaus. Nichts erinnerte mich daran, daß dieses Waldgebiet zu einer wenn auch nur kleinen Großstadt gehörte.
In der größten Mittagshitze legte ich mich dann irgendwo zwischen Kellerberg und Langer Berg auf eine Bank und dämmerte ein Weilchen im Schatten der Buchen vor mich hin, die dort wuchsen. Dabei bin ich wohl eingeschlafen. Ich hoffe nur, mein Schnarchen (oh, ich schnarche wirklich fürchterlich) hat die vorübergehenden anderen Leute nicht zu sehr gestört, und hoffentlich hat niemand mich gefilmt …
Aber das ist mir im Moment wirklich egal. Etwa zwei Stunden später und nachdem ich drei meiner Brote gegessen hatte, lief ich weiter, an der Schwedenschanze vorbei zum Hertateich. Keine Ahnung, warum der so heißt, wie er heioßt. Oh, ich ging langsam, sehr langsam und weiterhin barfuß. Noch hatten meine Füße keine Gelegenheit, sich an diesen Zustand zu gewöhnen in diesem Jahr.
Am Ende meines Ausfluges kam ich zurück an den Heidesee, den ich schon am Morgen streifte. Und hier sitze ich nun, schau den Bleßrallen zu und den Ameisen neben mir auf dem Steg und den Insekten. Ein paar Stücke der restlichen Wegzehrung bekommen die Enten, die sich neugierig näherten, aber sichere Distanz wahren.
Es ist kurz nach acht. Langsam wird es Zeit, die letzten 2 km nach Hause zu gehen. Wenn meine Füße getrocknet sind, zieh ich die Schuhe wieder an. Und dann …
P. S.: Eine Kamera hatte ich zwar mit, aber nicht benutzt. Ich hing einfach nur meinen Gedanken nach den ganzen Tag.
Ihr hattet hoffentlich alle schöne Ostertage.
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
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Der Hertateich heißt so, weil einst eine wunderschöne junge Frau namens Herta dort im sommerlichen Frühnebel schwamm.
Na, dann war ich einfach zu spät dort 😉
Das finde ich total gut, dass du deine Kamera nicht benutzt hast, denn das ist wirklich Erholung pur, alles andere ist stressig, ich kenne das.
Zum Alleinsein und ohne Kamera würde ich mich auch gerne hinreißen lassen, denn ich bin sehr gerne mal ganz allein…..aber ohne Kamera habe ich es noch nicht probiert 🙁
GLG Marianne 😉
Hach. Das klingt echt schön. Ich bewundere diese Ruhe, die du dabei/dafür offenbar hast. Ich wäre vermutlich zu hibbelig, würde meinen Proviant schon vor der Hälfte der Wanderung zu 80 Prozent aufgefuttert haben (das muss in den Genen liegen. So war ich schon als Kind und bei Herrn P. ist es auch so. Er hat bei einer Wanderung grundsätzlich nach den ersten ein zwei Schritten Hunger ;-)) Ich wäre vermutlich zu nervös, als dass ich auf einer Parkbank einschliefe. Herrlich. Liebe Grüße
Das liest sich ganz wie ein sehr schöner Tag, der einen richtig langanhaltend zufrieden machen kann, besonders, obwohl nichts Aufsehen Erregendes (außer, eventuell, dein Schnarchkonzert). Die Erwähnung deiner Brote erinnert mich an früher, als wir Kinder im Sommer unser Abendbrot mit rausnehmen durften „auf die Faust“, um das mit unseren Freunden im Hof oder auf dem Spielplatz zu essen, das war irgendwie besonders sommerlich.
Lieber Emil, ich gönne Dir von ganzem Herzen diesen schönen Tag.
Motto: Ruhe und Frieden !!!!! Grüsse von Illo.******
schön geschrieben. und wenns wirklich so traumhaft war, umso besser ^^
Oh ja, es war phantastisch. Ich werde den Spaziergang sicher wiederholen.
Jo,lieber Emil, das mit dem weißen Stück Papier ist auch mir, wie sicher auch vielen anderen,passiert.
Dabei wollte ich einen Artikel über die Bildungsmisere Heute , im Vergleich zu meiner „Ausbildung“,schreiben.Hab ich auch gemacht, aber nie veröffentlicht!
Mir gefällt Deine Einstellung zum “ Ganzen“ und sehe da gewisse Parallelen.
V.G. Kuddel