Wahre Märchen (Nº 115 #oneaday)

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Da ist sie wieder, diese spezielle Art des «horror vacui». Ich sitze vor einem leeren weißen Blatt und habe einen Horror davor, es irgendwann (nämlich genau jetzt) nicht füllen zu können. Dabei gibt es doch sehr viel zu berichten! Den Sonnabend hatte ich nämlich für meine Hausarbeit geplant – aber die fiel aus. Zugunsten eines sehr angenehmen, sehr langen Tages.

Alles begann damit, daß meine Pläne von einem telefonischen Hilferuf betreffend eine Wasserkatastrophe unterbrochen wurde. Wie immer genau an der Kasse des Supermarktes, also im genau richtigen Moment. Klar ist auch, daß ich helfen ging – aber die Katastrophe war dann doch kein großer Wasserschaden, sondern eine kleine Pfütze bisher ungeklärter Herkunft. Trotzdem war die Zeit erstmal weg.

Haushalt fiel also irgendwie aus, denn zum Osterfeuer in der Stadt wollte ich auf alle Fälle. Dort war ich mit einigen Bekannten verabredet. Vorher stieg ich noch in meine Wanne, um die Woche abzuschließen und mich zu regenerieren. Die zwei Stunden mußten wirklich sein.

Relativ pünktlich machte ich mich auf meinen Weg, lieferte noch etwas bei meiner Freundin ab und kam auch ziemlich pünktlich beim Veranstaltungsort an. Hey – der Eintrittspreis erschien mir anfangs heftig hoch, aber im Nachhinein betrachtet war das schon in Ordnung … Auch die Gespräche mit den Bekannten verliefen erfreulich. Und das Osterfeuer war groß und heiß und romantisch, die eine Musik zu laut und die andere nicht leise genug. Egal: Mir hat es dort gefallen.

Danach ließ ich mich zu einem Bier in meiner ehemaligen Lieblingskneipe überreden. Auch dort hatte ich recht viel Spaß, fühlte mich wider Erwartens recht wohl. Mit Verlassen der Lokalität wurde jedoch wieder alles ganz anders – nein, nicht schlecht oder schlimm, jedenfalls nicht für mich, nur anders.

Die dazugehörigen Einzelheiten mag ich jetzt nicht ausbreiten. Aber es wurde trotz aller Seltsamkeiten und Widrigkeiten eine ziemlich hektische und später romantische Nacht mit einem Spaziergang unter zunehmenden Halbmond und Sternenhimmel, mit Witzen und Lebensweisheiten, mit Lachen und Träumen und einer sonderbaren Begegnung an der Bushaltestelle.

Und mit einer Fahrt im ersten Linienbus des Ostersonntags, früh halb fünf. Mit zehn Minuten Restfußweg nach Hause, die jeder für sich zurücklegte und einem dabei noch geführten Telefonat, daß uns in den langsam hellerwerdenden Morgen führte.

Keiner von uns hatte den Ablauf so bescheuert eiden geplant.

Für mich war es trotzdem die wundervollste (im wahren Wortsinn! Ehrlich!) Nacht seit langem. Manchmal werden Märchen doch irgendwie wahr – oder die Wirklichkeit wird märchenhaft …

Das mußte ich einfach loswerden.

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

© 2011 – Der Emil CC by-nc-nd der_emil(at)arcor(dot)de

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Wahre Märchen (Nº 115 #oneaday)

  1. mayarosa sagt:

    Das klingt doch sehr schön. Und du hast vermutlich einiges richtiger gemacht als ich: „Und mit einer Fahrt im ersten Linienbus des Ostersonntags, früh halb fünf.“ – Ja, ich hätte nicht halb-sozialverpflichtet, halb-fliehend gegen 23 Uhr die Tür aufschließen sollen … vielleicht hätte ich einfach länger draußen bleiben sollen …

  2. zeitreisen sagt:

    Tja, so kann es geh`n :-). Manchmal muss man nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein und schon läuft es 😛

  3. der_emil sagt:

    Tja — es hat nichts mit Liebe und/oder Sex zu tun … Aber es war alles ganz anders …

  4. Die Hellwache sagt:

    … gefällt mir auf jeden Fall besser als die doch recht zweifelhafte Geschichte vom Osterhasen ;-)))! Ausserdem, ein „Ostermärchen“ war mir bisher noch nicht zu Ohren bzw. Augen gekommen :-), also: Eine schöne Geschichte … ! LG 🙂

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